Klein, aber oho? (Frauenweltmeisterschaft: Halbfinale)

Halbfinale. Vorschlußrunde. Und die Angst geht um, daß es vorbei ist mit aller Herrlichkeit. Das niemand mehr hinschaut. Das es keinen mehr interessiert. Und unter dieser Wolke von Pessimismus enfaltet sich ein wundervolles Spiel, wie gemalt. Die, die es nicht mehr interessiert hat, die werden wahrscheinlich auch vorher kein Interesse gehabt haben. Die, die nicht loslassen konnten, werden in ferner Zukunft wahrscheinlich noch von diesem Abend im Juli schwärmen.

Ich gebe zu, Großes hatte ich eigentlich nicht erwartet von den Halbfinalspielen der Frauenweltmeisterschaft. Großes im Sinne von einer Wiederholung des unglaublichen Spiels zwischen Brasilien und den USA oder von der Intensität und Spannung der begegnung DeutschlandJapan. Aber es war trotzdem extrem unterhaltsam, was einem da geboten wurde. Frankreich überraschte wieder einmal und schaltete für mein Empfinden im Vergleich zum Viertelfinale gegen England nochmal einen Gang hoch. Das Problem am Mittwoch war, daß sie auf die fußballspielende Urgewalt einer Abby Wambach trafen, die mitten in die französische Drangphase den erneuten Führungstreffer für die Amerikanerinnen erzielte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Les Bleues das Spiel im Griff und es sah alles so aus, als ob es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis die Pässe von Louisa Necib endlich eine Abnehmerin finden würden. Doch dann kam der Lastwagen, wie Frau Wambach auf Eurosport so gerne genannt wird. Und dann war es vorbei mit aller Herrlichkeit. Zugegeben, eine etwas fangsicherere Torhüterin hätte wahrscheinlich auch geholfen. Ich hab sicher keine Ahnung, aber ich würde allerdings Pia Sundhage empfehlen im Finale Megan Rapinoe in die Startelf zu stecken und sie nicht als Super-Sub zu verschwenden. Das amerikanische Spiel gewinnt unglaublich durch ihre Dynamik und ihr Spielverständnis.

Dann kam der Abend und er sollte gut werden. Auch wenn der Geräuschpegel in Frankfurt sicher einem Museum besser zu Gesicht gestanden hätte.Die Passmaschine Nadeshiko Japan hätte mehr Begeisterung verdient.

Staunend hatte ich die Aufstellung vernommen und mich gefragt, warum denn nun Nahomi Kawasumi im Sturm spielt. Aber der japanische Trainer Sasaki empfiehlt sich immer mehr für die Auszeichnung „Coach des Turniers“ und wird seine Gründe gehabt haben. Den Start ins Spiel verpennte sie allerdings ebenso wie Kapitänin Homare Sawa, die Schweden die Führung auf dem oft zitierten Silbertablett kredenzte. Es war in der Folge ein wenig nervtötend, daß der Eurosportkommentator anscheinend alle Asiaten für gleich hält und ständig Namen durch die Gegend warf, die auf der völlig anderen Seite des Platzes standen, aber der japanische Ausgleich entschädigte dann für die Qualen. Ein hervorragend vorgetragender Angriff mit, zugegeben, glücklichem Abschluß. Damit war der Ballast dann allerdings genommen und Nadeshiko Japan konnte befreit aufspielen. Und wie.

Ich frage mich zwar, ob sie das gegen die USA im Finale auch so aufziehen können, aber die gleiche Frage habe ich mir vor dem Halbfinale auch gestellt. Anscheinend finden sie immer eine Lösung.

Japan wäre der verdiente Sieger, wenn Technik und Eleganz zum Erfolg führen sollten. Die USA hätten den Titel aufgrund ihrer Hartnäckigkeit, ihrer „persevearance“, verdient. Wie immer es auch ausgehen sollte, einen gerechtfertigten und verdienten Sieger findet dieses Turnier allemal. Und während sich einige schon um Kopf und Kragen reden (Bei den Männern würden Köpfe rollen – Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, zur Krise des deutschen Frauenfußballs, taz. Also bitte, Krise? Nach EINER – okay, wichtigen – Niederlage?) scheint die hiesige Presse immer noch erstaunt vom Auftritt der japanischen Mannschaft. Wenn man sich die Kommentare und Spielberichte so durchliest, zerbricht für einige Journalisten momentan ein Weltbild, in dem kleingewachsene Mannschaften im Idealfall eigentlich immer als Verlierer vom Platz gehen. Da fragt man sich, ob diese Schreiber eigentlich das letzte Champions League Finale der Männer gesehen haben. Nicht, daß man Japan mit Barcelona vergleichen könnte, aber bei beiden wird feine Ballbehandlung großgeschrieben, um sich den Gegner in mundgerechte Happen zu zerlegen.

Ein Finale gegen Frankreich würde vielleicht ob der ähnlichen Spielanlage eine größere Herausforderung bedeutet haben, aber, ich denke (und hoffe), der Höhepunkt der WM steht uns am Sonntag noch ins Haus. Ich freu mich drauf.

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