Wetten, dass…? – Fußball, Mafia, DFB

Die Fortuna ist im Lande auf Gastspielreise unterwegs und das das nicht immer gut gehen kann, bestätigte sich am vergangenen Freitag in Wattenscheid. Das 1:1 gegen Bielefelds Zweite vor einer Woche hielt die Serie von fünf ungeschlagenen Spielen noch am Leben, gegen Wattenscheid war dann Hängen im Schacht. Und so wirklich gut muß die Vorstellung auch nicht gewesen sein, wenn man dem Live-Ticker glauben darf. Aber, wie schon vor 10 Tagen, der Spielbetrieb der Oberliga wird von den großen sportpolitischen Zusammenhängen überlagert. Das Stichwort heisst „Wettskandal“.

Am Donnerstag deutete sich auf der Homepage des SPIEGELs an, was einen Tag später mit voller Wucht über Fußballeuropa hereinbrechen sollte. Wobei „hereinbrechen“ auch irgendwie zu hart formuliert ist. Denn, seien wir mal ehrlich, was ist denn bis jetzt überhaupt klar? Nichts. Womit ich nichts entschuldigen möchte, sondern schlicht und ergreifend den Zustand beschreibe, in dem sich die versammelte Anhängerschaft gerade befindet. Mir kommt es so vor, daß sich nicht wirklich irgendwer, der am Wochenende in der Kurve steht, so wirklich dafür interessiert. Die Erstligavereine scheinen für den Moment fein raus und können getrost durchatmen, Bundesligaspiele scheinen nicht betroffen zu sein. Alles in allem scheint die Staatsanwaltschaft Bochum von über 200 Spielen auszugehen, bei denen es Verdachtsmomente gibt, die auf eine Manipulation hindeuten. Darunter wohl auch drei Champions League Spiele, sowie mehrere Partien aus der Europa League.

Je weiter man die Ligenleiter allerdings nach unten klettert, desto zahlreicher werden die angeblich verschobenen Partien. Und da wird man dann als Anhänger einer Oberligamannschaft hellhörig. Niedrige Amateurspielklassen bieten sich ja für Wettbetrüger auch geradezu an. Zum einen spielt man fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Es gibt keine Fernsehübertragungen mit zig Kameras, die kritische Spielszenen aus unzähligen Blickwinkeln beleuchten können. Gleiches gilt für die Zuschauer auf den Stehplätzen und Tribünen. Und weil die Öffentlichkeit nicht so genau hinschaut, ist das notwendige Kleingeld, daß zum Verschieben einer Partie benötigt wird, wahrscheinlich umso geringer anzusetzen. Ein Amateurspieler, der für seinen Verein eine vielleicht mittelere dreistellige Eurosumme im Monat kostet, wird eine Zubrot sicher schneller zu schätzen wissen, als der gestandene Profi, den eine fünfstellige Strafzahlung in die Mannschaftkasse nicht mal kurz juckt.

Damit will ich weiß Gott nicht jedem Oberligaspieler unterstellen, dass er potentiell schneller für Bestechungsversuche anfällig sein soll, als ein Erstligaprofi. Aber es steigert die Sorge, dass eventuell irgendwann mal ein Spiel in der Liga manipuliert wird, in der mein Lieblingsverein spielt und dem eventuell dadurch ein Nachteil entstehen könnte. Für den Moment gibt es dafür keine Anzeichen, aber, wie gesagt, ausschließen kann man das sicher nicht.

Eklatanter bzw auffälliger ist in dem aktuellen Fall allerdings wieder das Verhalten der deutschen Fußballelite, wenn es darum geht den Ursachen auf den Grund zu gehen. Mich erinnert das fatal an die Sprüche, die immer wieder kommen, wenn es um Doping im Fußball geht. Der sicher meistgesagte Satz ist dann immer „Wie soll das denn gehen. Fußball ist ein Mannschaftssport, soviele Leute kann man doch gar nicht bestechen“. Warum soll ein Mannschaftssport völlig exempt sein von allen bösen Dingen dieser Welt? Noch besser wird es dann, wenn der Staatsanwaltschaft Vorwürfe bezüglich ihres Vorgehens gemacht werden. Da wird allen ernstes gefordert, daß sofort alle Unterlagen, Akten und was weiß ich sonst noch offengelegt werden, damit der DFB und die DFL ihre eigenen Ermittlungen einleiten können. Ich bin jetzt kein Jurist, aber wenn Ermittlungen durch eine Staatsanwaltschaft angestellt werden, dann dürfte es doch nur logisch sein, dass man möglichst wenig Leute einweiht, damit bestimmte Leute nicht vorgewarnt werden, um entsprechende Beweise verschwinden zu lassen. Das blindwütige Schießen aller deutschen Fußballgranden in alle Richtungen deutet doch nur darauf hin, dass man aus dem Skandal um den bestochenen Schiedsrichter Hoyzer nichts gelernt hat. Von den Vorgängen Anfang der 1970er Jahre mal ganz zu schweigen. Natürlich verdienten Profis damals weitaus weniger Geld als heutzutage, aber am Hungertuch dürften die Herren auch damals nicht genagt haben.

Jetzt kommen die ganzen Treuschwüre, man würde für diesen oder jenen Spieler die Hand ins Feuer legen, der sei ja immer schon eine so was von ehrliche Haut gewesen (wie gerade eben im DSF Doppelpass wieder zu hören), aber im Grunde genommen geht es völlig an der Realität vorbei. Fußball ist ein Geschäft, es geht um Geld, um nichts anderes. Die Vereine der oberen Ligen wirtschaften mit Millionenetats, einige haben sich sogar zu weltweit agierenden Konzernen aufgeschwungen. Im Grunde genommen offenbart dieser neue Skandal nichts anderes, als dass der Fußball im allgemeinen und der europäische Fußball im besonderen nach den gleichen Regeln gespielt wird, die zum Beispiel auch beim Börsencrash des letzten Jahres riesige Geldwerte verbrannt haben. Eine nicht näher zu beziffernde Gruppe zockt. Und um die Gewinnchancen zu erhöhen wird an Stellschrauben gedreht, die man halbwegs beeinflussen kann. Manchmal geht das gut, manchmal vielleicht auch nicht. Aber es wird gemacht. Und alleine diese Tatsache zu verleugnen bedeutet einen völligen Realitätsverlust.

Der DFB, ebenso wie die anderen europäischen Fußballverbände inklusive der UEFA, müssen sich schlicht und ergreifend damit abfinden, dass in den unter ihrer Egide stehenden Ligen einige Leute ihr Unwesen treiben, die gerne etwas mehr Profit herausziehen wollen, als es mit legalen Mitteln möglich ist. Sich allerdings, wie es der DFB so gerne tut, als Unschuldslamm zu präsentieren, halte ich für völlig verfehlt.

Gibt es eine Möglichkeit solche Skandale zu verhindern? Ich denke nicht, denn so lange es Spieler oder Schiedsrichter gibt, die ein kleines Extra gerne mitnehmen möchten, wird es auch immer Leute geben, die sich das zunutze machen werden. Man kann nur hoffen, dass dieser Personenkreis möglichst klein bleibt (der Torhüter aus Goslar, der angeblich von einer zwielichtigen Gestalt angesprochen wurde und diese Geschichte meldete zeigt ja, daß es noch Spieler gibt, die aus Liebe zum Spiel auf dem Platz stehen) und die verschobenen Spiele keine großen Auswirkungen (i.e. Abstiege u.ä.) für die betroffenen Vereine haben. Das mag pessimistisch klingen, ist aber, glaube ich, näher an der Realität, als das, was da zum Teil aus Frankfurt kommt.

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