Der Pott geht in’n Pott (DFB-Pokal – Halbfinale)

Fußballspiele im Halbschlaf zu verfolgen ist nicht wirklich förderlich, wenn man sich später dazu äußern möchte. Noch dazu in aller Öffentlichkeit. Aber wer kann schon den Mund halten, wenn der selbsternannte Klassenprimus innerhalb von 5 Tagen zweimal zu Hause die Kauleiste poliert bekommt. Und darüber hinaus noch ein schönes Underdogmärchen fortgeschrieben wird, welches in der Hauptstadt seinen krönenden Abschluß finden könnte. Das sind, wie heißt es doch so schön, Geschichten, die nur der Pokal schreiben kann.

Das gefühlte Vorspiel wurde von den beiden Zweitligisten bestritten und ich muß gestehen, daß ich, trotz meiner eigentlichen Abneigung gegen beide Mannschaften (der MSV interessierte mich von allen Ruhrgebietsclubs immer nur äußerst periphaer, Cottbus hat bei mir seit dem Aufstieg in die erste Liga unter Ede Geyer nie was reißen können), beiden den Einzug ins Finale gegönnt hätte. Cottbus, weil Wollitz dort anscheinend hervorragende Arbeit leistet. Und weil er eben einfach ein Vogel ist. Ich durfte einmal ein Gastspiel des VfL Osnabrück auf dem alten Aachener Tivoli erleben und hatte dank eines Freundes noch Zutritt zur anschließenden Pressekonferenz. Die wurde von Wollitz wahrscheinlich nur deshalb so aufgeräumt bestritten, weil er zuvor doch gut hörbar seine Spieler in der Kabine zusammengefaltet hatte (Aachen hatte das Spiel in den Schlußminuten gewonnen). Er ist sich obendrein nicht zu Schade unqualifizierten Fiekldreportern des Privatfernsehns mal geradewegs über den Mund zu fahren, wenn sie dumme Fragen stellen, und damit sammelt man bei mir immer Pluspunkte. Duisburg hätte ich es gegönnt, weil sie natürlich den guten (leider gerade verletzten) Julian Koch mit Spielpraxis versorgen.

Von der ersten Halbzeit habe ich kaum was gesehen, die zweite nur hörend wahrgenommen, aber Gerd Gottlob wirkte ja fast hyperventilierend ob dem, was sich in den letzten Minuten auf dem Rasen tat. Die Rettungsaktion auf der Linie habe ich erst am nächsten Morgen gesehen. Da kann man nur attestieren: Schwein gehabt, lieber MSV. Aber trotzdem schön.

Der Hauptgang wurde dann am Mittwoch kredenzt und bot ein wunderbares Schauspiel bayrischer Gastfreundschaft, als die komplette Bayernkurve dem Schalker Keeper ihre Abneigung in Form von DIN A3 Zetteln entgegenreckte. Daß dieses dann solche Wellen schlagen würde und sich Andy Köpke genötigt sah, Manuel Neuer zur Seite zu springen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

„Unfair und unverständlich. Manuel ist immerhin die Nummer 1 in Deutschland. Er hat den Bayern doch gar nichts getan.“

(aus bild.de)

Nun, er hat ihnen insofern etwas getan, als daß er zunächst mal als Ur-Schalker gilt, der sich fast schön über Gebühr mit seinem Verein identifiziert (was ja zunächst mal nichts schlimmes ist). Des weiteren hat er die Anhänger der Bayern mit seinem Oli Kahn-Eckfahnen-Plagiat auf Jahre hinaus provoziert (und vielleicht auch traumatisiert. Das die nicht unbedingt demjenigen zujubeln, der gerade zufälligerweise im Kasten der deutschen Nationalmannschaft steht, sollte eigentlich auch noch Herrn Köpke im Gedächtnis sein, Stichwort „Lehmann„.

Das Spiel selbst ließ dann doch ein wenig das Feuer vom Samstag abend vermissen. Zwar verstand es auch Schalke ziemlich gut Robben und Ribéry aus dem Spiel zu nehmen (durch u.a. den kölschen Jung‘ Hans Sarpei, daß muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…), aber den Hochgeschwindigkeitsfußball der Dortmunder Borussia konnten die Knappen nicht kopieren. Dafür ist momentan anscheinend auf Münchener Abwehrschwächen Verlaß. Jedenfalls war das, was da in der Bayern-Defensive beim 0:1 geboten wurde, wieder mal ein verzweifelter Hilfeschrei nach Verstärkungen für die rot-weiße Hintermannschaft. Ansonsten ging nicht wirklich viel und ich mußte mich wirklich bemühen nicht einzuschlafen, auch wenn das eher meiner körperlichen Ermattung geschuldet war und nicht dem, was die Spieler boten. Jedenfalls hatte Bayern bis auf eine kurze Drangphase nach dem Setenwechsel, als die Schalker versuchten auf den Spuren von Badstuber zu wandeln, nicht wirklich zwingendes zu bieten. Gelsenkirchen beschränkte sich verständlicherweise auf Ergebnisverwaltung, was man mit jemandem wie Neuer im eigenen Kasten auch durchaus mal machen kann.

Nun sind die Münchener also nur noch in den Champions League im Rennen und die Schalker können eine völlig missratene Saison doch noch ein wenig schöner gestalten. Wenn nicht der Meidericher SV etwas dagegen hat…

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Der Pott geht in’n Pott (DFB-Pokal – Halbfinale)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s