Auftakt nach Wunsch (Fortuna Köln – Wuppertaler SV 3:0)

Fußball ist kein Wunschkonzert. Ist so. Bringt nix, sich vorher alles schön auszumalen. Kommt eh immer alles anders. Meistens schlimmer, als man es je erwartet hätte. Aber manchmal erwartet man nicht viel und wird positiv überrascht. Und dann ist die Freude über das Gesehene und auf dem Rasen Dargebotene umso größer. Ist selten, soll aber durchaus schon mal vorgekommen sein. Der Heimauftakt von Fortuna Köln in die neue Regionalligasaison war so ein seltenes Ereignis.

Ich muß wirklich zugeben, daß ich nach dem ersten Spieltag schon ein wenig mulmig dem Auftritt gegen den Wuppertaler SV entgegen sah. Zu wackelig war das Spiel gegen die Zweite vom VfL Bochum gewesen, zu viele Defizite hatten sich aufgetan. Und das einzig Positive war, daß das Spiel nicht verloren gegangen war. Aber sonst? Fehlanzeige. Halt „die gleiche Scheiße wie in der letzten Saison“. Wie sollte das denn erst gegen einen selbnsternannten Aufstiegskandidaten von der Wupper werden. Gut, der hatte sich bei seinem Autakt gegen die Zwote aus Düsseldorf nun auch nicht mit Ruhm bekleckert (0:0), wurde aber überall als einer der dicksten Brocken eingeschätzt. Den räumt man nicht so einfach aus dem Weg. Schon gar nicht, wenn man am Wochenende zuvor die Dosis Selbstvertrauen vergessen hat.

Viel geändert hatte Trainer Uwe Koschinat nicht, Steffen Moritz rückte für Maurice Kessel in die Startelf, so weit ich das überblicken kann. neue Impulse brachte dieser Wechsel zunächst keine, die Partie kam nur langsam in die Gänge, auch wenn man sich von Seiten der Fortuna jede Mühe gab, dem ganzen einen würdigen Rahmen zu verpassen. So wurden die Zuschauer auf der Tribüne mit roten Blättern und Pilskronen begrüßt, um Stimmung zu machen. So ’ne Choreographie ist ja was feines, die hat nur leider niemand wirklich wahrnehmen können. Das ist eben alles schön und gut, tröstet aber nicht darüber hinweg, daß man die Kurven bzw Stehplätze geschlossen hält, von wo aus man so eine Choreo dann hätte sehen können. Natürlich gibt die Stadt Köln hier den Takt vor und sicher bin ich dankbar, daß die Tribünenkarte immer noch € 10,- kostet. Aber so ein halbes Stadion fühlt sich einfach nicht richtig ab. Die Gästekurve war ja auch auf, das allerdings, so meine Vermutung, mit Sondergenehmigung. Unschön, unschön.

Nun gut, wie gesagt, daß Spiel kam langsam in die Gänge, keine der beiden Mannschaften wollte ins offene Messer laufen. Verständlich, man steht ja noch am Anfang einer langen Saison. Aber gerade Fortuna agierte mir als Hausherr doch ein wenig zu passiv. Die Wuppertaler kamen immer wieder über die Flügel und zogen ein paar gefährliche Flanken vor den Kasten von Dieter Paucken. In diese relative, optische Überlegenheit, die durch ein paar zarte Angriffsversuche von Kölner Seite unterbrochen wurde, fiel der Führungstreffer für den Gastgeber durch Olaf Laux, begünstigt durch einen groben Abwehrfehler bei einem Rückpass auf den WSV-Torhüter. Und ab da, so schien es, waren die Anwesenden wachgeküsst. Laut Stadionsprecher hatten 2.130 Zuschauer den Weg ins Südstadion gefunden und die machten nun jede Menge Lärm.

Leider schien das die Mannschaft eher zu lähmen als zu befreien, denn sie ließ sich unverständlicherweise in die eigene Hälfte einschnüren und eröffnete dem WSV nun jede Menge Chancen. Man konnte von Glück sagen, sich mit einer Pausenführung in die Kabinen gerettet zu haben.

Nach dem Wechsel bot sich zunächst ein unverändertes Bild, aber die Konter, die die Fortuna fuhr, waren wesentlich gefährlicher. Und hatten vor allen Dingen schnell Erfolg. Erst netzte Fabian Montabell in der 47. Minute nach schöner Vorarbeit von links außen von Steffen Moritz ein, dann erhöhte Silvio Pagano nach einem langen Jacek Jarecki-Gedächtnis-Abschlag von Dieter Pauken, mit denen die Gäste übrigens überhaupt nicht zurande kamen, auf 3:0. Damit schien der Stöpsel bei Wuppertal gezogen, die in der Folgezeit nichts Ordentliches mehr nach vorne zustande brachten.

Es wurde ein am Ende ungefährdeter 3:0 Heimsieg für die Fortuna und wenn man unbedingt Haare in der Suppe suchen wollte, dann ist sicherlich die immer noch ein wenig wackelige Abwehr und das teilweise inkosequente Nachsetzen bei eigener Führung zu bemängeln. Ich hatte teilweise den Eindruck, als ob das Mittelfeld ziemlich schnell preigegeben wurde, nur um den Riegel vor dem eigenen Strafraum zu verstärken. So wurde von hinten heraus fast nur mit langen Bällen operiert, während Wuppertal wesentlich gefälliger nach vorne kombinierte. Okay, bei denen sprang dann allerdings auch nichts heraus. Aber da gibt es eben noch Verbesserungsbedarf. Ansonsten war das schon recht ordentlich und läßt auf mehr hoffen. Mit zunehmender Eingespieltheit sieht das sicher alles noch schöner aus.

So ist das vielleicht kein Wunschkonzert geworden, aber der erhoffte Heimsieg ist geschafft. Mal sehen, wie sich das ins nächste Spiel transportieren lässt.

Mannschaftsaufstellung:
Paucken – Caspers, Haben, Schäfer, Bartsch – Kühn, Pagano, Laux (ab 75. Minute Yilmaz), Nottbeck (ab 79. Minute Dahmani) – Moritz (ab 59. Minute Kessel), Montabell

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