DFB-Pokalfinale: Gute Unterhaltung in Müngersdorf (1. FFC Frankfurt – Turbine Potsdam 2:1)

Ich war eigentlich ein wenig enttäuscht, daß das Pokalfinale der Frauen genau in meinen Urlaub gefallen ist, den ich eigentlich in Japan verbringen wollte. Nun hat mich die Katastrophe in Fernost davon abgehalten und es mir insofern doch ermöglicht zum Spiel zu gehen, auch wenn ich sicher lieber rübergeflogen wäre. Aber so war das eine angenehme Ersatzveranstaltung mit hohem Unterhaltungswert. Einziger Kritikpunkt dürfte die doch ein wenig enttäuschende Zuschauerresonanz sein, ansonsten passte aber alles.

Mit Frankfurt und Potsdam trafen die beiden zur Zeit besten deutschen Mannschaften aufeinander, die sich auch in der Liga bis zum letzten Spieltag ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, dort mit dem besseren Ende für die Turbinen aus der brandenburgischen Landeshauptstadt. Aber im Pokal werden die Karten ja immer neu gemischt und so versprach das Ganze eine unterhaltsame Angelegenheit zu werden.

Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Naturkatastrophe in Japan, bei der die Potsdamer Fans, die überraschenderweise sehr zahlreich auf den VIP-Plätzen vertreten waren, viele japanische Flaggen hochhielten, wurde von beiden Mannschaften ein hohes Tempo angeschlagen. Die Vorteile lagen hier zunächst bei Potsdam, die mit ihren Angreiferinnen Fatmire Bajramaj, Anja Mittag und Yuki Nagasato für viel Alarm in der Frankfurter Viererkette sorgten. Den ersten Treffer erzielte allerdings die Frankfurterin Svenja Huth nach einem groben Abwehrschnitzer von Inka Wesely.

Frankfurt bekam daraufhin mehr Zugriff auf das Spielgeschehen und erarbeitete sich ein leichtes Übergewicht. Während die Damen aus Hessen wesentlich kontrollierter und berechnender an die Sache herangingen, rollten die Turbinen immer ziemlich forsch und ungestühm nach vorne, was für viele Strafraumszenen sorgte. Eine davon nutzte kurz vor der Pause Yuki Nagasato zum Ausgleich. Die japanische Nationalspielerin twittert übrigens auch sehr gerne (@Turbine17) und auch wenn sie größtenteils in ihrer Muttersprache schreibt, die deutschen Tweets sind immer sehr lustig und lesenswert.

Nach der Pause hatten noch nicht alle Zuschauer wieder den Weg zu ihrem Platz gefunden, da stand es auch schon 2:1 für Frankfurt. Birgit Prinz nutzte die Verwirrung im Potsdamer Strafraum zu einem strammen Schuß auf das Tor, der von der Schlußfrau der Turbinen, der Kölnerin Anna Felicitas Sarholz, noch pariert werden konnte. Aber im Nachsetzen stocherte Kerstin Garefrekes den Ball zur erneuten Frankfurter Führung über die Linie. Und auch wenn Potsdam leicht protestierte, der Ball war tatsächlich in vollem Umfang im Tor.

Potsdam verstärkte daraufhin seine ohnehin schon großen Angriffsbemühungen und wäre nach ca. einer Stunde auch belohnt worden, hätte die Schiedsrichterin nach einem Freistoß von Jennifer Zietz nicht auf Foul an Nationaltorhüterin Nadine Angerer entschieden. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Potsdamer Attacken immer planloser und für die Frankfurter Abwehr leichter auszurechnen. Zusätzlich öffneten sich größere Lücken für Konter, vor allem, als Sarholz etwas kopflos aus ihrem Strafraum stürmte und Prinz sich bei der folgenden Flanke leider erfolglos an einem Fallrückzieher versuchte.

Alles in allem ging der Frankfurter Sieg in Ordnung, da sie wesentlich abgeklärter agiert hatten. Potsdam wurde für seinen Aufwand nicht belohnt. Beste Spielerin auf dem Platz war meiner Meinung nach Viola Odebrecht, die für Potsdam im Mittelfeld alle Fäden zog, fast immer richtig stand und die Angriffe schön aus der Tiefe der eigenen Hälfte einleitete.

Das Drumherum war äußerst entspannt und unaufgeregt. Ich kam ca. 30 Minuten vor Anpfiff am Stadion an und konnte problemlos eine Karte im Oberrang der Osttribüne erstehen. Die Preise waren mit 15-30 Euro übrigens ausgesprochen human. Auffällig waren extrem viele Jugendmannschaften und hier insbesondere die Mädchenmannschaften. Beim Einlaß stand neben mir eine komplette Mannschaft der Fortuna. Die Stimmung im Stadion selbst war dann eher durchwachsen. Die Potsdamer Supporter machten ordentlich Stimmung und selbst drei halbstarke und stärker alkoholisierte „Hooligans“ echauffierten sich auf dem Ost-Oberrang über alles, was gegen ihre Mannschaft lief. Ansonsten hielt sich der größere rest des Publikums vornehm zurück und beschränkte sich auf die ein oder andere La Ola. Völlig deplaziert wirkte hingegen die Marschkapelle auf den Stehplätzen der Nordkurve, die Mitte der ersten Hälfte ihr komplettes Repertoire rheinischer Fasteloovendslieder zum Besten gab.

Fazit: ein entspannter Nachmittag in einem schönen Stadion mit einem ansprechenden Spiel. Könnte ich mir nächstes Jahr durchaus nochmal geben.

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