Große Klappe und was dahinter (Bundesliga 24. Spieltag)

Vor sogenannten Spitzenspielen mit süddeutscher Beteiligung wird gerne immer die oft beschworene „Abteilung Attacke“ hervorgekramt und auch dieses Mal ließ sie sich nicht lange bitten. „Die haben Eins gegen Eins keine Chance gegen uns“, „das wird ein Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied“, „ein Unentschieden oder eine Niederlage sind nicht akzeptabel“. Was haben wir am späten Samstag Abend gelacht, lieber Herr Hoeneß.

Es kommt ja leider selten vor, daß Spitzenspiele halten, was sie versprechen, aber bei der Begegnung des Tabellenführers gegen einen der „ärgsten“ Verfolger, wenn man bei 13 Punkten Rückstand überhaupt von Verfolger sprechen darf, kamen alle Zuschauer von Beginn an auf ihre Kosten. Chancen en masse, als hätten die Abwehrreihen von ihren Trainern die Parole „Türen auf Durchzug“ bekommen. Das dieser Überfluß an Einschußmöglichkeiten auch mit dem starken Pressing zu tun hatte, läßt sich allerdings nicht von der Hand weisen.

Die Dortmunden Vorwärtsverteidigung zahlte sich schon nach neun Minuten aus, als Großkreutz einem völlig indisponierten Schweinsteiger den Ball abluchste und zielstrebig in Richtung Bayern-Tor marschierte. Und wo man eigentlich einen eigensinnigen Alleingang vermutet hätte, veredelte der zufälligerweise in der Bundesliga spielende BVB-Fan seine Aktion mit einem wunderschön getimeten Anspiel auf Lucas Barrios, der eiskalt abschloß.

Bayern ließ sich davon in der Folge zunächst nicht beeindrucken, rannte aber wesentlich unstrukturierter auf das von Ersatzmann Mitchell Langerak gehütete Dortmunder Gehäuse an. So ist es auch nicht verwunderlich, daß der Ausgleich in der 16. Minute nach einem Eckball fiel, als Luis Gustavo zentral seinem Bewacher Sven Bender entwischte. Wer nun allerdings ein ausgeglicheneres Spiel erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Keine zwei Minuten später: der überragende Barrios narrte in Höhe der Mittellinie einen völlig überforderten Badstuber, sprintete, von vier Gegenspielern verfolgt, auf Michael Kraft zu, stoppte, legte auf Götze, der weiter zu Sahin und der BVB-Kapitän vollendete das Kunstwerk mit einem wunderschönen Schlenzer in die linke Ecke des Bayern-Kastens.

Nach der Pause konnte das Spiel nicht in diesem Tempo fortgesetzt werden und so zogen sich die Gäste in die eigene Hälfte zurück und warteten auf die Gelegenheit zum finalen Rettungsschuß. Die bot sich dann nach einer Ecke, die Mario Götze nach einem sehenswerten Fernschuß herausgeholt hatte. Ausgerechnet Mats Hummels, der nicht nur an diesem Abend in der Münchener Hintermannschaft schmerzlich vermisst wurde, köpfte zum vorentscheidenden 1:3 ein.

Man bekommt selten eine solche Demonstration geboten. Und noch seltener wird dem würtchenfabrizierenden Lautsprecher so konsequent das Maul gestopft. Seine von ihm selbst ausgerufenen Überspieler Ribéry und Robben sahen gegen eine diszipliniert verteidigende Dortmunder Mannschaft keinen Stich und wurden völlig aus dem Spiel genommen. Wenn sich die kommenden Bayern-Gegner die Aufzeichnung dieser Partie ansehen dürfte es in Zukunft schwer werden für das Münchener Starensemble. Und auch wenn es immer noch heißt von Spiel zu Spiel zu denken, so war der Auftritt in der bayrischen Landeshauptstadt das vorgezogene Meisterstück der Dortmunder Borussia. Bayern muß jetzt erstmal in den Rückspiegel schauen, denn da lauert Hannover 96. Ach nee, moment, die stehen ja schon vor ihnen auf Platz 3.

Unten hingegen rückt alles immer enger zusammen. Und selbst die Schalker, die mit ihrer Bundesligasaison so recht nichts mehr anzufangen wissen, denken sich, warum sollen wir denn krampfhaft um die Europa League Plätze mitspielen, unten geht doch viel mehr ab. Der 1.Fc Köln hingegen scheint tatsächlich Gefallen daran gefunden Spiele im Akkord zu gewinnen und robbt sich Dank eines Traumtores von Lukas Podolski weiter nach oben. Viel erschreckender ist allerdings, daß die Stimmen, die schon das europäische Geschäft in greifbarer Nähe wähnen, in der Domstadt verhältnismäßig unterrepräsentiert sind. Sollte am Ende tatsächlich in Köln mehr Realitätssinn herrschen als in den abschreibewütigen Gehirnwindungen des Dr. strg. c. zu Guttenberg? Der VfB aus Stuttgart will auch noch mitmachen und darf dies mit freundlicher Unterstützung aus Frankfurter Eintracht auch gerne tun. Und Bremen steht nur aufgrund von Vizekusens sprichwörtlicher Unzulänglichkeit noch über’m Strich.

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