In medias res: Der neue Medienpartner des DFC – Sport1.de

Ich hatte ja an anderer Stelle schon angekündigt, daß ich mich zu gegebener Zeit ein wenig ausführlicher mit dem neuen Medienpartner von deinfussballclub.de, Sport1.de, auseinandersetzen wollte.

Es ist ja nicht so, daß ich grundsätzlich etwas gegen Medienpartnerschaften habe. Im Gegenteil, ich sehe ein, daß ein Projekt wie das von deinfussballclub.de Publicity braucht, welche abseits der normalen Spielberichte im Lokalteil der örtlichen Presseerzeugnisse liegt. Und die erreicht man sicher nicht nur dadurch, indem man in den einschlägigen Redaktionen Klinken putzen geht. Ein Fünftligist bekommt nun einmal nicht die Aufmerksamkeit wie ein normaler Proficlub, der im unteren Tabellendrittel der zweiten Liga herumdümpelt. Schon gar nicht, wenn es innerhalb der Stadt einen Lokalrivalen gibt, der die Nachrichtenlage in den hiesigen Medien komplett bestimmt und alles, was sich in der gleichen Sportart bewegt, völlig zudeckt. Erst recht, seitdem der selbsternannte Messias zurückgekehrt ist und der Journaille noch mehr Schreibarbeit gibt.

Die Frage ist nur in welchem Umfeld man das Projekt durch eine Medienpartnerschaft platzieren will. Und da sehe ich Sport1.de nicht als einen glücklich gewählten Partner an. Woran liegt das?

Nun, mir gefällt zum einen überhaupt nicht, aus welcher Umgebung das kommt, was auf der Homepage des selbsternannten „größten Sport-Portals Deutschlands“ verzapft wird. Sport1.de ist sozusagen der virtuelle Arm des Deutschen Sportfernsehns. Ich rege mich schon jedes Wochenende über die journalistischen Qualitäten des DSF auf. Die Dillentanten, die dort am Werk sind und die hirnlosen Affen, deren Horizont sich nur bis zur nächsten Stadionbierbude erstreckt, mit den neuesten „Informationen und Nachrichten“ in solch unterirdischen Programmen wie „Bundesliga Aktuell“ hinters Licht führt, will ich nicht wirklich an meiner Seite wissen, wenn es um meinen Lieblingsverein geht. Plumpe Meinungsmache auf unterstem Niveau mit Moderatoren und Kommentatoren, die wahrscheinlich in ihrem ganzen Leben noch nie gegen einen Ball getreten haben und dementsprechend sinnentleert daherschwadronieren. Die Krakeelerei während der Spielberichte (die zugegebenermaßen leider Gottes auch von den öffentlich-rechtlichen Sendern übernommen worden ist) tut ihr übriges um den Fußballgenuß zu vermiesen. Von den dämlichen Gewinnspielen, die dem Zuschauer im Minutentakt um die Ohren gehauen werden, will ich gar nicht erst anfangen.

Hinzu kommt eine unglaublich einseitige Berichterstattung, wenn es um die Bundesliga geht. Ich habe aus meiner Verachtung für die Batzis aus München nie ein Hehl gemacht. Aber die Art und Weise, wie sehr der Rekordmeister sowohl auf Sport1.de als auch im DSF in den Vordergrund gerückt wird, sollte sogar Würstchen-Ulli vor Scham erröten lassen. Falls das momentan bei der Leistung seiner Mannen überhaupt noch zu erkennen ist, so rot wie der mittlerweile nach jedem Spiel in den Kabinentrakt stapft.Ich meine, wenn man schon in seinem Redaktionsblog eine eigene Rubrik mit dem Titel Neues von der Säbener Straße“ hat, dann sagt das doch eigentlich alles. Ja ja ja, natürlich, das ist der größte Verein der Republik, was die Anhängerschaft angeht. Aber ist das ein Grund sämtliche anderen Vereine völlig unter den Tisch fallen zu lassen? Ich finde nicht.

Dann eiern ständig irgendwelche inkompetenten Ex-Profis über die Mattscheibe, deren einzige Funktion zu sein scheint eine ABM-Stelle auszufüllen, damit sie nicht unter der Brücke schlafen müssen. Hat Thomas Helmer außer seiner Profikarriere eigentlich noch irgendeine andere Qualifikation?

Die offensichtliche Nähe zum Springer-Verlag, der mit seiner permanenten Stimmungsmache in seinem Flagschiff mit den großen Buchstaben jedem halbwegs normal denkenden Menschen ebenfalls ein Dorn im Auge sein sollte, ist einer weiterer Minuspunkt, der mich in meiner Abneigung nur bestärkt. Auch wenn der obligatorische BLÖD-Reporter im allsonntäglichen „Doppelpass“ mittlerweile anscheinend der Vergangenheit anzugehören scheint, so ist die geistige Nähe zu solchen Tieffliegern wie den Hofberichterstattern aus Hamburg nicht zu übersehen. Und den „Gras fressen und kämpfen“-Ideologen und Fußball-Kalten-Krieger Udo Lattek als „Experten“ und „Legende“ zu verkaufen geht echt auf keine Kuhhaut.

Was dem ganzen dann noch das Sahnehäubchen aufsetzt ist das überaus offensichtliche Appellieren an niedrigste Instinkte der männlichen User durch schlüpfrige Bilderstrecken. Tut mir leid, aber wenn einer Redaktion als einzige Bilderstrecke zu beispielsweise American Football nur leichtbekleidete Chearleader einfallen, dann hört’s auch bei mir auf. Meine Zündschnur ist sicher durch meine Punk-Sozialisation ein wenig kürzer als bei Normalverbrauchern, aber bei solchen Beschreibungen geht mir einfach der Hut hoch:

„Das Portal ist ein ideales männeraffines Umfeld für attraktive und innovative Vermarktungsmöglichkeiten. Werbetreibende Unternehmen haben auf Sport1.de die Möglichkeit, durch speziell auf sie zugeschnittene Werbeformen ihre Marken und Produkte in emotionsgeladenen Umfeldern zu präsentieren.“
(Quelle: Sport1.de)

Das ständige „Emotions“-Geseier geht mir extrem auf den Sack. Natürlich gehört zum Fußball Emotion. Aber doch nicht bei der Berichterstattung? Es ist einfach unerträglich, wenn der schlimmste Zweitliga-Kick zwischen zwei Abstiegskandidaten als „emotionales Highlight“ angekündigt wird. Da will ich einen halbwegs objektiven Bericht lesen. Für Emotion greife ich auf Blogs zurück. Oder schreibt drüber, daß es eine Bayern-Fanpage ist, dann wäre es mir auch egal.

Nun muß man zur Ehrenrettung sagen, daß die Berichte über die Fortuna einigermaßen gesittet rüberkommen. Nur frage ich mich dann, welchen Sinn eine Medienpartnerschaft mit einem, nach oben erwähnter eigener Aussage „emotionsgeladenem Umfeld“, hat, wenn die Artikel gerade diese Emotion, die ein solches Prjekt sicher braucht, um neue Mitglieder zu gewinnen, vermissen läßt. Überhaupt passiert mir da, was das Umfeld angeht, bei weitem zu wenig. Da leisten Blogs und Fanpages wesentlich bessere Arbeit.

Nein, wirklich glücklich bin ich mit der Auswahl des neuen Medienpartners nicht. Spox.com war natürlich auch keine Offenbarung. Aber wahrscheinlich bin ich in der Hinsicht einfach nur extrem altmodisch und anachronistisch veranlagt.

Just my 2 Cents…

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Ein Gedanke zu „In medias res: Der neue Medienpartner des DFC – Sport1.de

  1. Ich hätte da eine Anmerkung und eine Frage.

    Die Anmerkung: Man kann gleichzeitig Fortuna- und Bayern-Fan sein. Zumal dann, wenn das letzte Spiel dieser Mannschaften gegeneinander zu einem Zeitpunkt stattfand, wo man selbst noch den Kindergarten besuchte. Living Proof!

    Die Frage: Dass du nichts Grundsätzliches gegen Medienpartnerschaften hast, überrascht nicht komplett, schließlich klebt auf diesem Blog ja auch das 11Freunde-Logo. Kannst du mal kurz erklären, wie dieses Blog mit der 11Freunde und die wiederum mit DFC eigentlich genau zusammen hängen?

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