Das Buch Philipp (Bundesliga, 4. Spieltag)

Ein Buch also. So richtig mit Buchstaben und Seiten, Einband. Allem, was eben so dazugehört. Genau das, was man früher von einem Profifußballer eigentlich nicht erwartet hätte. Schon gar nicht als Autobiographie. Vielleicht eher als Tagebuch. Und erst recht nicht, während der Spieler noch aktiv ist. Wo kommen wir denn da hin? So ein Scheißdreck, so ein Käse, ich kann es nicht mehr hören …. äh, ja, okay, falscher Text.

Philipp Lahm, seines Zeichens Kapitän der Münchener Bayern und der Nationalmannschaft und laut einiger Medien „Deutschlands mächtigster Fußballer“, hat es geschafft mit gezielten Vorabdrucken in einem von allen Fußballfans hochgeschätzten Boulevardblatt den letzten Spieltag fast vollständig in den Hintergrund zu drängen. Auf den Inhalt (der Vorabdrucke) muß man sicher nicht mehr eingehen, der dürfte hinlänglich bekannt sein. Die Frage ist, was (hängen) bleibt.

Die Aufregung der Angesprochenen ist verständlich, schließlich lässt sich niemand gerne ans Bein pinkeln. Es ist auch verständlich, daß sich sein Verein vor ihn stellt, schließlich hat er, im Gegensatz zu seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2009, den ja auch nicht wieder bloßgestellt. Im Gegenteil, es bekommen ja genau die Leute ihr fett weg, mit denen die Bayern nicht (mehr) können. Und natürlich ist es verständlich, daß das schon angesprochene Revolverblatt das alles groß und breit auswalzt. Nur, wie schon vorhin gefragt: Qui bono?

Es fällt auf, daß Lahms Werk mitten in die von Oliver Kahn angezettelte Führungsspieler-Debatte hineinplatzt und man kommt nicht umhin zu denken, daß sich da jemand aber mal sehr energisch als eben solcher Leitwolf in den Vordergrund drängen wollte. Es paßt allerdings auch alles irgendwie zu schön zusammen. Wenn er sich tatsächlich so positionieren wollte, hat er sich sicher bei diversen Mannschaftskollegen und vielleicht auch bei Trainern, mit denen er eventuell noch im Laufe seiner Karriere zusammenarbeiten wird, keinen Gefallen getan. Fredi Bobic hat, obwohl er in dem Vorabdrucken gar nicht vorkam, einen schöne Zusammenfassung gegeben. Vielleicht wird Lahm jetzt nicht mehr so viel erzählt bekommen, weil man befürchten muß, daß es am nächsten Tag irgendwo in die Öffentlichkeit hinausposaunt wird. Der Springerpresse hingegen kann man nur gratulieren, sie hat endlich den legitimen Nachfolger von Lothar Matthäus gefunden (Kommentar von Philipp Köster bei 11freunde.de).

Dabei hätte der Spieltag durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Wann sieht man den FC aus Köln schon mal gewinnen, noch dazu, in dem er zweimal einen Rückstand dreht. Passiert ja auch nicht alle Tage. Gut, der Gegner hieß nur HSV, aber den Geißböcken ist ja so gut wie alles zuzutrauen. Als wenn das nicht schon genug Aufregung gewesen wäre, so setzten Leverkusen und Dortmund am Abend noch einen drauf. Ein 0:0 Unentschieden liest sich erstmal langweilig, aber gerade die zweite Halbzeit hatte ja so einiges zu bieten. Und eigentlich ist ja alles gesagt. Natürlich muß Hummels nach dem Pfiff vom Platz, natürlich hätte man aber auch Renato Augusto eine gelbe Karte für eine Schwalbe geben können (dann wäre der vom Platz geflogen). Natürlich ist das Foul von Kadlec glatt Rot. Natürlich kann das Tor von Hummels nach Freistoß Gündogan nicht zählen, wenn der Schiedsrichter das Spiel nicht freigegeben hat.

Wo es aber mehrere Meinungen gibt, das ist die rote Karte für Mario Götze. Und da setzen meiner Meinung nach die Diskussionen zu spät an. Denn meiner Meinung nach war schon die gelbe Karte vorher extrem überzogen. Götze rutscht aus und schlittert in Leno. Durch die schwarz-gelbe Brille unterstelle ich da keine Absicht. Das Aneinanderrasseln mit Balitsch passiert in jedem Spiel x-Mal und war mehr als harmlos. Man kann natürlich mit dem Regelwerk wedeln, daß für so etwas einen Platzverweis vorsieht, aber genau in so einem Fall kann ein Schiedsrichter beweisen, daß er das vielzitierte Fingerspitzegefühl hat. Das der Speichfluß des Spielers auch noch zu seinen Ungunsten ausgelegt wird, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Komik, allerdings eher im tragischen Sinne, ist dann allerdings auch das, was sich der BVB nach dem Spielende erlaubt hat. Angefangen von Kehl bis zum verbalen Ausraster von Klopp inklusive einer schwachsinnigen Begründung im Sinne von „der tut nix, der will nur spielen“. So was ist billig und unnötig.

Wenigstens haben jetzt alle Beteiligten Zeit sich wieder ein wenig abbzukühlen. Nur für Felix Magath wird es in den nächsten Tagen und Stunden nochmal stressig. Schließlich schließt ja bald das Transferfenster.

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