VfL Leverkusen – Fortuna 1:1 – Ein Punkt fehlt!! Es hat nicht sollen sein…

Ich war nie der größte Schreihals, wenn ich ins Stadion gegangen bin. Natürlich rege ich mich auch auf und ab und an brülle ich dann auch was in Richtung Spielfeld. Aber ich habe mich immer eher abseits der Fanblöcke aufgehalten und die Sprechchöre lieber als Zuhörer genossen. Außerdem war ich nie übermäßig emotional, wenn es um den Spielausgang ging. Natürlich schaue ich mir nach jedem Spiel, zu dem ich nicht hingehen konnte, die Ergebnisse in der Zeitung an und je nachdem, wie es ausgegangen ist, ärgere oder freue ich mich. Aber ich habe mir ein Spielergebnis nie wirklich übermäßig zu Herzen genommen. Vielleicht liegt das daran, daß mir mein Verein nie Anlaß zu übermäßigem Jubel oder tiefer Trauer gegeben hat. Ein Freund von mir ist Die-Hard Schalke-Fan und der war 2001 verständlicherweise ziemlich fertig. So etwas ist mir bis jetzt noch nie passiert. Beim Pokalfinale 1983 war ich einfach zu klein und die Relegationsspiele 1986 haben mich zwar maßlos geärgert, aber ich war zu dem Zeitpunkt noch nie im Stadion gewesen. Seitdem ich mehr oder weniger regelmäßig zu den Spielen gehe hat es keine Entscheidung mehr gegeben, die an einer Partie hing. Alles war immer schon an den vorangegangenen Spieltagen entschieden worden.

Fortuna ist schon immer mein Verein gewesen, erst recht nachdem ich meinen Vater so lange bedrängt hatte, daß er mit mir 1988 zu einem Spiel gegen Eintracht Braunschweig gegangen ist. Zwei Jahre zuvor war es zu den Relegationsspielen gegen Borussia Dortmund gekommen, die die Fortuna im entschiedenden dritten Spiel grippegeschwächt mit 0:8 verlor. Drei Jahre vorher das knapp verlorene Pokalfinale gegen den FC. Wir waren immer nah dran und letztendlich zogen wir doch immer den kürzeren. In solchen Momenten sucht man nach Seelenverwandschaften und ich meine zu verstehen, was beispielsweise die Fans von Schalke 04 oder die der Boston Red Sox oder der Chicago Cubs in der nordamerikanischen Baseballliga durchmachen mußten bzw immer noch müssen. Natürlich gab es auch Erfolgserlebnisse, aber die waren eher für den Moment und hatten keinen Einfluß auf den rest der Saison, wie beispielsweise die beiden gewonnenen Derbies gegen den FC 1998/99 (4:2 und 3:0)

Und heute endlich hatten wir die Chance Geschichte zu schreiben.Die ganze Stadt, so schien es, war in Aufruhr. Fortuna (61 Punkte) spielte gegen den Tabellenführer VfL Leverkusen (62 Punkte) im allesentscheidenden letzten Saisonspiel. Fortuna brauchte einen Sieg, Leverkusen würde ein Untentschieden zum Aufstieg reichen. Das Spiel war in den Sportpark Höhenberg, normalerweise Heinmspielstätte der Kölner Viktoria , verlegt worden, weil das „Stadion“ in Leverkusen dem Besucherandrang nicht gewachsen gewesen wäre. Und die Leute kamen in Scharen. Man muß sich immer wieder vor Augen halten, daß es hier um ein 5.Ligaspiel ging. Zu dem über 6.000 Menschen kamen. Was für eine Kulisse! Und, vor allem, was für ein Spiel.

Vom Anstoß weg war klar das Leverkusen sich nicht mit einem Unentschieden zufrieden geben würde. Die Fortuna auf der anderen Seite bekam überhaupt keine Chancen und war im Gegenteil glücklich, daß sie keinen Gegentreffer hinnehmen mußte. Aber nach dem Seitenwechsel bekam sie das Spiel besser in den Griff. Pfosten, Latte, Großchancen, all das trug dazu bei die Hoffnungen der Fans aufrecht zu erhalten. Ich schrie mir die Seele aus dem Leib, meine körperliche Verfassung war mir zu dem Zeitpunkt völlig egal. Auch die Tatsache, daß ich kaum etwas getrunken hatte, weil die Organisatoren aus Leverkusen für die Masse an Fortuna-Fans nur einen Getränkestand aufgemacht hatten, störte mich überhaupt nicht mehr. Und als wäre es im Drehbuch so vorgesehen fällt tatsächlich ein paar Minuten vor Schluß der Führungstreffer für die Fortuna. Ich habe keine Ahnung, wem ich zu dem Zeitpunkt alles in die Arme gefallen bin, die meisten werden völlig fremde Menschen gewesen sein. Wir waren auf Wolke 7 …….. und dann fielen wir. Und wir landeten ziemlich hart. Knallhart. Ein abgefälschter Schuß nach einer Ecke fällt einem Leverkusener Stürmer direkt vor die Füße, der schiebt ein und es steht 1:1. In der 90. Minute. Ich habe noch nie einen Hexenkessel so schnell von himmelhochjauchzend in zutodebetrübt umschalten sehen. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Fassungslose Gesichter allerorten. Ich war völlig sprachlos. Erschüttert. Am Boden zerstört. Fassungslos. Kaputt. Die Nachspielzeit habe ich nur noch im Delirium miterlebt. Wie in Trance. Wir waren so nah dran. Und tratzdem stehen wir wieder mit leeren Händen da. Unser erster Aufstieg seit 35 Jahren ist uns auf der Zielgerade aus den Händen gerissen worden.

Die größte Hoffnung, meine größte Hoffnung für die Zukunft ist die Unterstützung, welche die Zuschauer dem Team gegeben haben. Die Leute weigerten sich schlichtweg nach Hause zu gehen bis die Mannschaft zu ihnen kam, um sich zu bedanken. Die meisten Spieler waren völlig niedergeschlagen, einer weinte sogar. Die ganze Atmosphäre war irgendwie sehr melancholisch. Auch die Bahnfahrt nach Hause war sicher eine der leisesten, die ich nach einem Spiel mitgemacht habe. Völlig anders als der Krach, den wir auf der Hinfahrt gemacht hatten.

Ich glaube, ich brauche erstrmal ein paar Tage bis ich das, was ich heute gesehen habe, verdauen kann. Aber wenn ich drüber weg bin, dann freue ich mich auf die kommende Saison.

(Dieser Text erschien zuerst auf Englisch in meinem anderen Blog, die Bilder stammen von der Fortuna Homepage)

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