„Bin ich jetzt schon drin?“ (Bundesliga 22.Spieltag)

Wie man mit einer Null-Nachricht unglaublich viel Wind machen kann konnte man unter Woche erleben, als sich Schalkes Coach Felix Magath medienwirksam auf Facebook angemeldet hat. Mal ehrlich, glaubt eigentlich irgendjemand, daß die Anmeldung des Cheftrainers  bei einem sozialen Netzwerk die Abwehrprobleme in Herne-West löst? Sicherlich nicht, und doch war das Rauschen im Blätterwald unüberhörbar und alles und jeder stürzte sich auf diese „Meldung“. Geholfen zu haben scheint’s ja doch, gegen Freiburg konnte ein 1:0 herausgewürgt werden. Ob’s für die Zukunft hilft bleibt abzuwarten.

Der Lokalrivale tritt hingegen ein wenig auf der Stelle und man mußte ja fast Angst haben, daß sich der BVB gegen die Schalker ein Trauma im Bezug auf Abschluß vor dem Tor eingefangen hat. Auch gegen Kaiserslautern war die Mannschaft, wenn auch nicht so drückend wie in der Vorwoche, überlegen, versäumte es aber vorne die Dinger reinzumachen. Das dann der Mann in schwarz sich so ins Spiel einmischen würde konnte keiner ahnen, ist für den Ausgang aber auch völlig unerheblich.

UPDATE: Nachgereicht sei in diesem Zusammenhang noch ein schöner Artikel aus der heutigen taz, der völlig Zurecht mit dem Zustand der Fernsehberichterstattung hart ins Gericht geht. ich habe den Beitrag nicht gesehen, aber allein der Abschnitt

Seine Antwort auf letztere Frage hätte Klopp auf jede der unterhaltungsarmen und zahnlosen Fragen wiederholen können: „Das find ich jetzt blöd, dass ihr mich fragt. Ihr habt’s selber viel öfter gesehen als ich.“

Im Subtext hieß das soviel wie: Macht doch endlich mal euren Job, verdammt. Und es drückte noch einmal den ganzen Frust von Jürgen Klopp aus, der nach dem Unentschieden gegen Kaiserslautern auch noch solche Fragen ertragen musste.

spricht mir aus der Seele.

Lustig ist, daß die Konkurrenz aus dem Süden wieder Blut leckt, nachdem sie ein völlig indisponiertes Hoffenheim mit 4:0 auseinandergenommen haben. Wie sehr sich die Münchener auf den Hype in den Medien verlassen können, war leider Gottes in der von mir hochgeschätzten samstäglichen Bundesligasendung bei WDR2 gut zu erkennen, als der aus der Allianz-Arena kommentierende Hans-Peter Pull sich beim 4:0 durch Robben fast an seinem eigenen Jubel verschluckt hätte. Ich habe das Spiel zu dem Zeitpunkt nicht gesehen, aber dem überschäumenden Jubel nach zu urteilen war da gerade das Tor den noch jungen Jahrtausends gefallen. Umso enttäuschter durfte man sein, als abends in der Sportschau zwar ein schönes Tor, aber nicht so ein Überding zu sehen war, wie man es bei der Kommentierung häte erwarten dürfen. Dann doch lieber die Bude von Rooney im Manchester Derby.

Weiter unten macht auf einmal der FC Lärm und das 4:2 gegen Mainz war phasenweise tatsächlich schön anzusehen. Als Rheinländer kölscher Prägung ist man solche Auswüchse ja gar nicht mehr gewöhnt und vermutet unwillkürlich sofort irgendwelche dunklen Machenschaften in Hinterzimmern. Nichtsdestotrotz ein völlig verdienter Sieg mit einem glänzend aufgelegten Podolski, der die Champions League-Träume der Anhängerschaft gerade in Karnevalszeiten in unbeschreibliche Höhen treiben dürfte.

Noch weiter unten reichen Stuttgart und Gladbach mit schöner Regelmäßigkeit Woche für Woche neue Bewerbungsschreiben für die goldene Himbeere ein. Das war teilweise schon ziemlich erbärmlich, was da geboten wurde und es dürfte umso frustrierender für die Anhänger sein, daß es dort eben nicht mit einem Personalwechsel auf dem Trainerstuhl getan ist. Ich muß zugeben, daß ich das Festhalten an Frontzeck für überaus löblich hielt in Zeiten, in denen sogenannte Expertenrunden im Privatfernsehen in Einspielern öffentlich nach dem Kopf des Trainers schreien. Wenn man ehrlich ist, ist Mönchengladbach nicht erstligareif, und das dürfte den Entscheidungsträgern im Vorstand auch bewußt sein. Trotzdem läßt man wieder den Marktmechanismen freien lauf, feuert den Coach und hofft, daß alles irgendwie doch noch gut zu Ende geht. Rheinischer Optimismus eben.

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