Wo anfangen?

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter dem kleinen Verein aus dem Kölner Süden und ich weiß gar nicht, wie ich das alles in Worte fassen soll. Seit nunmehr 20 Jahren gehe ich mehr oder weniger regelmäßig ins Stadion, habe große Schlachten, schöne Siege, aber auch bittere Niederlagen miterleben müssen, aber so was ist mir bis jetzt verwehrt geblieben. Ein Erfolgserlebnis. Ein Aufstieg.

Was habe ich immer neidisch auf meine Freunde und Bekannten geschaut, wenn sie etwas zu feiern hatten. Und das kam in Köln dank den Fahrstuhlqualitäten des „anderen Vereins“ in den letzten Jahren ja desöfteren vor. Nein, ein Erfolgserlebnis mit meiner Fortuna blieb immer auf Einzelflle beschränkt. Hier mal ein Sieg in einer frühen Runde des DFB-Pokals gegen einen Erstligisten (z.B. 1991, Hansa Rostock, 5:3 n. V.), dort mal ein außergewöhnliches Spiel im Ligabetrieb (z.B. ein 4:1 gegen Fortuna Düsseldorf 1988). Doch nie endete eine Saison mit einer Riesenparty.

So ist es denn auch bezeichnend, daß der diesjährige Aufstieg in die neugeschaffene NRW-Oberliga nicht gleich nach dem Spiel begossen werden konnte, sondern erst am grünen Tisch erfolgte. Was wäre das schön gewesen. Sicher, so ein Trubel wie beim letzten Aufstieg (1973 in die 1. Bundesliga) wäre es nicht geworden, aber die Südstadt hätte schon gebebt.

Die Hoffnung ist nun groß, daß der „schlafende Riese“, für den manche Verbandsligakonkurrenten die Fortuna gehalten haben mögen und der sie für diese Spielklasse sicherlich auch war, geweckt wird. Und daran hat das Projekt deinfussballclub.de sicher entscheidenden Anteil. Ich gebe zu, anfangs war ich durchaus skeptisch, als ich von dem Vorhaben erfuhr, daß „mein Verein“ zum Spielball irgendwelcher Internetchaoten werden sollte. Mit Grausen erinnere ich mich an Pläne des Reality TV Teufels Endemol, wonach ein Fußballclub rund um die Uhr von einem Kamerateam begleitet werden sollte. Als der Name Fortuna Köln fiel bin ich schon ziemlich zusammengezuckt. Wenn man sich allerdings ansieht, was sich seit der Bekanntgabe des Projekts in der Südstadt getan hat, so mögen zwar nicht alle Zweifel über Bord geworfen worden sein, aber ich muß doch anerkennen, daß sich einiges zum Guten gewendet hat. Das beginnt schon mit den Zuschauerzahlen. Natürlich ist es gemütlich, wenn man locker ein paar Minuten vor Anstoß zum Stadion radeln kann, um sich dann gemeinsam mit ca. 400 Unerschrockenen ein eher durchschnittliches Spiel anzusehen. Man hat keine Probleme einen guten Platz zu finden, man muß an der Wurstbude nicht anstehen, alles schön und gut. Aber entscheidend ist doch die Stimmung. Die war zwar auch bei weniger gut besuchten Spielen immer hervorragend, aber wenn 1.000-2.000 Menschen die Mannschaft nach vorne peitschen, dann ist das schon ein bißchen anders. Der Verein wird in der Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen und man muß nicht endlos suchen, um kleine Informationshäppchen zu bekommen.

Kurz gesagt, ich hatte das Gefühl, daß es aufwärts geht und, wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich dieses Gefühl in den letzten Jahren seit dem Zweitligaabstieg nicht wirklich häufig. Insolvenzen, die ständigen Versprechungen, daß von irgendwoher Geld aufgetrieben wird, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, der Zwangsabstieg mitten in der Oberligasaison 2005/05, die Abstiegskämpfe in der Verbandsliga, es sah alles eher trist aus. Und trotzdem bin ich immer wieder ins Stadion. Warum auch immer, eine wirklich Erklärung findet sich für so ein Verhalten eh nicht.

Aber jetzt hab ich Blut geleckt. Natürlich, einfach wird das nicht. Dafür sind die Namen der Konkurrenten zu klangvoll. Die zweiten Mannschaften von Fortuna Düsseldorf (endlich wieder ein Derby!), Arminia Bielefeld, Alemannia Aachen, Rot-Weiß Essen und dem MSV Duisburg, Lokalrivalen wie der Bonner SC, alte bekannte aus Verbandsligazeiten wie Germania Dattenfeld oder Traditionsvereine wie die SG Wattenscheid 09, Sportfreunde Siegen oder Westfalia Herne, da muß man sich erstmal durchsetzen. Trotzdem freu ich mich.

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