Verdient (Bundesliga 32. Spieltag)

„Na endlich“, möchte man fast rufen. Nachdem wochenlang nur darüber diskutiert wurde, ob Dortmund jetzt rückwirkend zum Beginn der Saison als Meister bestätigt wird, hat es der BVB am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg (und mit Unterstützung des 1.FC Köln) die siebte deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte unter Dach und Fach gebracht. Und (fast) alle freuen sich mit.

Gut, es gibt natürlich immer Partisanen, Renegaten und beleidigte Leberwürste, ich denke da gerade an ein Dorf im Süden und diese Siedlung westlich von Herne. Ihre Abneigung sei ihnen auch nicht genommen. Aber an so eine verdiente Meisterschaft (auch ohne Sympathisantenbrille) kann ich mich nur schwer erinnern.

Sicher, Bremen 2004 war extrem überzeugend, Die Bayern 1999-2001 waren auch stark. Was das Dortmunder Märchen aber so besonders macht, ist, daß es eigentlich eine Mannschaft der Namenlosen war, die über fast die gesamte Spielzeit begeisternd aufgetreten ist. Alles, was im deutschen Fußball vor 1982 liegt ist für mich ein dunkles Nichts, aber für die letzten 29 Jahre fällt mir kaum etwas ein, was an das heranreicht, was der BVB in dieser Saison auf die Beine gestellt hat. Und man muß es nicht ganz so pathetisch darstellen wie in diesem großartigen Artikel.

Ganz ehrlich? Damit gerechnet hat doch niemand. Und selbst nach der Hinrunde dürfte bei den meisten noch Skepsis vorgeherrschaft haben. Das Meisterstück war sicher der Auswärtssieg in München, die Initialzündung dürfte aber der furiose Auftritt beim ersten Spiel der Europa League in Lwiw gewesen sein. Ich hatte es mir für jenen Abend gemütlich gemacht und mich eigentlich auf einen dieser überflüssigen Europapokalabende eingestellt. Die Verletzung von Sebastian Kehl kurz vor Anpfiff trug nicht zur Besserung meiner Laune bei. Und dann steht da eine Mannschaft auf dem Platz, die sich schlicht und ergreifend weigert das Feld als Verlierer zu verlassen. Das Mario Götze dem Ganzen mit seinen Siegtreffer noch die Krone aufsetzte, kann in der Rückschau nur als Versprechen für das, was danach kam, interpretiert werden.

Wer die zweite Jahreshälfte 2010 als Fußballfreund nicht ansatzweise zu schätzen weiß ist entweder Schalker oder Quartalsfan. Der Demütigung der Knappen in ihrere Arena, der Heimsieg gegen die Bayern, das Comeback in Köln, die Demontage von Hannover, der furiose Auftritt in Mainz, es reihte sich Highlight an Highlight. Und das Dortmund eben nicht mal zwei Spiele nacheinander verloren hat, war sicher auch ein Grund für den Erfolg.

Das Hochgefühl rührt sicher auch von diesem Schuß Fußballromantik, daß ein Team auf dem Platz steht, daß auch privat gut kann. Das eben nicht aus 22 Ich-AGs besteht, sondern füreinander da ist. Die Anerkennung, die die jungen Spieler für einen verdienten Veteranen wie Dede zeigen, ist einfach einzigartig und momentan in keinem anderen Verein vorstelbar.

Das das nur eine Momentaufnahme ist und diese Mannschaft nicht für alle Ewigkeit beieinander bleiben wird, dürfte auch jedem klar sein. Trotzdem ist es bemerkenswert, daß ein Großteil der Spieler vorzeitig bereit war sich längerfristig an den Verein zu binden. Und auch wenn Nuri Sahin sich in Richtung Madrid verabschieden würde, so paßt das doch in das vielbeschriebene Konzept, welches die Chefetage um Rauball und Watzke dem Verein verpaßt hat. Ausbildungsverein, der eben nicht astronomische Summen für Spieler ausgeben wird. Sondern auf die eigene Jugend und auf Schnäppcheneinkäufe wie Shinji Kagawa setzen muß.

Ich bin ehrlich, ich weiß auch, daß so eine Saison läßt sich nicht wiederholen und wenn der BVB im Sommer 2012 auf einem Europa League-Platz steht, dann wäre das ein Riesenerfolg. Aber diese Spielzeit, die wird ewig in Erinnerung bleiben. Und ich bin mir sicher, daß ich auch noch in ferner Zukunft das Grundgerüst dieser Mannschaft herunterrasseln kann. Ein Gänsehautmoment, wie man so sagt. Und wenn im nächsten Jahr wieder auf dem Marienplatz gejubelt werden sollte, dann interessiert mich daß einen Scheiß. Denn die Erinnerung an die Saison 2010/11 kann mir (und vielen anderen) niemand mehr nehmen.

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