Flügge werden: Sahin und Neuer

Es kommt nicht oft vor, daß zwei hochgeschätzte Eigengewächse fast zur gleichen Zeit erklären ihren Heimatverein verlassen zu wollen. Und doch ist es interessant, welcher Lärmpegel die beiden Transfers begleitet hat. Nuri Sahin und Manuel Neuer sind seit frühester Jugend bei ihren Clubs und haben fast alle Jugendabteilungen durchlaufen, sind Stützen der Bundesligateams und hochangesehene Führungsfiguren auf und neben dem Platz. Und dennoch wird der Wechsel Neuers mit weitaus mehr Geräuschen begleitet als der Abschied Sahins nach Spanien.

Auffällig, daß beide bei ihren Pressekonferenzen Tränen vergossen zu haben scheinen (habe die Sahin-PK noch nicht gesehen). Die Liebe zu ihrer Heimat nehme ich beiden durchaus ab. Aber da hören die Gemeinsamkeiten dann auch schon auf. Sahin verabschiedet sich auf dem höchsten Niveau, daß er mit Dortmund wahrscheinlich erreichen konnte. Neuer verlässt einen gebeutelten Club, der eine katastrophale Saison mit wenigen Lichtblicken gespielt hat. Sahin wechselt zu einem ausländischen Weltverein, Neuer höchstwahrscheinlich zu einem Ligakonkurrenten. Sahin hat schon Auslandserfahrung, Neuer hat immer betont, daß er am liebsten in der Bundesliga bleiben möchte.

Ich kann nachvollziehen, daß für die Anhänger von Schalke ein Wechsel nach Bayern Hochverrat bedeutet, trotzdem sollte man Neuers Entscheidung entsprechend respektieren, vor allem vor dem Hintergrund, daß den Verein immer noch hohe Schulden drücken und sie in Gelsenkirchen jeden Euro trotz der Champions League Millionen sehr gut gebrauchen können. Von daher macht der Verkauf von Sahin für den BVB auch Sinn, denn ein paar Kilometer weiter östlich im Ruhrgebiet sind auch noch nicht alle Verbindlichkeiten abbezahlt. Außerdem hat Dortmund vor kurzem die Verpflichtung eines Nachfolgers bekanntgegeben, so daß der Abschiedsschmerz sich ein wenig in Grenzen halten kann.

Die erdrückende Zuneigung zu Spielern, die aus der eigenen Jugend kommen und als Identifikationsfigur par excellence herangezogen werden, ist sicher verantwortlich für die teilweise Abneigung, die nun Manuel Neuer entgegenschlägt. Sicher hat er durch seine Art ein wenig Anteil dran, wenn er seine Ultra-Vergangenheit als Monstranz über die letzten Jahre vor sich hergetragen hat. Vielleicht kann man in Dortmund deswegen lockerer mit dem Abschied des Mittelfeldregisseurs umgehen, weil er eben nicht zu dem verhassten direkten Konkurrenten geht.

Rational betrachtet macht Neuers Wechsel durchaus Sinn. Er verläßt einen in starken Wellenbewegungen befindlichen Club und wechselt zu einem Verein, der im die Möglichkeit bietet regelmäßig auf höchstem europäischem Niveau zu spielen. Das Gleiche, was Sahin in Madrid vorfinden wird. Beide habe sich für ihre berufliche Zukunft und nicht gegen ihren Verein entschieden und ich denke, daß kann man durchaus respektieren.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s