Champions League: Bahnradsteher (Real Madrid – FC Barcelona 0:2)

Große Namen versprechen große Spiele und am Ende geht man meistens mit einem etwas fahlen Geschmack nach Hause, weil es dann doch nicht der Budenzauber geworden ist, den man erwartet hatte. Vielleicht sind es in diesem Fall auch die ersten Abnutzungserscheinungen wegen Übersättigung. Der vierte (von am Ende fünf) „El Clásico“ der Saison 2010/11 hielt nicht wirklich daß, was sich der Großteil der Zuschauer im Vorfeld versprochen haben mag. Im Gegenteil, es war eine äußerst zähe Angelegenheit, die mit Fußball über weite Strecken nur am Rande zu tun hatte.

Es war fast schon erschreckend zu beobachten wie die Heimmannschaft mit all ihren Starspielern sich wie ein Spielverderber verhielt und den Beton in der Defensive dermaßen stark anrührte, daß man den Eindruck haben konnte, dieser Abwehrverbund sollte auch noch in kommenden Jahrtausenden so zu besichtigen sein. Barcelona als Gastmannschaft dürfte diese Spielweise nicht neu gewesen sein, wahrscheinlich spielen 99% aller Gegner so, vor allem, wenn sie ins Camp Nou müssen. Aber von einem Namen wie Real Madrid darf man sicher etwas mehr erwarten, vor allem im eigenen Santiago Bernabeu. Doch so entwickelte sich durch Jose Mourinhos Taktikspielereien ein Fußballspiel, daß eher den Stehversuchen von Bahnradfahrern glich.

Kurz vor der Pause wäre die Destruktiv-Taktik beinahe aufgegangen, als auf halblinks abzog und Victor Valdez die Kugel nur abklatschen konnte. Was dann letztendlich die gefährlichste Situation der gesamten ersten Hälfte darstellte und das Dilemma, in dem Barcelona wegen des Ausfalls von Inesta steckte, schön zusammenfasst. Vorne feldüberlegen bis zum Gehtnichtmehr, hinten aber anfällig.

Zum Glück gibt es aber immer wieder die gleichen Kandidaten, die einen solchen Deadlock durch die eine dämliche Aktionen sprengen können. In diesem Fall war das Pepe, der Mitte der zweiten Halbzeit in seinen Gegenspieler sprang, als wollte er sich für die Hauptrolle eine Kung Fu-Streifens bewerben. Daß Schiedsrichter Wolfgang Stark, der in der Vergangenheit für seine Auftritte in der hiesigen Liga ja des öfteren Prügel einstecken durfte, daraufhin den Überblick behielt (Mourinho auf die Tribüne), ist aller Ehren wert.

Von einem Hauptunhold befreit konnte sich endlich die katalanische Kurzpassorgie vollends entfalten und die Tore fielen zwangsläufig. Der erste Treffer war noch recht gewöhnlich, aber Tor Nummer 2 war schon sehr sehenswert und entschädigte ein wenig für die vorangegangene Treterei. Messi schnappt sich den Ball in der madrilenischen Hälfte und marschiert mit seinen Trippelschritten in Richtung Tor von Iker Casillas. Nicht ganz so schön, wie seine Kopie des 86er Tores von Maradona, aber, wie gesagt, doch sehr sehenswert.

Barcelona fährt mit einer 2:0-Auswärtsführung nach Hause. Man darf gespannt sein, welche Register Mourinho im Rückspiel zieht und ob die Erwartungen dann wenigstens etwas besser erfüllt werden.

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