Champions League: Verlaufen (Schalke 04 – Manchester United 0:2)

In einigen, seltenen Fällen bringt der Fußballfeuilletonismus wunderbare Lyrik hervor, so wie hier im Falle der Süddeutschen Zeitung:

Schalke war also Außenseiter, das war jedem klar vor dem Halbfinal-Hinspiel gegen Manchester United, einen der Dauergäste in dieser Etage des europäischen Fußballbetriebs. Aber Außenseiter zu sein, hoffte Rangnick, ‚das ist ja eine Situation, in der wir uns auch wohlfühlen‘.

Doch dann wurden die Schalker bald von jener sehr speziellen Art des Wohlfühlens heimgesucht, die zum Beispiel ein Taucher empfindet, der Korallen und Clownfische erwartet, und dann biegt plötzlich ein Schwarm Riffhaie um die Ecke. Faszinierend, das schon. Man hofft, sie tun nichts. Aber man weiß es nicht so genau.“

Jemand, der das Halbfinale der diesjährigen Champions League Saison nicht gesehen hat, dürfte ein ziemlich klares Bild von dem haben, was sich gestern abend in Gelsenkirchen zugetragen hat.

Auch wenn die Riffhai-Allegorie ein wenig an der Realität vorbeigeht, so hat man sicher selten eine derart chancenlose Heimmannschaft in der Runde der letzten vier gesehen.Bis auf wenige Ausnahmen, die auch eher auf Zufällen denn auf eigener Klasse beruhten, sah Schalke nicht so aus, als könnten sie mit dem Begriff „Tor“ irgendetwas anfangen. Die Ausnahme von der Regel stand wie eigentlich immer in dieser Saison im Tor und schien dem Verein wenigstens durch seine Glanzparaden eine noch höhere Ablösesumme garantieren zu wollen.

Was das gestrige Spiel einmal mehr zeigte war, daß Inter Mailand eben nur noch ein Abziehbild der Mannschaft des Vorjahres war. Dadurch sind einige Erwartungen im Ruhrgebiet sicher in unermeßliche Höhen geschossen. Gegen einen derart abgeklärt spielenden Gegner wie United kann eine durchschnittliche Bundesligatruppe nur schlecht aussehen. Außer im Tor ist Schalke auf jeder Position schlechter besetzt und ein Raúl hängt nunmal auch in der Luft, wenn er keine Bälle bekommt. Dabei trat Manchester nicht einmal drückend überlegen, sondern schlicht und ergreifend kaltblütig auf. Mit Ruhe wurden Chancen herausgespielt, die Manuel Neuer mit schöner Regelmäßigkeit vereitelte. Ein der Ausgang eines solchen Spiels folgt eigentlich immer zwei Mustern. Entweder eiert die schlechtere der beiden Mannschaften in der 89. Minute einen Kullerball über die Linie. Oder das dominierende Team setzt sich durch, bricht irgendwann den Bann und trägt den Sieg davon. Alternative b) kann in Einzelfällen auch zu einem kompletten Dammbruch führen und in einem Torfestival enden.

So schlimm war es gestern dann nicht, aber in den 3 Minuten Mitte der zweiten Hälfte sah es für kurze Zeit danach aus. Der ewige Methusalem Giggs und vor allem Rooney schnitten durch die Schalker Defensive wie das sprichwörtlich heiße Messer durch die Butter.

Ein Vorsprung von zwei Toren läßt sich, auch in der Champions League, sicher auch auswärts aufholen. Aber gestern wurde den Gelsenkirchnern sehr deutlich klargemacht, daß sie sich dieses Jahr in das Halbfinale der Königsklasse verirrt hatten, wie Wanderer, der die Karte seit Stunden falschrum hält.

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