AFC Liverpool: Und noch einer…

So langsam scheint es in Mode zu kommen eigene Vereine aus dem Boden zu stampfen um ein Zeichen gegen die zunehmende Kommerzialisierung in den großen Ligen zu setzen. Man denke nur an den FC United Of Manchester, der sich nach der Übernahme von Manchester Utd durch den amerikanischen Milliardär Malcom Glazer gründete, riesiges Medieninteresse nach sich zog und mittlerweile durch die unteren Ligen Nordenglands pflügt.

So etwas ähnliches entstand nun in Liverpool, allerdings weniger als Protest gegen den großen Verein der Stadt als vielmehr als Ergänzung zum bestehenden Angebot für finanzschwache Fans. Die Stadt an der Mersey ist für Fans aus aller Welt verbunden mit dem ruhmreichen Liverpool FC, der seine Heimspiele an der legendären Anfield Road austrägt. Doch auch hier macht der Kommerz nicht halt, im Gegenteil. Ich würde vermuten, daß, je größer der Name und die Tradition eines Vereins, die Eintrittspreise dementsprechend gesalzen sind. Die billigste Karte – wenn man den eine bekommt – für einen Platz auf dem sagenumwobenen Kop Stand kostet 35,- Pfund (rund 53,- Euro) und ist gleichzeitig auch die preiswerteste im ganzen Stadion. Und nach dem ganzen Hickhack, daß ich durchlaufen mußte nur um an die Informationen über die Ticketpreise zu kommen, kann ich gut verstehen, daß einige Leute sich das nicht mehr zwingend antun wollen.

Der Association Football Club Liverpool, kurz AFC Liverpool, versteht sich als Ergänzung des bestehenden Angebots und hat in dieser Saison seinen Spielbetrieb aufgenommen. Laut Aussage von Club-Sprecher Alun Parry auf Wikipedia will man nicht in Konkurrenz zum großen Bruder treten, sondern den Menschen ein Fußballerlebnis bieten, die nicht mehr in der Lage sind die horrenden Eintrittspreise in einem Premier League Stadion zu bezahlen. Die Gesänge, die Musik und die Vereinsfarben werden vom Vorbild übernommen. Darüber hinaus soll der Verein auch als soziale Integrationsmöglichkeit genutzt werden, der die Menschen der Gemeinde, in der auch der Liverpool FC zu Hause ist, beim Fußball zusammenbringt. Auf der eigenen Homepage betont man gebetsmühlenartig, daß man auf keinen Fall irgendetwas gegen die Reds hat.

„So are you claiming that you’ll be the REAL Liverpool now?
Absolutely not. The real Liverpool play at Anfield. We are AFC Liverpool, which is a non league club, run and owned as a cooperative society by Liverrpool supporters. It is aimed at people who love the real Liverpool but can no longer afford to go and watch them.
Is this all about Hicks & Gillett (Liverpool Eigentümer – der Verf.) then?
No. It’s about bringing families back to football who have been priced out. Whoever is in charge is irrelevant. Top flight football is simply very expensive these days. AFC Liverpool is for those priced out who want to go to football again with fellow Reds, and to initiate their children in the Liverpool way.“

Bekanntester Spieler ist der junge Torhüter Paul Willis, der aus der Fußballakademie des Liverpool FC zu stammen scheint.  Darüber hinaus sagt mir erstmal kein Name aus dem Kader etwas.
Jetzt hat die Idee natürlich einen gewissen Charme, aber ich frage mich dennoch, ob man als Außenstehender aus dem Nichts Sympathien zu einem Verein aufbringen kann, der sich als Juniorpartner eine Erstligisten versteht, ohne in den eigentlichen Club integriert zu sein. Ich weiß nicht was, aber irgendetwas hindert mich dem ganzen uneingeschränkte Sympathien entgegenzubringen. Wenn man etwas gegen zu hohe Eintrittspreise machen will, sollte man dann nicht bei dem Club anfangen, den man unterstützt? Ich weiß, mit dem Eigentümergeführten Fußball in England ist das eher schwierig.
Der soziale Ansatz allerdings hat durchaus etwas und ist vielleicht auch mit der Jugendarbeit zu vergleichen, die Fortuna Köln mit den zahlreichen Jugendmannschaften in der Südstadt betreibt. Beim AFC Liverpool sind vier Junioren-, zwei Mädchen- und ein Damen-Team im Einsatz, desweiteren wird über ein Behindertenteam (hat die Fortuna eigentlich so was?) nachgedacht. Vor dem Hintergrund macht so ein neuer Verein für mich durchaus Sinn.

Im deinfussballclub.de-Forum (aus dem ich auch den Hinweis auf den AFC Liverpool habe, Hat-Tip to red n white in cologne) wird schon über eine Freundschaft mit dem neuen Club diskutiert. Das wäre natürlich eine feine Sache. Vielleicht eine kleine Spielserie in der Vorbereitung zur nächsten Saison, so wie sie 2006 zwischen dem FC United Of Manchester und dem 1.FC Lok Leipzig stattfand, brächte auch der Fortuna ein wenig mehr Öffentlichkeit, insbesondere im Ausland. Ich will auch gar nicht zu pessimistisch klingen, die Idee an sich, einen für die Fans erschwinglichen Verein zu gründen, der von seinen Mitgliedern geführt wird und eine klare Verankerung in der Community hat, in der er spielt, kann ich nur begrüßen. Vielleicht ist es erfolgsversprechender die Nähe zu einem größeren Club zu suchen, um mehr Leute für so ein Projekt zu gewinnen. Mir selbst ist es, wie gesagt, ein zu sehr Fisch noch Fleisch. Entweder man macht etwas komplett eigenständiges oder man läßt es. Mal sehen, wie sich der AFC Liverpool entwickelt, vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „AFC Liverpool: Und noch einer…

  1. Super Beitrag und gute Werbung für den AFCL, bei dem ich übrigens Gründungsmitglied bin.

    Ich möchte nur eine Kleinigkeit geraderücken – wir haben nicht die Nähe zu dem großen Club gesucht, sondern die war immer da. In Liverpool ist man nunmal Fan des FC (wir ignorieren diese komische blaue Mannschaft an dieser Stelle mal einfach).

    Und wir wollten etwas eigentständiges aber auch nicht den Verein aufgeben, den wir so lieben.

    Führt das zu Gewissenkonflikten ? Ja, wenn der AFCL gegen den LFC in der Championsleague spielt, aber das ist noch nichts gegen die Konflikte die ich auszutragen habe, wenn das Endspiel dann gegen die Fortuna in Mailand stattfindet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s