Die Auferstehung des New York Cosmos: Eric Cantona wird Sportdirektor

Kentnisse über nordamerikanischen Fußball beschränkten sich vor der Gründung der Major League Soccer in hiesigen Breiten vor allem auf den New Yorker Ableger der untergegangenen NASL (North American Soccer League), New York Cosmos, gerade in Deutschland fälschlicherweise immer als Cosmos New York bezeichnet. Größen wie Pelé, Beckenbauer, Neeskens, Cruyff oder Chinaglia schnürten dereinst im Yankee Stadium oder im Giants Stadium vor teilweise 75.000 Zuschauern die Stiefel und Anfang der 80er hatte es den Anschein, daß die beliebteste Sportart der Welt endlich auch auf dem großen, weißen Fleck Nordamerika Fuß fassen würde. Mißwirtschaft und schwindendes Interesse der Öffentlichkeit führten schließlich 1984 zur Einstellung der Liga.

2006 wurde die „außerordentliche Geschichte des New York Cosmos“ in einer äußerst sehenswerten Dokumentation aufbereitet und seit letztem Jahr gibt es eine Nachfolgeorganisation mit Pelé als Ehrenpräsident, die es sich nach dem Kauf der Marke zum Ziel gesetzt hat, New York Cosmos als 20. Team in der MLS zu etablieren. Die Jugendcamps des Clubs, die ich in Ermangelung von verfügbaren Information als nicht permanente Teams verstehe, sondern als mehrwöchige Fußballschule, hatten seit dem Zusamsbruch der NASL weiterbestanden.

Bis es so weit ist, versucht sich die Organisation zunächst daran, ein Fundament zu schaffen, daß es beim ersten Versuch vor nur mehr als 25 Jahren nicht gab. Man setzt auf Ausbildung und Fußballakademien, die man an beiden Küsten der USA aufgebaut hat. Hinter diesen Akademien stehen zwei Jugendclubs, einer in New York und einer in Los Angeles, die auf die schönen Namen Blau Weiss Gottschee und Los Angeles Futbol Club hören. In der Zwischenzeit wird New York übersät mit Aufklebern und anderen Hinweisen, um den Namen des Cosmos in der Öffentlichkeit zu halten. Ich konnte mich davon selbst überzeugen, als ich letztes Jahr im Herbst einen Freund besuchte. Die Aufkleber waren flächendeckend verteilt und in Brooklyn-Williamsburg war eine Bretterwand an einer Baulücke mit äußerst sehenswerten Photos aus der Zeit von Beckenbauer und Pelé plakatiert.

Bis hierhin ist das eine nette Geschichte, die zwar auf ein Ziel zuläuft, aber nicht wirklich danach klingt, daß sich in naher Zukunft etwas entscheidendes tut. Bis ich dann heute gelesen habe, daß eben dieser New York Cosmos Eric Cantona zum neuen Sportdirektor, explizit für eine erste Mannschaft, gemacht hat. Auf der (sehr langsam ladenden) Homepage wird das ganze dann auch äußerst stilvoll in Szene gesetzt. Der gute Eric hatte ja schon immer ein Gespür für das Dramatische.

Er vergleicht den Cosmos und seine Geschichte als „eine Mischung aus Fußball und Kunst“, womit man in New York sicher immer gut ankommt. Vielleicht sagt dem einen oder anderen auch noch der Name Cobi Jones etwas. Der gute Herr wird in Zukunft auch für den Cosmos arbeiten. Mal sehen, was dabei heraus kommt. Und vor allem, mal sehen, wie das dann mit New York Red Bulls so läuft. Der Amerikaner steht Retortenvereinen ja durchaus aufgeschlossener gegenüber als der gemeine europäische Fußballfanatiker. Für die Vermarktung der MLS wäre eine Auferstehung des Cosmos wahrscheinlich ein Glücksfall, denn der Name ist tatsächlich der ganzen Welt ein Begriff.

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