NRW-Liga Spieltag 17: Fortuna Köln – Westfalia Herne 3:1

01Das sind sicher solche Nachmittage, die einfach dazu einladen leicht überzuschnappen und von größeren Erfolgen zu träumen. Eine Eigenschaft, die ja besonders im Rheinland weit verbreitet sein soll. Und wir wissen ja alle, daß das Aufwachen aus einem solchen Traum sehr hart sein kann. Aber die Vorstellung der Fortuna an diesem Nachmittag war wirklich bemerkenswert.

12Der Reihe nach: Es ging gegen den Tabellenzweiten aus Herne, der sicher als einer der Aufstiegsfavoriten gelten muss. Fortuna spielte sicher nicht in Bestbesetzung und musste den Ausfall der kompletten etatmäßigen Innenverteidigung kompensieren. Die Vorzeichen standen also nicht wirklich gut. Die große Unbekannte in der Gleichung waren die Spielausfälle vom vergangenen Wochenende. Welche der beiden Mannschaften würde die Zwangspause besser genutzt haben?

021Gleich nach dem Anpfiff war von unterschiedlicher Vorbereitung nicht wirklich etwas zu bemerken. Fortuna spielte forsch nach vorne, Westfalia stand hinten sicher und versuchte zunächst Ruhe ins Spiel zu bringen. Das war alles ansehnlich und unterhaltsam, aber die ganz großen Chancen blieben zunächst einmal Mangelware. Dafür waren die Fans in Hochform. Man hat ja auch nicht wirklich oft jemanden zu Gast, der sich prominent im Gästeblock ausbreitet und den man dann mit allerlei Schmähgesängen eindecken kann. „In Herne, in Herne, da wohnt doch keiner gerne“ war noch der harmloseste.

04Mitten in die fröhliche Stimmung fiel dann Mitte der ersten Hälfte das 1:0 für die Gäste. Bis dahin stand die improvisierte Verteidigung der Fortuna recht sicher, aber der grobe Bock, den sich Stefan Hoffmann leistete, als sein Rückpass auf Christopher Möllering auf halber Strecke verhungerte, konnte beim besten Willen nicht ausgebügelt werden. Da hatten wir den Salat. Rückstand gegen eine der Spitzenmannschaften der Liga. Wie sollte das bloß weitergehen?

051Zunächst einmal nicht wirklich gut. Herne fand besser ins Spiel, Fortuna war leicht geschockt und ließ sich in die Defensive drängen. Das es nicht noch schlimmer kam hatten sie dem Schiedsrichtergespann zu verdanken. In einigen Fällen etwas wankelmütig, was die Regelauslagung angeht, meistens aber auf Ballhöhe, entschieden die Herren in gelb nach einer Ecke für Herne auf ein Stürmerfoul und annulierten so das 2:0. Glück gehabt. Wirklich zu sehen war nämlich nichts.

Vielleicht war das der Weckruf, den die Fortuna gebraucht hatte, jedenfalls verlagerte sich das Spielgeschehen endlich auch wieder in die Gästehälfte. Und nach einem chaotischen Gestochere, an dessen Ende ein kurioser Pfostentreffer durch Felix Bably stand (Ball eierte in Zeitlupe Richtung Tor, es kam mir vor, als hätte jemand die Uhr angehalten), erzielte Kevin Kruth wenig später den Ausgleich nach einer wunderschönen Flanke von Hamdi Dahmani. Für Kruth hat’s mich besonders gefreut, weil er schon seit Wochen ziemlich alleine in der Sturmspitze ackern muss. Und Dahmani leitete damit seine wohl beste Saisonleistung ein.

06Was der Junge während des Spiels außen an Kilometern runterriß war wirklich beeindruckend. Belohnt hat er sich selbst, nämlich mit einem herrlichen Gewaltschuß kurz vor der Pause, der die Kölner Führung bedeutete. Eine etwas unübersichtliche Situation, in der ein Fortune in Strafraumnähe eher unsanft von den Beinen geholt wurde, in der aber der Pfiff, auf den alle warteten, ausblieb, nutzte Dahmani zu seinem Geniestreich. So verabschiedet man die Mannschaft natürlich gerne in die Kabine.

07Die Frage war jetzt, was passiert nach der Pause? Stellt sich die Mannschaft hinten rein und bettelt um den Ausgleich? Oder versucht man das Spiel offen zu gestalten und geht vielleicht ein bißchen Risiko, welches vielleicht mit einem weiteren Tor belohnt wird? Nun, es war irgendwie eine Mischung aus beidem. Vielleicht sollte an dieser Stelle erwähnt werden, daß auch die Westfalia aus Herne ihren Teil zu einem wirklich höchst ansehnlichen Oberligaspiel beitrug. Das die zurecht so weit oben stehen, war während des ganzen Spiels zu bemerken. Sehr abgeklärte Abwehrarbeit, sehr kreatives Offensivspiel mit technisch guten Spielern. Nur, würde das reichen, um die Festung Südstadion zu knacken?

08Nicht wirklich, was auch daran lag, daß sich die Fortuna zu mehr Risiko entschlossen hatte und tatsächlich nicht wie das Kaninchen vor der Schlange verharrte, sondern munter die Entscheidung suchte. Dabei tat sich insbesondere der schon gelobte Hamdi Dahmani hervor. Immer unterwegs auf der linken Außenbahn, immer bemüht den Mitspieler, der besser postiert ist, zu bedienen, so was verdient wirklich ein Extralob. Wobei der Rest der Truppe auch nicht wirklich hinten an stand. Vom überragenden Christopher Möllering, der mehrmals in höchster Not rettete, über den wieder einmal emsigen Daniel Blankenheim, die zwar wackelige, aber tapfer kämpfende Verteidigungsreihe bestehend aus Foukis, Hoffmann, Malsch und Schroden bis zum vorne ständig Unruhe stiftenden Kruth – alle gingen heute an ihre Leistungsgrenzen, wenn nicht sogar darüber hinaus.

10Mehrere Versuche der Westfalen sorgten für tiefes Luftholen auf der Tribüne, insbesondere ein scharfer Flugkopfball nach ca. einer Stunde Spielzeit. Aber die Chancen um die Führung auszubauen waren auch vorhanden. Und schlußendlich führte eine davon zur endgültigen Entscheidung. Wieder war es Kevin Kruth, der einen Konter nach Vorarbeit von Felix Bably in der 90. Minute zum 3:1 abschloß. Die letzten zwei Minuten Nachspielzeit wurden mehr oder weniger souverän über die Zeit geschaukelt und mit dem Schlußpfiff war ein großartiges Oberligaspiel vorbei und die Jubelfeierlichkeiten konnten beginnen.

11Weniger schön war das, was sich nach Ende des Spiels vor dem Eingangsbereich an der Kreuzung Pohligstraße/Höninger Weg abspielte. Einige Herren, die den weiten Weg aus dem Ruhrgebiet ins Rheinland auf sich genommen hatten, suchten wohl nach einer ganz besonderen Sorte Spaß und mußten von der grünen Partei daran gehindert werden mit den Fortuna-Anhängern aneinanderzurasseln, die gerade das Stadion verließen. Ist bis jetzt das erste Mal in dieser Saison, daß ich so etwas mitbekommen habe und gemessen an den eher lächerlichen Ausmaßen, die das ganze hatte, messe ich der Sache auch nicht wirklich Bedeutung bei. Unschön war es dennoch.

Mannschaftsaufstellung:
Möllering – Malsch, Schroden, Hoffmann, Foukis – Waraghai, Bably (ab 88. Niang), Glaser (ab 65. Maaßen), Blankenheim (ab 78. Henseler), Dahmani – Kruth

Was bleibt vom Spiel? Sicher die Tatsache, daß die NRW-Liga eine unglaublich ausgeglichene Angelegenheit ist, in der jeder jeden schlagen kann. Das hat die Fortuna nun schon mehrmals erfahren müssen, manchmal schmerzhaft, manchmal so erfreulich wie heute. Auf diese Leistung kann die Mannschaft jedenfalls sehr stolz sein. ich hoffe, sie ruiniert sich diesen positiven Eindruck nicht durch uninspirierte Auftritte vor dem Jahreswechsel.

Speak of the devil: Einige Terminänderungen gibt es noch. Das Nachholspiel gegen Rot-Weiß Essen II findet am 10.12. statt, das erste Spiel der Rückrunde gegen Düsseldorf II am 17.12., beide Male ein Mittwoch. Außerdem fällt das Auswärtsspiel gegen Dattenfeld, welches für den nächsten Sonntag angesetzt war, wegen „Sicherheitsbedenken“ aus. Nachgeholt werden soll das ganze Anfang Februar 2009. Fragt sich nur, ob die „Sicherheitsbedenken“ (was auch immer sich hinter der Formulierung verbergen mag) bis dahin ausgeräumt werden können….

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2 Gedanken zu „NRW-Liga Spieltag 17: Fortuna Köln – Westfalia Herne 3:1

  1. Vielen Dank für den schönen und lebendigen Bericht! „Festung Südstadion“: Wer hätte gedacht, dass man das nach dem holprigen Saisonstart (Bilanz: 1-2-1 nach den ersten vier Heimspielen) noch mit Recht würde schreiben können?

  2. Schöner Bericht und nett, dass ihr den etwas – nun ja – prolligen Vorfall vorm Stadion nach dem Spiel nicht hochgeredet habt. Eine unschöne Note in einem ansonsten recht ansehnlichen Spiel (für die 5. Liga).

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