„Und Ihr wollt‘ Tabellendritter sein?!“ (Fortuna Köln – SSVg Velbert 4:1)

In anderen Ländern gönnen sich Sportmannschaften gerne ein Motto, eine Art Werbespruch, für eine Saison. Das sieht dann beispielsweise in Japan beim Baseballteam der Hanshin Tigers aus Osaka so aus und klingt zugegebenermaßen ebenso platt wie schief. Würde sich die Fortuna auf so ein Spiel einlassen, dann hätte ich einen hervorragenden Vorschlag. Wie wäre es mit „Lassen Sie sich überraschen“? Denn daß ich einen so entspannten und unaufgeregten Nachmittag im Südstadion verbringen würde, hatte ich mir vor dem Aufeinandertreffen mit dem Tabellendritten SSVg Velbert nicht ausmalen können.

Vielleicht lag meine Ruhe auch eher daran, daß ich kurz vor’m Erfrieren stand. Ich hatte vor dem Spiel den Wetterbericht nicht gecheckt, aber daß es dann SO kalt werden würde, hatte ich irgendwie gar nicht auf dem Schirm. Auf dem Hinweg ging es noch, als ich allerdings auf dem Rad nach Hause fuhr, waren Hände und Füße fast taub.

Wie sich die Spieler auf dem Rasen gefühlt haben müssen, will ich gar nicht wissen, aber im Vergleich zum Spiel gegen Rot-Weiß Essen wirkte die Fortuna wesentlich konzentrierter und begann gleich den Gast unter Druck zu setzen. Das zahlte sich zunächst wegen einiger Ungenauigkeiten in den Anspielen nicht aus, aber wenigstens brannte in der Defensive nichts an. Das frierende Publikum mußte sich bis zur Mitte der ersten Hälfte gedulden, als es zum ersten Mal im Velberter Kasten klingelte. Fabian Montabell schloß einen Konter ab und brachte die Fortuna in Front. Das ganze erinnerte ein wenig an diverse Kopfball-Bogenlampen und so war sich anfangs auch irgendwie niemand, weder von den Spielern noch unter den Zuschauern, sicher, ob der Treffer wirklich zählte, bis der Schiedsrichter auf den Mittelkreis zeigte.

Und anstatt sich auf der Führung auszuruhen wurde dieses Mal zügig nachgelegt. Kurz vor der Pause brach Hamdi Dahmani auf rechts durch, lief alleine auf’s Tor zu und schloß trocken ab. Ich muß lange zurückdenken, bis ich ein Heimspiel finde, bei dem ich anwesend war, in dem die Hausherren im Südstadion mit einer beruhigenden zwei Tore Führung in die Halbzeitpause gehen konnten. Eigentlich alles bestens, wenn nur diese beißende Kälte nicht so genervt hätte.

Wenigstens war das Spiel nach dem Seitenwechsel ähnlich ansprechend und wußte so zu erwärmen. Auch hier dauerte es wieder bis zur Mitte der Hälfte, aber dann hatte Fortuna noch etwas für’s Torverhältnis getan, dieses Mal erneut durch Dahmani, der einen schönen Kopfball auf die Kiste zimmerte, der nach Ansicht des Linienrichters erst hinter die Linie von einem Velberter Spieler geklärt wurde.

Danach ließ man ein wenig die Zügel schleifen und erlaubte den Gästen noch den Ehrentreffer durch einen wirklich sehenswerten Fernschuß, bei dem sich kein Abwehrspieler der Fortuna für den Schützen verantwortlich fühlte. Doch mitten in die zart aufkeimende Aufholjagd der SSVg hinein erzielte der eingewechselte Ouedraogo den 4:1 Endstand.

Alles in allem ein wirklich überzeugender Auftritt der Fortuna, nach dem die Mannschaft gegen RWE noch auf der ganzen Linie enttäuscht hatte. Velbert spielte nicht wirklich wie ein Tabellendritter und vielleicht läßt so ein Spiel ja doch auf eine stärkere Rückrunde hoffen. Wie schon gesagt, lassen Sie sich überraschen.

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