WM 2010: Das Kreuz mit dem Kommentar

Eine Weltmeisterschaft steht und fällt für mich meistens mit der Art und Weise wie mir das vermittelt wird, was ich auf dem Bildschirm zu sehen bekomme. Vor vier Jahren hätte ich sicher die Möglichkeit gehabt auch mal ein Spiel im Stadion zu sehen. Das fällt dieses Jahr natürlich weg. Hinzu kam bei der letzten Weltmeisterschaft, daß die deutschen Angebote in der Glotze meistens nicht meinen eigenen Ansprüchen genügten und ich dankbar für jede Komplettreportage im Radio war, die es mir ersparte dem patriotischen Gejaule von ARD und ZDF zuhören zu müssen. Manni Breuckmann war geradezu eine Wohltat.

Das sich für diese Weltmeisterschaft irgendetwas zum besseren ändern würde, habe ich nun beim besten Willen nicht erwartet. Im Gegenteil, Manni Breuckmann ist mittlerweile in Rente und die Komplettreportagen im Radio sind auch etwas spärlich gesäht. So bin ich wieder einmal auf die öffentlich-rechtlichen Sender angewiesen (Sky-Übertragungen kann ich mangels Gelegenheit nicht bewerten) und muß mich wirklich beherrschen manchmal nicht meine Glotze aus dem Fenster zu werfen. Es folgen meine ganz persönlichen und natürlich völlig subjektiven Einschätzungen zu den Kommentatorenleistungen der deutschen Free-TV Sender.

Weltklasse:

keiner (q.e.d.)

Stark:

Gerd Gottlob (ARD)
Hat mich wirklich überrascht. Der durfte ja schon des öfteren mal bei einem Livespiel ans Mikro, blieb mir da aber nicht wirklich im Gedächtnis hängen. Sicher, Gottlob ist keine Offenbarung, aber er ist bei dieser WM der Einäugige unter den Blinden. Nicht immer auf Ballhöhe, aber aufmerksam genug, um den Zuschauer auch auf Dinge hinzuweisen, die sich abseits der Kameras abspielen. Und man merkt ihm an, daß er Spaß hat. Fängt die so oft beschworenen Emotionen besser ein, als die restlichen Schreihälse und ist sich auch nicht zu schade sich einfach mal über schräge Fans auf den Rängen kaputtzulachen. Nur um’s nochmal zu wiederholen, Gottlob ist keine Offenbarung, aber weitaus unterhaltsamer als der Rest seiner Kollegen.

Durchschnittlich:

Tom Bartels (ARD)
Bei Bartels hatte ich das Gefühl, der hat die Arschkarte gezogen, was die Auswahl der Spiele anging, die er Anfangs kommentieren durfte. Besonders bei Kamerun-Japan war ihm sein Frust doch deutlich anzumerken bzw anzuhören. Was ich an Bartels schätze ist seine zurückhaltende Art. Er spielt sich nicht übermäßig unnötig in den Vordergrund. Allerdings, wenn er dann doch mal seine Meinung einbringt, dann ist mir das zu überzogen. „Meiner Meinung nach“ oder „für mich“ sind Formulierungen, die ich von Kommentatoren nicht hören will. Mich interessiert nicht, was der Vogel am Mikro denkt, ich will eine neutrale Einschätzung der Situation.

Florian König (RTL)
Vielleicht bin ich bei König noch voreingenommen, weil ich ihn von den RTL-Champions League-Übertragungen noch ganz gut in Erinnerung habe, aber dem höre ich dann doch gerne zu, weil er sich auch nicht zu wichtig nimmt und auch manchmal ein wenig flapsiger daherreden kann, ohne gleich zu kumpelhaft rüberzukommen. Hält sich, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, auch wohltuend mit Egotrips bezüglich Schiedsrichterentscheidungen zurück. Wirkt trotzdem manchmal ein wenig so, als hätte er sich vor dem Spiel nochmal Beruhigungstropfen eingeworfen.

Schwach:

Béla Réthy (ZDF)
Wieso man den beim ZDF zum Chefreporter gemacht hat, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Es ist schon viel über die Faktenhuberei geschrieben worden, mit der Réthy seine Zeit vor dem Mikro ausfüllt und manchmal habe ich das Gefühl, daß er, während er wieder die Karteikarte sucht, auf der das Liebligsessen eines Spielers vermerkt ist, verpaßt, was wirklich auf dem Platz passiert. Unverzeihlich sind dann auch solche Fehlleistungen wie Spieler zu verwechseln. Das man vor der heimischen Glotze mal durcheinanderkommt – geschenkt. Aber wenn Réthy im Spiel Deutschland-Australien wie ein Bekloppter „Khedira! Khedira!“ ins Mikro brüllt, während der Spieler Özil den Ball führt, dann muß ich mich doch fragen, ob dieser Typ wirklich weiß, wovon er da spricht. Und da lasse ich auch nicht als Entschuldigung gelten, daß es bei einem Spiel auch mal drunter und drüber geht. Von einem Kommentator verlange ich, daß er den Überblick behält.

Thomas Wark (ZDF)
Wenn man bei irgendwem das Gefühl hat, er hielte sich für was Besseres und abgehoben vom Rest des Pöbels, bitte sehr. Nicht nur, daß Wark während seinen Kommentaren immer im pluralis maiestatis bleibt, die herablassende Art, mit der er seine Sätze vorträgt sind dermaßen überheblich und teilweise schon so dermaßen hochnäsig, daß man meinen könnte, Sepp Blatter persönlich spricht zu den Massen. Das wäre ja alles noch ansatzweise zu entschuldigen, wenn er wenigstens, um mal im Fußballjargon zu bleiben, Leistung bringen würde. Wenn es jemand dann aber nicht schafft innerhalb von 90 Minuten herauszubekommen, wie man den US-amerikanischen Stürmer Jozy Altidore richtig ausspricht, dann zweifele ich doch sehr an der Vorbereitung des Kommentators auf das Spiel. Und Englisch ist nicht Nordkoreanisch. Auch der Versuch durch herausgepresste Emotionen bei Torschüssen wird das Ganze nicht besser. Naja, wenigstens ist ihm bis jetzt noch nicht so ein Klops untergekommen wie bei Qualifikationsspiel Kroatien-England, bei der er einen Treffer der Engländer den Kroaten zuschustern wollte.

Wolf-Dieter Poschmann (ZDF)
Würde normalerweise eigentlich eine Bewertungsstufe tiefer einsortiert, war aber überraschend bei Nigeria-Griechenland nicht ganz so nervend wie sonst. Was vielleicht auch daran lag, daß das Spiel zu den unterhaltsameren dieser Weltmeisterschaft gehörte. Im Normalfall allerdings auch nicht wirklich zu ertragen. Wirkt auf mich meistens so, als wenn ihn das, was da auf dem Platz passiert, nicht so wirklich interessiert. Ich will jetzt auch nicht wieder auf dem Leichtathleten-Image rumreiten. Ist ja auch unfair. Hebt sich im Vergleich zu den folgenden drei Wortakrobaten aber dennoch eher wohltuend ab, deswegen eine Kategorie höher. Aber auch nur deshalb.

Unterirdisch:

Oliver Schmidt (ZDF)
Unglaublich nervtötend. Angefangen beim Sprachrhythmus bis hin zu seiner Art bei Torchancen des portugiesischen Stürmers mir R. den Nachnamen so dermaßen in die Länge zu ziehen, daß man meinen könnte, er hätte bei südamerikanischen Kommentatoren ein Praktikum gemacht, wäre aber nach zwei Tagen mangels Talents wieder nach Hause geschickt worden. Wieso man den zu einem Live-Kommentator gemacht hat, werde ich wohl nie nachvollziehen können. Die Stimme war mir bis jetzt nur von irgendwelchen Einspielern im Sportstudio oder in der Sportreportage bekannt. Da muß irgendwer kurzfristig krank geworden sein oder die haben Lose gezogen, anders ist das nicht zu erklären. Völlig talentfrei. Die Satzmelodie, mit der er seine Stümpereien kundtut, trägt nur noch mehr zur Abneigung bei. Bitte nie wieder zu so einem Großereignis mitnehmen. Wenn überhaupt, dann darf der bei Olympischen Spielen irgendwelche Randsportarten wie Tontaubenschießen live kommentieren.

Steffen Simon (ARD)
Das, was bei Oliver Schmidt an übermäßigem Temperament nervt, ist bei Simon dieses staatstragende Gehabe, mit dem er während seiner Übertragungen hausieren geht. Fühlt sich immer persönlich angegriffen, wenn ein Spiel nicht das hält, was es verspricht und weiß grundsätzlich alles, aber auch wirklich alles, besser, als die Personen, die für das Spiel verantwortlich sind. Hat aber wahrscheinlich in seinem Leben noch nie gegen einen Fußball getreten. Jedenfalls gewinne ich den Eindruck, wenn er sich über die Schußtechnik von Spielern auslässt. Wird bei Torchancen, Fouls im Strafraum und Hackentricks immer dermaßen überemotional, daß ich den Eindruck bekomme, er steht kurz vor einem Halskatarrh. Das es so jemand bis zum Sportchef des WDR gebracht hat läßt tief blicken. Da tun sich Abgründe auf.

Klaus Veltmann (RTL)
Durfte bis jetzt bei dieser WM nur ein Spiel kommentieren (Italien-Paraguay), aber das hatte es nun wirklich in sich. So eine Null-Leistung habe ich wirklich noch nie erlebt. Man konnte förmlich mit Händen greifen, wie überfordert jemand da vor dem Mikro war. Veltmann verstieg sich die ganze Zeit in irgendwelche schwurbeligen Wortfolgen, die wohl zusammenhängende Sätze darstellen sollten, aber schon seine kurzen Einspielfilmchen bei den Formel1-Übertragungen absolut ungenießbar machen. Man könnte jetzt anmerken, daß das Spiel ja nun auch wirklich Schrott war, aber dann muß sich bitteschön der Kommentator nicht auch noch auf das gleiche Niveau herablassen. Wobei ich so meine Zweifel habe, ob Veltmann sein Niveau überhaupt anheben kann. Nein, den will ich wirklich nie wieder bei einer Liveübertragung hören.

Es fehlen in dieser Auflistung natürlich Leute wie Marcel Reif, aber auch solche Flachzangen wie Wolff-Christoph Fuss, der mir glücklicherweise erspart bleibt, weil ich für so einen Dilletanten nicht auch noch extra Kohle raushauen will. Alles in allem sollte ich für die Zukunft vielleicht mal in Erwägung ziehen ein Fernsehpaket mit ausländischen Sendern zu erwerben. Da verstehe ich dann sicher nicht alles, aber gerade die englischen Kommentatoren, die ich bis jetzt gehört habe, stecken alles, was in hiesigen Gefilden umherfleucht, locker in die Tasche.

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