Bedingt abwehrbereit (Fortuna Köln – Eintracht Trier 1:3)

Wiedergutmachung sieht anders. Echt jetzt. Okay, es gab kein weiteres halbes Dutzend Gegentore. Aber ein wenig schlauer und vor allem professioneller darf man sich ruhig anstellen. So aber taumelt die Fortuna der Bedetungslosigkeit entgegen. Ein Weckruf wäre angebracht. 

Wahrscheinlich hatten die 1650 Zuschauer, die wie ich ins Südstadion gekommen waren, auf irgendeine Art von Reaktion gehofft. Die war ja auch wirklich angebracht nach der Klatsche in Lotte. Wirkliche Fortschritte waren allerdings nicht zu erkennen. Vielleicht liegt das nur an meiner Wahrnehmung, aber ich finde den gesamten Spielaufbau der Fortuna in dieser Saison unglaublich behäbig. Da ist kein Tempo und null Bewegung drin. Der ballführende Spieler ist im grunde genommen die ärmste Sau, weil er als einzige, sichere Option eigentlich nur den Rückpass hat. Nach vorne wird fast ausschließlich mit langen Bällen operiert, die oft genug im Aus landen.

Trotzdem gelang es zunächst mal den Gegner zu neutralisieren und ihm nur ein paar harmlose Chancen zu lassen. Bis kurz vor der Pause. Da schlief die Abwehr und leistete sich einen netten Bock, der zur Trierer Führung führte (38.). Vor dem Seitenwechsel kommt so was natürlich extrem gut. Eine Reaktion kam erstmal nicht.

Dafür aber nach der Pause. Das sah dann wesentlich zielgerichteter und direkter aus und führte zwangsläufig zum Ausgleich durch Steffen Moritz, der eine scharfe Hereingabe von, ich glaube, rechts per Kopf verwerten konnte (58.). Das schien neue Kräfte freizusetzen und die Fortuna rannte nun stürmich, wenn auch manchmal ein wenig unorganisiert und chaotisch auf das Tor der Gäste an. Viel hätte zum Ausgleich nicht gefehlt, aber genau, als der Druck zu groß zu werden schien, nahm sich die Eintracht eine Nadel und ließ den Ballon platzen. Ein völlig überflüssiger Ballverlust im Mittelfeld durch Oliver Laux eröffnete den Gästen einen Konter, den sie eiskalt abschlossen (64.).

Danach war das Spiel unverständlichweise durch, obwohl ja noch genug Zeit für eine Aufholjagd gewesen wäre. Aber es kam irgendwie nichts richtiges mehr von den Hausherren. Das wirkte alles kraft- und mut-, aber vor allem kopflos. Man fiel wieder in leicht auszurechnendes Kick-and-Rush zurück, daß die Trierer geschickt verteidigten. Was man der Mannschaft zu Gute halten kann, ist, daß sie es wenigstens „versucht“. Sie läßt nicht völlig den Kopf hängen, sondern zeigt Charakter. Scheitert aber an ihren eigenen limitierten Fähigkeiten. Der dritte Treffer von Trier per Freistoß ist eigentlich nicht mehr der Rede wert (74.).

Damit wir uns nicht falsch verstehen, das Spiel war grundsätzlich und von beiden Seiten eher unterdurchschnittlich. Ein Unentschieden wäre das logische Endergebnis gewesen. Die vielbeschworenen individuellen Fehler haben die Partie letztendlich für Trier und gegen die Fortuna entschieden. Wenn es der Mannschaft gelingt, diese Bolzen abzustellen und ein wenig mehr Ordnung ins Mittelfeld zu bringen, dann gehen solche Spiele nicht verloren. Diese Stellschrauben müßte man erkennen und mal dran drehen.

Gegen Wiederbrück sollte am nächsten Wochenende ein Sieg das Zeil sein. Ansonsten kann man sich auf eine ziemlich langweilige Saison einstellen.

Eine Nebenbemerkung noch: wegen des großen Zuschauerzuspruchs wurde zu Beginn der ersten Hälfte die Südkurve geöffnet, was die Mülltonn‘ geschlossen zum Umzug nutzte. Ein schönes Bild. Bleibt die Frage, warum so was nicht grundsätzlich geht, vor allem, weil zum ersten Spieltag noch mehr Leute da waren und die Kurve nicht auf war.

Mannschaftsaufstellung:
Paucken, Bartsch, Haben (ab 46. Minute Kessel), M. Schäfer, Caspers (ab 46. Minute Canizales) – Nottbeck, Kühn, Laux (ab 70. Minute Ende), Pagano –  Montabell, Moritz

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