Mittwöchentlicher Gemischtwarenladen mit Hamburger Stadtderby und Champions League Spitzenspiel

Es kommt ja nicht oft vor, daß man unter der Woche an einem Tag mit zwei Spielen auf einmal verwöhnt wird und gestern war sicher eine große Ausnahme. Insbesondere, weil es (zumindest auf dem Papier) zwei höchst außergewöhnliche Spiele waren. Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls durch das Geschehen auf den Plätzen sehr gut unterhalten gefühlt. Was ich über die Leistung am Mikro nicht wirklich behaupten kann.

Als erstes gab es das Nachholspiel aus Hamburg, wo der Platz anscheinend durch intensive Pflegemaßnahmen in einen bespielbaren Zustand versetzt worden war. Derbies sind ja immer so eine Sache und man rechnet ja meistens immer mit dem Schlimmsten (auf dem Rängen und im Umfeld des Stadions) und dem Langweiligsten (ein ödes Unentschieden). Womit man wohl auch immer rechnen muß sind Reporter, die einfach nicht in der Lage sind ihren Job vernünftig zu machen. Das zog sich bei diesem Spiel wie ein roter Faden durch die knapp zwei Stunden. Stanislawski erklärte vor dem Anstoß groß und breit warum er sich dafür entschieden hatte, Benedikt Pliquett für das Hamburger Stadtduell ins Tor zu stellen. Das stieß bei den Verantwortlichen des übertragenden Senders anscheinend auf taube Ohren, ritten Sie doch das gesamte Spiel auf eben diesem Wechsel herum. Wenn mir der Trainer erklärt, daß er den dritten Torwart bringt, weil das ein Hamburger Junge ist und er sich von ihm eine besondere Motivation für das Derby erwartet, dann ist das für mich absolut nachvollziehbar. Das er sich damit für den Fall einer Niederlage angreifbar macht steht außer Frage. Aber so, wie Stanislwaski seine Entscheidung in der Vorberichterstattung begründete, war das schlüssig. Für mich. Nicht für die Nasen an den Mikros.

Das Spiel selbst hielt dann nicht das, was alle wohl gerne gehabt hätten. Mehr Krampf als Zauberei, aber immer doch recht unterhaltsam und vor allem spannend. Wenn da nicht die Schnapsdrossel am Kommentatorenpult gewesen wäre, der anscheinend vergessen hatte seine HSV-Brille zu Hause zu lassen. Selten einen so einseitigen Kommentar gehört. Hinzu kam, daß auf die Vorgänge im Block der Pauli-Fans nur äußerst periphär eingegangen wurde. Natürlich, brennende Pyros nimmt man gern ins Bild, immer mit dem Zusatz, daß es sich dabei um „Idioten“ handelt, und nicht um Fans. Daß dann aber, wenn man diversen Einträgen bei Twitter glauben darf, Team Green in Mannschaftsstärke in den Block stürmte und dort massenweise Tränengas verballerte, daß diverse Anhänger von St. Pauli daraufhin unter Protest den Block verlassen wollten, das konnte man nur bei Twitter lesen. Während der Übertragung wurde es schlicht und ergreifend verschwiegen. Man erfreute sich lieber an den Robocops, die im Block für „Ordnung“ sorgten.

Das Spiel selbst war die klassische „Underdog-schlägt-Favoriten“-Geschichte. St. Pauli war eigentlich chancenlos, hatte in der zweiten Hälfte aber eine gute Gelegenheit, nutzte diese und stellte sich dann, auf Konter lauernd, hinten rein. Das geht mal gut, mal geht es in die Hose. In diesem Fall lief es glatt und so durfte sich Pliquett nach dem Abpfiff sein „Derbysieg“-Shirt überziehen, was für die Fernsehleute wieder zu wirren Behauptungen führte, daß die Mannschaft diese Shirts habe vorproduzieren lassen. Selbst dann noch, als Pliquett selber mitteilte, daß dieses Shirt ein Einzelstück sei und er es schon im Hinspiel dabei hatte. So geht Sportjournalismus heute.

Im Anschluß stieg dann wenigstens das Spielniveau, denn, machen wir uns nichts vor, Arsenal und der FC Barcelona gehören so ziemlich zum besten, was man derzeit geboten bekommt. Ich konnte dieses Spiel wegen beruflicher Verpflichtungen leider nicht durchgehend verfolgen, muß aber sagen, daßm das, was ich sehen konnte, sehr viel Spaß machte. Auch wenn ich mich der herrschenden Meinung, Arsenal sei eine Art Barca-Light, nicht anschließen mag. Dafür sind die Darbietungen, die beide Mannschaften auf den Platz bringen, doch zu unterschiedlich. Hier die unendlichen, fast einschläfernden Ballstaffetten der Katalanen, dort das High-Speed Spiel nach vorne mit offenem Visier. Während Barca sich seine Gegner so lange zurechtlegt, bis sich die Chance für einen K.O.-Treffer auftut, habe ich bei Arsenal das Gefühl, daß dort wesentlich ungestümer zu Werke gegangen wird. Arsenal gönnt seinen Spieler auch die Freiheit mal mit dem Ball über den halben Platz zu rennen, während Barca immer den Pass bzw das Passpiel als den schnellsten Weg zum Tor ansieht.

Ein Unentschieden wäre für dieses Spiel sicherlich ein gerechtes Ergebnis gewesen, aber wo gibt es im Fußball schon Gerechtigkeit. Und während der Ausgleich durch van Persie noch als klarer Torwartfehler gelten muß, war der Paß von Nasri auf Arshavin schlicht und ergreifend zum Zungeschnalzen. Wie der gesamte Konter vorher auch. Was freu ich mich schon auf das Rückspiel.

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