Fortunas Ausrüster outet sich als verbohrte Spaßbremse

Ich hatte das Thema schon kurz im Spielbericht zum letzten Auswärtsspiel angerissen und sollte den Sachverhalt vielleicht noch einmal ein wenig breiter auswalzen. Worum geht es genau? Ein deutscher Sportblogger, der, nebenbei bemerkt, eine sehr gute und informative Schreibe hat, verfasst eines Tages einen Artikel über einen deutschen Sportartikelhersteller. Keinen von den Riesen aus Herzogenaurauch, sondern einer aus der zweiten Reihe.

Der Eintrag im Blog, geschrieben im April diesen Jahres, ist eigentlich völlig harmlos und setzt sich mit dem Logo des Herstellers auseinander. Dem Blogger gefällt das Logo nicht sonderlich, es fallen Ausdrücke aus dem Bereich der Fäkelsprache (worüber man sicher streiten kann, aber bitte, wir sind nicht im Kirchenchor) und zu guter letzte wird ob der Qualität ein Vergleich zu zwei größeren deutschen Discounter-Unternehmen gezogen, was implizieren soll, daß der Logoversuch ein wenig billig dahergekommen ist. Der Eintrag wurde wohl von ca. 4-500 Leuten gelesen, keine wirkliche Masse.

So weit, so gut, passiert alle Nase lang in diversen Blogs und Foren dieser Internetwelt. Anscheinend hat das nur niemand an JAKO weitergegeben, denn die reagieren prompt als beleidigte Leberwurst und schalten ein Anwaltsbüro ein, daß gegen die unliebsame Presse vorgehen soll. Ziemlich humorlos, vor allem, wenn man sich die Begründung auf der Zunge zergehen lässt. Das sei Unternehmensschadigung und sofort zu unterlassen. Der Blogger Trainer Baade will sich, verständlicherweise, keinen Streß machen, unterschreibt die Unterlassungserklärung, entfrent den Beitrag und zahlt einen dreistelligen Eurobetrag. Damit schien die Geschichte zunächst vom Tisch.

Es gibt im Netz allerdings Seiten, und da passt die Formulierung „das Netz vergißt nichts“ recht gut, die alle möglichen Websites abgrasen (ich tippe mal per Webcrawler) nach irgendwelchen Suchmustern und diese dann irgendwo hinterlegen, wahrscheinlich als Cache-Kopien oder nur mit Teasertexten. So eine Seite ist Newstin, eine in Tschechien ansässige Nachrichtenaggregationsfirma. Da tauchte der Blogeintrag vom April nämlich wieder auf und das gefiel JAKO überhaupt nicht. Man sah die Unterlassungserklärung verletzt und forderte Satisfaktion. Dieses Mal nicht drei- sondern vierstellig. Plus Anwaltskosten.

Und hier setzt das Netz dann an. Von dem ganzen Vorgang hätte ich nichts mitbekommen, wäre das Thema nicht am Dienstag bei allesaussersport.de aufgegriffen worden. Von da an zog es sich durch diverse Blogs ([1], [2], [3], [4] und noch zig mehr) und erreichte schließlich gestern die größeren Medien. Sowohl der Spiegel als auch das Handelsblatt griffen die Geschichte in längeren Artikeln auf, die Süddeutsche Zeitung legt heute nach und das ist sicher nicht das, was JAKO gewollt haben dürfte. Noch hanebüchener wird das Verhalten des Unternehmens, wenn man sich auf der Zunge zergehen lässt, was es dem Blogger angeboten hat. Er solle einen für das Unternehmen positiven Eintrag schreiben, dann könne man von den Forderungen absehen.

Was hat das jetzt hier zu suchen? Nun, zum einen ist das hier auch ein Blog, also gibt es da schonmal Überschneidungen. Zum anderen ist JAKO der Ausrüster der Fortuna und ich fühle mich, ehrlich gesagt, nicht so wohl, wenn der Verein, den ich unterstütze in irgendeiner Art und Weise mit einer Firma in Verbindung gebracht wird, die völlig humorlos ist (was ja noch zu tolerieren wäre) und sich wie eine wildgewordene Bananrepublik gebärdet. Mir ist durchaus bewusst, daß die Spieler zum nächsten Spiel nicht nackt auflaufen können, daß es sicher schwierig ist in so kurzer Zeit einen neuen Ausrüster zu finden und das es wahrscheinlich auch gute Gründe gibt, daß man sich in der Führung der Fortuna für JAKO entschieden hat. Alles bekannt, wird alles auch akzeptiert. Aber ich finde schon, daß man denen klarmachen sollte, daß man ihr Vorgehen nicht wirklich gut, um nicht zu sagen lächerlich und überzogen findet.

An anderer Stelle wird auch schon über Gegenaktionen nachgedacht bzw sich kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt. Eintracht Frankfurt wird auch von JAKO ausgerüstet und dort scheint man sich auch nicht mehr so wohl zu fühlen. Ich bin nun auch nicht der kreativsten einer und habe nur wenig Ideen, wie man auf Oberligaebene einen Protest gegen das Vorgehen des eigenen Ausrüsters starten könnte, wohlwissend, daß man sich damit vielleicht sogar ins eigene Fleisch schneidet. Aber ignorant darüber hinweggehen wollte ich auch nicht. Mit dem DFC-Projekt sollte es auch möglich sein, die notwendige Öffentlichkeit zu schaffen, die dieses Thema verdient.

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