Emotionen (Bundesliga 33. Spieltag)

Eigentlich ist ja fast alles durch und die Saison kann entspannt zu Ende gehen. Jedenfalls für mich. Die Meisterschaft ist entschieden, daß ist alles, was mich dieses Jahr interessiert hat. Aber die Bundesliga wäre nicht die Bundesliga, wenn sie in dieser chaotischen Saison nicht noch ein paar neue Fässer aufmachen würde.

Da wäre sicher das Gesprächsthema schlechthin, die Ausschreitungen in Frankfurt. Seien wir ehrlich, würde die Mannschaft, der die eigenen Sympathien gehören, so einen Mist abliefern, würde sich auch unser Aggressionspotential um ein Vielfaches steigern. Das entschuldigt natürlich in keinster Weise, was da im Waldstadion abgegangen ist. Aberwitzig war dabei die Aufregung von Steffen Simon in der Sportschau über eine zu Bruch gegangene Kamera („…kostet 600.000 €!!“, „…Einzelstück!!“, „…von Chaoten zerstört!!“), wobei man meinen könnte, die sei wichtiger gewesen, als die Sicherheit der Spieler und aller anderen unbeteiligten Personen im Innenraum des Stadions.

Die Frankfurter Ereignisse reihen sich ein in mehr oder weniger ausfallende Missfallenskundgebungen in München („Koan Neuer“), Schalke („1000 Freunde im Stich gelassen für emotionslose Titel und oberflächliche Lackaffen?“) oder Köln („Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!“). Wobei man am Beispiel St. Pauli z.B. auch sehen kann, wie man mit Anstand mit einer schwierigen Situation umgehen kann, aber das nur am Rande. Die DFL und die ihr ergebenen Medien spielen seit mehreren Jahren die völlig überhöhte Emotionskarte und wundern sich nun, daß einige Leute überdrehen. Natürlich ist es nicht vertretbar, daß ein paar Spinner meinen alles kurz und klein schlagen zu müssen. Aber die „tollen“ Choreographien und die Gesänge gibt es eben nicht ohne das entsprechende Gewaltpotential. Das mag fatalistisch klingen, ist leider nun mal so. Die unglaubliche Überhöhung eines Sportereignisses löst anscheinend bei einigen fehlgeleiteten Existenzen einen Hebel im Hirn. Wie man das zurückdrehen kann? Keine Ahnung. Vielleicht indem man ähnlich strikt vorgeht wie bspw. in England? Das würde dann allerdings auf Kosten der Stehplätze gehen. Jedenfalls muß sich die Bundesliga und mit ihr die DFL wohl langsam aber sicher wieder von der Idee verabschieden, daß Fußball eine ungefährliche Familienveranstaltung ist. Was schade ist.

Am anderen Ende erfreut sich die Münchener Baggage über einen Kantersieg gegen einen Absteiger und wird vermutlich diese Leistung wieder als Weltklasse einstufen. Das sie tatsächlich noch Chancen auf eine direkte Champions League-Qualifikation haben kann man eigentlich nur damit erklären, daß die Mannschaft auf Leverkusen keine Lust mehr auf ihren Spitznamen hat, der nur für Zweitplazierte gilt.

Unten, um da nochmal hinzuspringen, ist mit Wolfsburg, Gladbach und Frankfurt eigentlich alles angerichtet für eine ähnlich spannende Schlußkonferenz wie 1999 („Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund…“). Da freu ich mich schon sehr drauf. Schade, daß von den drei Protagonisten nur noch Dirk Schmidt am Mikro ist.

Abschließend noch schöne Szenen einer Stadtrundfahrt mit Neven Subotic, der einfach mal spontan mit den Fans des BVB feiern wollte. Und zwar so spontan, daß er anscheinend vergaß ein T-Shirt einzupacken. Da hängt noch ein ganzer Rattenschwanz an Videos dran, einfach mal durchklicken.

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