Goodbye Event. Hallo Turnier!!! (Frauenweltmeisterschaft: Deutschland – Japan 0:1 n.V.)

Wow. Also, da kann einem schonmal die Spucke wegbleiben. Waren die Vorrundenspiele größtenteils noch von abwartendem Spiel und Taktiktafelgekicke geprägt, so zeigten die Viertelfinalpartieen fast durchgehend begeisternden Fußball. und während schon in der Gruppenphase die Kantersiege endgültig in die Mottenkiste verbannt schienen, so zeigte die erste K.O.-Runde sehr deutlich, daß die Weltspitze im Frauenfußball noch enger zusammengerückt ist.

Ich will nicht drum rum reden, noch nie hhat mich die Niederlage einer deutschen Nationalmannschaft so sehr gefreut wie letzten Samstag. Japan war schon vor Turnierbeginn mein Favorit und ich hätte mir das Wolfsburger Spiel gerne als Finale gewünscht. Man kann aber nun nicht alles haben, und, seien wir ehrlich, es war ja auch so schon packend genug. Sicher nicht der absolute leckerbissen für Feinschmecker, aber spannend allemal.

Ich hatte mir von der deutschen Mannschaft wesentlich mehr Druck und vor allem ein viel körperlicheres Spiel erwartet. Stattdessen ließ man die Japanerinnen gewähren und ihr traumwandlerisches Kurzpaßspiel aufziehen. Und auch wenn die klareren Torchancen bei Deutschland lagen, Japan hatte für meine Begriffe über weite Strecken die Partie im Griff. Spätestens während der Verlängerung hätte der germanische belagerungszustand rund um das japanische Tor einen Treffer verdient gehabt. Aber, wie das nunmal so ist, eine geniale Situation reicht aus. Sawa auf Maruyama und – zack – ist die Pille drin. Das letzte Mal, daß ein Stadion so den Saft abgedreht bekommen hat, dürfte beim entscheidenden Verbandsligaspiel zwischen Fortuna und dem VfL Leverkusen gewesen sein, als die Heimmannschaft den Ausgleich erzielte.


Das Tor einmal auf japanisch…


…und einmal auf deutsch.

Ich will mich auch gar nicht länger mit der Beschreibung des Gewesenen aufhalten und vielmehr zum Fallout übergehen. Denn was nach dem Spiel auf die deutschen Damen einprasselte war nicht wirklich gerechtfertigt. Bzw packen wir es anders rum an: aufgrund des unbeschreiblichen Hypes im Vorfeld des Turniers und jedes einzelnen deutschen Spiels, wurde beim Publikum eine Erwartungshaltung geweckt, die von keiner Mannschaft zu erfüllen gewesen wäre. Sprüche wie „3. Platz ist was für Männer“ und speichelleckerische Berichterstattung von solchen Schmalspurjournalisten wie KMH, die sich mehr für das Gefühlsleben ihrer Interviewpartner interessiert als für sportliche Belange, helfen niemandem weiter. Und wahrscheinlich war die zu lange Vorvbereitung auch nicht wirklich hilfreich. Ich meine auch bemerkt zu haben, daß diverse Spielerinnen nicht in der Lage waren, den Druck zu 100% auszublenden. Zu gehemmt, zu blockiert wirkten einige. Das fing bei den Ballannahmen an und zog sich durch bis zum Abschluß vor dem gegnerischen Tor. Und das selbst eine Nadine Angerer keine unüberwindliche Mauer ist, wurde spätestens mit dem Gegentreffer in Wolfsburg klar, den sie, so denke ich, auf ihre Kappe nehmen muß.

Man sollte den Ball allerdings flach halten, wenn man jetzt nach dem Kopf von Silvia Neid schreit. Also bitte, 2007 Weltmeisterin, 2008 Olympiadritte, 2009 Europameisterin. Da haben die Herren ein gutes Stück nachzuholen, wenn sie so weit kommen wollen.herrjeh, nehmt es doch einfach mal hin, daß eine Mannschaft besser gewesen ist. Da hätte Frau Neid einwechseln können, wen sie wollte. Natürlich, irgendwie hätte ein Ball auf den kopf einer deutschen Spielerin fallen können, dann wäre das Ding anders gelaufen. Aber so ist nunmal Fußball. Ob Birgit Prinz wirklich die Lösung gewesen wäre. Oder eine frühere Einwechslung von Alexandra Popp. Das sind Scheingefechte a la „wenn Frings gegen die Italiener gespielt hätte, wär’n wa heute Weltmeister“.

Nein, da haben einige nicht die Leistung abgerufen, zu der sie eigentlich fähig sind. Das ging im Aufbauspiel los, daß eigentlich nur nach dem Motto „hoch und weit“ funktionierte. Das setzte sich im Mittelfeld fort, in dem auch eine Fatmire Bajramaj nicht viel mehr hätte reißen können (im Gegenteil, ich glaube, die wäre mit der japanischen verteidigung völlig überfordert gewesen). Und das endete im Sturm, der ob des fehlenden Mittelfelds völlig in der Luft hing. Die einzige Spielerin, die im gesamten Turnier ein gute Leistung gezeigt hatte, war Simone Laudehr, und das ist dann doch ei9n bißchen wenig. Auch der frühe Ausfall von Kim Kulig darf nicht als Entschuldigung herhalten, die war im Turnierverlauf nämlich auch extrem unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Es ist schade für die „Alten“, die so abtreten müssen. Aber wenn man sich mal ansieht, wer da alles nachkommt, dann muß einem für 2015 nicht bange sein.

Um auf die anderen Spiele zu kommen, etwas überraschaft haben mich die Französinnen. Deren Spiel gegen England war eine Augenweide. Verdient weitergekommen. Schweden sehr souverän. Das dürfte für Japan ein schwererer Brocken werden als Deutschland. Tja, und die ewigen Verlierer aus Brasilien standen sich auch in diesem Turnier wieder selbst im Weg. Hatte man während des Spiels noch den Eindruck, daß die FIFA unbedingt ein Weiterkommen der Südamerikanerinnen haben wollte, so kämpfte sich eine leidenschaftliche US-Mannschaft ins Spiel zurück und zeigte, daß es im Fußball doch noch gerechtigkeit geben kann. Jedenfalls manchmal und auch mit freundlicher Unterstützung einer ziemlich wackeligen Schiedsrichterin. Wobei die Schiedsrichterleistungen in den Viertelfinals bis auf BrasilienUSA wirklich sehr zu loben sind. Allen voran Jenny Palmqvist. Sehr umsichtig und unauffällig.

Das Event ist vorbei. Das Turnier geht jetzt erst richtig los. Und ich freu mich drauf.

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