NRW-Liga 09/10 30. Spieltag: Die neue Sachlichkeit (Fortuna Köln – Germania Windeck 3:0)

Nachdem ich das letzte Spiel (0:2-Niederlage gegen Speldorf) völlig verpennt hatte: endlich mal wieder ein Heimspiel. Endlich mal wieder ein Nachmittag im Südstadion. Endlich erlaubte es mir mein Dienstplan mal wieder Fußball da zu sehen, wo er am meisten Spaß macht. Das Wetter spielte auch noch mit, was will man denn eigentlich noch mehr? Außer vielleicht der insgeheimen Hoffnung auf ein rauschendes Fußballfest mit vielen Toren, großen Kombinationen, Einsatz, Kampf und allem drum und dran? Naja, man kann wirklich nicht alles haben.

Der Besucherzuspruch war jedenfalls zufriedenstellend oder vielmehr sah er so aus (wie sich herausstellte war die gesamte Jugendabteilung abkommandiert worden, um die Lücken zu füllen). Der Rasen machte auch einen guten Eindruck … was einem so alles auffällt, wenn man eine halbe Ewigkeit nicht mehr bei einem Spiel seines Vereins war. Ich hatte es mir mit meinem alten Herrn auf der Tribüne in Richtung Südkurve bequem gemacht und erwartete eigentlich erstmal nicht wirklich viel (man ist ja einiges gewöhnt), aber selbst das wurde dann in den ersten Minuten des Spiels unterboten. Es war schlicht und ergreifend stinklangweilig. Keine Aktionen von beiden Mannschaften, nicht mal irgendwelche strittigen Szenen, über die man sich hätte aufregen können. Nichts. Kein Feuer, keine Leidenschaft, ein großes schwarzes Loch.

Und dann auf einmal ein Geistesblitz, dessen komplette Entstehung ich im Halbschlaf wohkl verpasst habe. Jedenfalls stand Hamdi Dahmani am linken Strafraumeck auf einmal frei, setzte sich, von seinem Gegenspieler verfolgt, in Richtung Grundlinie ab und hatte die Chance eigentlich schon vertan. Alles sah nach Torabschlag aus, sein Gegenspieler hatte in ihn fast schon eingeholt und gestellt, und wenn er Glück hätte, könnte er vielleicht noch einen Eckball herausholen. Darauf deutete alles hin. Und dann macht er, im allerletzten noch möglichen Moment, genau das, was ihm den Erfolg bringt. Er zieht aus unmöglichem Winkel auf’s Tor, erwischt den Gästekeeper völlig entgeistert, so daß dieser den Ball durch die Beine gleiten lassen muss und knapp neben dem rechten Torpfosten klatscht die Kugel ins Netz. 1:0!

Ich bin mittlerweile so abgeklärt, daß ich von der Fortuna nicht erwarte, daß durch einen Führungstreffer irgendein Knoten platzt und so plätscherte die Begegnung auch weiterhin nicht wirklich berauschend vor sich hin. Windeck tat rein gar nichts für’s Spiel und die Fortuna hatte, bis auf ein oder zwei Szenen, auch keine wirklichen Ideen nach vorne, außer langen Bällen auf die Flügel, die aber meistens im Nichts versandeten.

So ging es mit einer Pausenführung in die Kabine und nach dem Wechsel hatte ich zunächst den Eindruck, dass Trainer Mink die Parole ausgegeben hatte, den Vorspung über die Zeit zu retten. Die Aktionen nach vorne waren doch recht spärlich und man ließ den Windeckern viel zu viele Räume im Mittelfeld. So was führt dann zwangsläufig dazu, daß sich die Mannschaft, die sich hinten reindrücken lässt, zunehmend auf Konter spezialisiert. Und einer davon stach dann auch. Aber so was von. Alles fing an mit einem Befreiungsschlag auf links, wo, wenn ich mich richtig erinnere, Hamdi Dahmani den Ball aufnahm und über eine Zwischenstation weiterspielte auf Alexander Ende, der im Zentrum mitgelaufen war. Der nahm die Kugel überhaupt nicht mit, sondern legte direkt weiter auf rechtsaußen, wo Stefan Glaser angesprintet kam. Und dann kam etwas, was das ganze Spiel vorher nicht geklappt bzw gefehlt hatte. Eine Flanke von der Grundlinie. Die fand ihren Abnehmer im durchgelaufenen Alexander Ende und es stand 2:0. Ein herrlich vorgetragener Konter, der das Spiel eigentlich entschieden hätte…

…wenn die Fortuna sich nicht wieder so weit hinten rein hätte drücken lassen. Ich kann das, ehrlich gesagt, nicht nachvollziehen. Schon gar nicht bei einem dermaßen harmlosen Gegner wie Windeck. Alles läuft für die eigenen Mannschaft, man hat alles im Griff, muß den Sack eigentlich nur noch zumachen und stellt sich trotzdem so tief auf, daß man zu Chancen einlädt. Es ist dem Unvermögen von Windeck zu verdanken, daß kein größerer Schaden entstand. Und der Tatsache, daß man die eigenen Chancen wirklich gnadenlos ausnutzte. Kurz vor Schluß fällte ein Windecker einen Fortunen nahe der Mittellinie, doch bevor irgendjemand davon wirklich Notiz genommen hatte, zappelte der Ball nach einem Kopfball von Kevin Kruth bereits im Netz. Wieder ein konsequent ausgespielter Konter. Damit war der Drops dann endgültig gelutscht und hätte Christopher Möllering wenig später nicht noch einen Kopfball aus dem Toreck gekratzt, es hätte nicht wirklich gestört. So blieb den Fans dann auch noch die Zeit, um dem zum Gegner gewechselten Ex-Fortunen Andreas Moog bei seiner Einwechsklung einen freundlichen Empfang zu bereiten.

Fazit: ein komischerweise recht emotionslos und sachlich herausgespielter Heimsieg gegen einen völlig überforderten Gegner (wie die auf den zweiten Platz gekommen sind, können sie sich sicher selber nicht erklären), der nie eine wirkliche Gefahr darstellte.

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