Fünf gegen Windeck (Fortuna Köln – Westfalia Rhynern 3:0)

Ich glaube, ich kann mich an kein Spiel erinnern, daß ich mal an einem Tag während des kölschen Fasteleer besucht habe. Entweder fanden an dem Tag immer Auswärtsspiele statt oder es zog mich auf die Straße, um selbst mitzufeiern. Da mir die karnevalistischen Ausschweifungen der durch diverse RTL2-„Reportagen“ sozialisierten, marodierenden, Oktoberfest- und Mallorca-Horden in den letzten Jahren nicht mehr so wirklich zusagen, lag also nichts näher, als den Weg ins Südstadion anzutreten. Auch wenn ich mir dadurch eine vielleicht historische Niederlage des FC Bayern München bei Hannover 96 entgehen ließ. Aber man bringt ja gerne Opfer.

Insbesondere, wenn die Fortuna im Heimspiel gegen Westfalia Rhynern (ich mußte auch nachschlagen, daß liegt in der Nähe von Hamm) wie die Feuerwehr loslegt und die teilweise recht kreativ kostümierten Anwesenden schon nach knapp 5 Minuten mit einem sehenswert herausgespielten Führungstreffer beglückt. Kapitän Stefan Glaser und Hamdi Dahmani wurden auf rechts schön in Szene gesetzt, letzterer brachte den Ball vor das Rhynerner Tor, wo dann die Gästeabwehr ein sehr schönes Bewerbungsschreiben an den amtierenden deutschen Meister in München abschickte. Das Leder wanderte über mehrere Köpfe und fand in Fabian Montabell schließlich seinen finalen Abnehmer, der die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Ein wunderbarer Auftakt.

Wer nun allerdings dachte, daß der Gegner einfach überrant würde, der sah sich getäuscht. Zwar knüpfte die Fortuna dort an, wo sie im letzten Heimspiel gegen Velbert aufgehört hatte, aber Rhynern zeigte sich nur kurz geschockt und versuchte mitzuspielen. Das brachte den Gästen zwar ein paar halbwegs gefährliche Situationen vor dem Kasten von Jonas Sela ein, öffnete den Hausherren aber auch Räume, die phasenweise sehr ansehnlich genutzt wurden. Der Ball lief sehr flüssig, die Laufwege schienen zu stimmen und von einem eventuellen Karnevalskater war überhaupt nichts zu sehen. Mitte der ersten Hälfte bot sich nach einem Freistoß wieder eine große Chance die Führung auszubauen, als nach einem Freistoß wieder Chaos in der Rhynerner Hintermannschaft ausbrach, Mitja Schäfer aber mit einem Fernschuß am Gästekeeper scheiterte.

Davon ließ sich die Fortuna aber nicht beirren und legte kurz vor der Pause nach. Wieder war es Glaser, der sich auf rechts durchsetzte und den Ball präzise nach innen brachte. Maycoll Canizales-Smith hechtete in die Flanke und erzielte durch einen sehr sehenswerten Flugkopfball das 2:0.

So ging es in die hoffentlich beheizte Kabine, den trotz des zu Anpfiff strahlenden Sonnenscheins war es doch wieder empfindlich kalt im Südstadion, was die Mülltonn‘ völlig zurecht zum Sprechchor „Der Winter ist zurück, olé, ole´“ veranlasste. Überhaupt, die Kurve bot an diesem Samstag ein ziemlich buntes Bild. Dazu trug, wenn ich das richtig mitbekommen habe, eine Junggesellanabschiedsgesellschaft bei, die anscheinend das volle Programm haben wollte und komplett kostümiert ins Stadion gekommen war. Etwas unnötig waren dann zu beginn der zweiten Hälfte die langweiligen FC-Schlachtrufe aus eben dieser Ecke. Jungs, wenn ihr den Verein gut findet, dann geht doch einfach da hin und lasst uns in Frieden.

Bei Wiederanpfiff bot sich ein unverändertes Bild. Rhynern versucht mitzuhalten, daß gelang über weite Strecken auch ganz gut, aber man mußte nicht wirklich Angst um die Führung der Fortuna haben, sondern erwartete eher ein weiteres Tor der Heimmannschaft. Das fiel dann zwangsläufig duch Daniel Bartsch und machte den Deckel auf ein überlegen geführtes Spiel. Es gab noch ein paar sehenswerte Angriffe der Fortuna, insbesondere eine hervorragend vorgetragene Ballstaffette, bei der sicher 5-6mal direkt gespielt wurde. Ein Anblick, den ich im Südstadion lange nicht mehr genießen durfte. Leider wurde es verpaßt, diesen Angriff mit einem Tor zu veredeln, aber man soll ja nicht übermütig werden. Auch nicht am Fasteloovend.

Alles in Allem ein wirklich sehr überzeugender Auftritt gegen einen zwar weiter unten in der Tabelle stehenden Gegner, der aber völlig zurecht beim souveränen Tabellenführer aus Essen ein 1:1 ertrotzt hatte und diese Qualität manchmal auch in Köln auf den Platz bringen konnte. Umso erfreulicher, daß die Fortuna sich ungefährdet dieser Aufgabe entledigen konnte. Die Serie steht jetzt bei fünf Siegen in Folge und wartet darauf weiter ausgebaut zu werden. Versüßt wurde der Nachmittag obendrein noch durch die Nachricht, daß der zweitplazierte Konkurrent aus Windeck im Spiel bei den Sportfreunden aus Siegen wieder keine Punkte mitnehmen konnte und sich der Abstand auf den zweiten Aufstiegsplatz somit auf sieben Punkte verringert hat. Das bedeutet natürlich noch rein gar nichts, weil man ja immer von Spiel zu Spiel denken sollte. Aber eine schöne Fußnote ist es schon.

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