In die Wüste geschickt – Asien-Cup 2011 in Katar

Seit letztem Wochenende findet in Katar (Qatar? Katharrh?) der Asien-Cup, die asiatische Kontinentalmeisterschaft, statt. Jau, richtig, in genau diesem Katar, in dem 2022 die Fußballweltmeisterschaft stattfinden soll. Sicher, bis dahin ist noch eine Menge Zeit, aber der asiatische Fußballverband AFC zeigt schon einmal, daß man da wohl wirklich besser im Winter spielen sollte. Normalerweise findet der Asien-Cup nämlich immer im Sommer statt. Was bei den teilweise tropischen Temperaturen, gerade in Fernost oder Südostasien auch kein wirklich Spaß sein muß. In den hiesigen Medien wird die ganze Veranstaltung mehr oder weniger totgeschwiegen, nur Eurosport2 bringt ab und an ein paar Spiele, und die dann teilweise auch nur mit einer Übertragung der zweiten Hälfte.

Mein persönliches Interesse an dem Turnier fußt an meiner Begeisterung für Japan und allem, was mit dem Land zu tun hat. Ich hatte 2005 das Glück während des Confederations Cups das Spiel Brasilien-Japan im neuen Müngrsdorfer Stadion zu besuchen und war von dem Herzblut, daß eine eigentlich hoffnungslos unterlegene japanische Nationalmannschaft in das Spiel einbrachte, so begeistert, daß ich begann mich auch für die J-League und andere asiatsche Wettbewerbe zu interessieren. Das mit der aktuellen Saison momentan sieben Spieler aus Japan (ja, auch Chong Tese gehört da dazu) in der Bundesliga Fuß gefaßt haben, erleichtert natürlich einiges.

Die letzte Austragung 2007 lief ein wenig an mir vorbei, was sicher auch an den unchristlichen Anstoßzeiten laß. Dieses Mal ist das ganze für den europäischen Zuschauer wesentlich kompatibler und so habe ich mir fast jedes Spiel gegönnt und muß doch zugeben/feststellen, daß das Niveau unglaublich … mies ist. Von allen Kontinentalmeisterschaften (und ich gebe zu, daß ich mir noch nie die Ozeanienmeisterschaften angesehen habe) ist der Asien-Cup sicher das schwächste Turnier. Der Modus entspricht dem der EM mit 16 Mannschaften in 4 Gruppen. Zu den Favoriten vor dem Turnier gehörten meiner Meinung nach neben dem Titelverteidiger Irak, deren Rivalen Iran auch die drei großen Namen aus Fernost, Japan, Nord- und Süd-Korea. Australien nimmt auch teil und kann sich sicher auch Chancen ausrechnen, gerade, was körperliche Vorteile gegenüber eher kleinen Mannschaften angeht.

Nur waren die gezeigten Leistungen bis jetzt fast durch die Bank schlecht bis unterirdisch. Einzig Australien und Süd-Korea wußten zu gefallen, der Rest enttäuschte auf der ganzen Linie. Insbesondere von der japanischen Mannschaft hatte ich mir wesentlich mehr erwartet. Wir wissen ja alle, zu was Kagawa im Stande sein kann und wir haben auch vor Augen wie Hasebe und Uchida spielen können. Im Schnitt ist die japanische Mannschaft im Verglich zur Wm 2010 nochmal verjüngt worden und hat mit Zaccheroni einen neuen Trainer, der vielleicht wieder ein wenig mehr europäischen Touch ins Spiel bringen könnte. Allein, es gelingt ihm nicht. Japan stolpert zur Zeit durch das Turnier und konnte nach einem 1:1 im Auftaktspiel gegen Jordanien im zweiten Auftritt gegen Syrien durch einen Foulelfmeter 10 Minuten vor Schluß den ersten Dreier verbuchen. Dabei ist Kagawa ein Schatten seiner selbst, was aber auch daran liegt, daß er bei weitem nicht die Unterstützung bekommt, die er normalerweise beim BVB erwarten kann. Man kombiniert recht gefällig, verendet aber immer wieder kläglich am gegnerischen Strafraum, weil ein echter Stoß- bzw Strafraumspieler fehlt.

Den hätte man gehabt, wenn Chong Tese sich für die japanische Nationalelf entschieden hätte. Der spielt aber nun leider für Nord-Korea und hat da jetzt das Problem, daß er vorne ziemlich in der Luft hängt. Nord-Korea machte beim 0:0 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate den Eindruck, als würden sie immer noch gegen Brasilien spielen. Hinten kompakt und vorne hilft der liebe Gott.

Einzig Süd-Korea und Australien wußten bislang zu überzeugen und lieferten im direkten Aufeinandertreffen bis jetzt auch das beste Spiel des Turniers (1:1). Die anderen Mannschaften eumeln sich so durch den Wettbewerb, wobei Usbekistan und Syrien bis jetzt am meisten überrascht haben. Usbekistan bezwang im Eröffnungsspiel erstmal den Gastgeber und fuhr im zweiten Spiel gegen Kuwait noch einen Sieg ein. Die dürften durch sein. Indien wirkt eher wie ein Besucher, der mit offenem Mund alles bestaunt, als wäre er zum ersten Mal aus seinem entlegenen Bergdorf in die große, bunte, laute Stadt gekommen. Die 2:5 Klatsche gegen Bahrain wirkte eher wie das Aufeinandertreffen einer Zweitligaelf gegen eine Thekenmannschaft.

Am enttäuschensten ist allerdings der Zuschauerzuspruch, der trotz extrem niedriger Eintrttspreise (ich las irgendwo etwas von 1-5 Euro) die Stadien meistens nur zur Hälfte füllt. Nun sind die Wegstrecken, die die Fans der teilnehmenden Nationen zurücklegen müssen, natürlich ein wenig größer als in Europa, aber so dermaßen wenig Zuschauer machen dann auch nicht wirklich Spaß. Was das für eine WM 2022 bedeutet vermag niemand zu prognostizieren, da dürften sicher wesentlich mehr Leute eine Reise wagen. Aber toll isses nicht.

Nebensächliche Beobachtungen wären noch, daß sämtliche Golfstaaten auf der Teilnehmerliste zu finden sind (Irak, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien). Dazu noch Jordanien und Syrien und es ist fast der gesamte Nahe Osten versammelt. Der nächste große Block kommt aus Fernost mit China, den beiden Koreas und Japan. Nur Australien, Usbekistan und Indien fallen ein wenig raus. Das isses dann aber auch schon.

China und Indien sind übrigens mit Abstand die schwächsten Mannschaften. Es st schon erstaunlich, daß die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde es nicht schaffen eine halbwegs wettbewerbsfähige Mannschaft auf den Rasen zu stellen. Und das will bei dem Niveau dieses Turniers echt was heißen.

Insofern, um den Bogen zu Anfang zu schlagen, ist es nicht verwunderlich, wenn sich hier niemand für die Veranstaltung interessiert. Und doch werde ich bis zum Finale am Ball bleiben in der Hoffnung das Japan vielleicht doch noch ins Rollen kommt. Auch wenn Kagawa dann für längere Zeit für den BVB nicht zur Verfügung stehen würde.

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