Zum Tode Robert Enkes

Eigentlich hatte mich mir diesen Abend freigeräumt, um mich hier ein wenig über die Siegesserie der Fortuna zu freuen. Aber wie das so ist, das Leben macht einem hin und wieder einen Strich durch die Rechnung. Doch auf so einen Strich hätte ich weiß Gott verzichten können.

Robert Enke hat sich heute abend allem Anschein nach das Leben genommen.

Mein Beruf erlaubt es mir sehr nah am Mediengeschehen zu sein und so trudelte dann heute abend gegen 20:30 Uhr eine Meldung ein, in der in nur einer Zeile das Ableben des deutschen Nationaltorhüters Robert Enke vermeldet wurde. Die erste Reaktion war natürlich ungläubiges Entsetzen verbunden mit dem verzweifelten Warten auf eine Korrekturmeldung, die alles nur als einen bösen Scherz enttarnen würde. Das war leider nicht der Fall. Das Thema wurde von allen größeren Medien aufgegriffen und nach und nach aus verschiedenen Quellen (spiegel.de, kicker.de, 11freunde.de, bild.de, sueddeutsche.de, faz.net)bestätigt.

Ich will hier keine Betroffenheit vorheucheln. Ich bin ehrlich, eine wirklich Beziehung zu dem Spieler hatte ich nicht, ich kannte den Menschen nicht. Aber wenn man Wochenende für Wochenende Statements von Spielern in den Medien sieht, hört und liest, dann kommt man nicht umhin sich eine Meinung über die Menschen zu bilden, die Woche für Woche auf den Bundesligaplätzen spielen. Und meine Meinung über Robert Enke war basierend auf den kleinen Schnipseln, die durch den Medienfilter zu mir durchdrangen, überaus positiv. Beginnend mit seinem Debut in Mönchengladbach über seine Odyssee durch Südeuropa mit den Stationen Lissabon, Barcelona, Istanbul und Teneriffa bis zu seiner Rückkehr in die oberste deutsche Spielklasse bei Hannover 96 wirkte Enke auf mich immer ein wenig reifer als viele seiner deutschen Kollegen. Was mir im Gedächtnis blieb war, daß er als einer der wenigen deutschen Spieler den Schritt ins Ausland wagte, als viele im eigenen Saft der Bundesliga zu schmoren bevorzugten.

Mit seiner Rückkehr nach Deutschland konnte man sein sicher außergewöhnliches Talent noch besser begutachten. Es mag sicherlich zu hoch gegriffen sein, wenn man den Verbleib von Hannover in der ersten Liga allein an seiner Leistung festmachen würde, aber einen nicht gerade geringen Anteil dürfte er durchaus daran gehabt haben. Nicht nur das brachte ihm sicherlich die Nominierungen zur Nationalmannschaft ein und es hätte sich sicher niemand gewundert, wenn er in nicht allzu ferner Zukunft als Stammtorwart festgestanden hätte.

Orientiert man sich allein an den Eckdaten sollte man davon ausgehen, daß Robert Enke ein wunderbares Leben hatte. Wendet man sich allerdings den Nachrichten zu, die man aus seinem Privatleben mitbekam, dann ändert sich dieser Eindruck nicht unwesentlich. Der Tod seiner Tochter, die vor drei Jahren an einer schweren Herzkrankheit starb, hat nicht nur bei den Anhängern von Hannover Mitgefühl ausgelöst. Und gerade vor dem Hintergrund dieses Verlusts wirkte Enke auf mich immer sehr gefestigt und rational.

Umso erschreckender ist die Aussage seines Vereinspräsidenten Martin Kind, der heute abend sagte, daß Robert Enke „labil“ gewesen sei und alles „überlagert“ habe. Für mich persönlich kommen durch diese Nachricht persönliche Erinnerungen an einen sehr guten Freund wieder hoch, der sich vor ein paar Jahren das Leben nahm. Vielleicht hat mich die Meldung über den Tod Robert Enkes deswegen so schockiert und klein ein wenig aus der Bahn geworfen. Natürlich habe ich mich gefragt, wie ein Mensch so viele Rückschläge wie eben den Tod seiner Tochter oder diese rätselhafte Viruserkrankung, die ihn ereilte, als er kurz zuvor von Nationaltrainer Joachim Löw als Nummer Eins ausgerufen worden war, einstecken und verarbeiten kann. Aber er wirkte in den Medien nie so, als ob ihn das über Gebühr belasten würde.

Enke war ein vorbildlicher Sportler und sicher, so wenig ich das zu beurteilen vermag, ein … wie soll ich sagen, ein guter Mensch. Ich denke, es wird niemanden geben, auch bei sportlichen Rivalen und den Anhängern von gegnerischen Vereinen, der seinen Tod nicht betrauert. Er hinterlässt seine Ehefrau und eine acht Monate alte Tochter, welche das Paar vor kurzer Zeit adoptiert hatte.

R.I.P.

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Ein Gedanke zu „Zum Tode Robert Enkes

  1. wirklich schön geschrieben. Ich glaub es ging vielen so, als sie abends vor ihren Fernsehern saßen.
    er war immer so überlegt und wirkte wie ein Mensch,d en nur wenig aus der Bahn werfen kann. Selbst den Tod seiner Tochter hat er Verarbeitet…so glaubte ich jedenfalls.
    R.I.P Robert….

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