Fremdgehen (1.FC Köln – 1899 Hoffenheim 2:0)

Man konnte mich schon immer mit Geschenken locken und als mich Ende letzter Woche ein Freund fragte, ob ich ihn nicht zum Heimspiel des FC gegen Hoffenheim begleiten würde, sagte ich natürlich gerne zu. Die Fortuna hatte ja bereits am Vortag gespielt, das Wetter war gut und überhaupt war ich schon länger nicht mehr bei einem FC-Spiel in der Südkurve. Also eigentlich nichts zu meckern.

Es ist immer wieder faszinierend, wie hoch die Anziehungskraft eines Vereins ist, der seit fast 20 Jahren nichts gerissen hat. Den Massen ist es egal, sie strömen auch so ins Stadion. Das tun sie allerdings höchst diszipliniert und friedlich. Was man bei so einer Menschenmenge ja ruhig auch mal lobend erwähnen kann. Es war jedenfalls ziemlich unkomplziert ins Stadion zu kommen. Mein Kumpel hatte zwei Dauerkarten („Die geb ich nie wieder her. Da kommste ja nie wieder dran.“) und eine davon überließ er heute freundlicherweise mir. Wir holten uns erstmal was zu trinken, nachdem wir diese mittlerweile unvermeidlichen Chipkarten aufgeladen hatten, und gingen dann in Richtung S1. Ich muß sagen, ein ziemlich guter Blick, einzig getrübt von den Stangen der Tornetze, aber was will man denn meckern bei einem Preis von knapp € 8,50.

Das, muß ich sagen, hat mich echt überrascht. € 8,50/Spiel  für eine Stehplatzdauerkarte ist echt ein verlockendes Angebot. Ich bin jetzt zu faul nachzusehen, wie das bei anderen Vereinen gehandhabt wird, aber das find‘ ich schon ziemlich freundlich für den Geldbeutel. Da verzeiht man dann auch ein wenig die horrenden Preise für die Verpflegung (Anm.: ich habe an diesem Tag keinen Cent ausgegeben, weil mein Kumpel meinte, daß er alles bezahlen müsse. Insofern jammere ich gerade auf extrem hohem Niveau).

Nun gut, soviel zum Drumherum, kommen wir zum Spiel. Man kann ja sagen, was man will, aber die Stimmung vor dem Anpfiff gehört sicherlich zum besten, was die Bundesliga zu bieten hat. Ob das jetzt genetisch bedingt am Karnevalseinfluß liegt, daß jeder mitsingt, keine Ahnung. Das dann allerdings bei Anti-Hopp-Sprechchören aus dem Ultrablock des FC von den Sitzplätzen aus Pfiffe zu hören waren, fand ich schon bemerkenswert. Anscheinend hat die Propaganda der Sportmedien und des DFB doch Früchte getragen.

Der FC selbst stand, laut Aussage meines Kumpels, extrem hoch und attackierte die Hoffenheimer sehr früh. Das führte zu mehreren Ballverlusten und eröffnete den Gästen so gut wie keine Möglichkeiten. So fiel zwangsläufig das Führungstor für die Geißböcke nach einer schönen kombination über links, an welcher der Heros des Fanvolkes beteiligt war und sich dementsprechend feiern ließ. Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Pause und für uns zum Getränkestand.

Nach dem Wechsel konnte ich dann wunderbarf beobachten, warum der neue Trainer der FC wahrscheinlich den Fanliebling die Kapitänsbinde entzogen hat. Okay, ich gebe zu, ich habe Podolski noch nie bei einem Spiel gesehen. Jedenfalls noch nie bei einem Pflichspiel. Das einzige Mal, wo ich in live auf dem Platz erleben durfte, war bei einem Benefiz-10:0 gegen die Fortuna im Südstadion und da fiel er eher durch Pöbeleien auf als durch tolles Spiel. Nun, gepöbelt hat er nicht. Aber gelaufen ist er auch nicht. Ich war wirklich ein wenig erschrocken. Der Kerl bewegt sich keinen Millimeter zu viel. In einem laufintesiven System, bei sicher zwei die Abwehrspieler des Gegners attackierende Sturmspieler vorgesehen sind, ist so was natürlich tödlich. Das äußerte sich in der zweiten Halbzeit dann so, daß Podolski steil geschickt wurde, bei Ballverlust einfach stehen blieb und zur Mittellinie zurückschlurfte. In der Zwischenzeit durfte sich die Abwehr des Gegners gemütlich am Spielaufbau beteiligen.

Vielleicht hat er aber auch nur seine Kräfte geschont, denn der Treffer zum 2:0 war dann doch sehr sehenswert. Durchbruch über links, der Prinz steht frei vor Tom Starke, guckt ihn elegant aus und schiebt ins kurze Eck ein. Damit war der Drops gelutscht. Hoffenheim fand nicht mehr ins Spiel und der FC hatte nicht mehr so recht Lust ernsthaft auf ein höheres Ergebnis zu spielen. Was auffällt ist die etwas schiefe Leistungsverteilung. Chihi ist, wenn überhaupt, für die Bundesliga nur ein Ergänzungsspieler. Zu eigensinnig und zu leicht auszurechnen. Die sonstigen Außenspieler verrichteten an diesem Sonntag allerdings sehr solide Arbeit und ließen so gut wie nichts zu. Nach hinten arbeitend sieht das gut aus, nach vorne fehlt die Überraschung und Inspiration. Ausbaufähig, würde man das wohl nennen.

Nach dem Spiel blieb ich noch ein wenig am Stadion um mit ein paar japanischen Gästen zu plaudern, die natürlich gerne ihren Landsmann Makino auf dem Feld gesehen hätten. Leider mußte er auch dieses Mal wieder 90 Minuten zuschauen.

Ein entspannter Nachmittag, in dessen Anschluß ich von meinem Kumpel und einer Freundin meiner Schwester, die wir noch in der Südkurve getroffen hatten, prompt als der neue Glücksbringer tituliert wurde. So nach dem Motto: „Du kommst jetzt öfter, oder? Dann gewinnen die bestimmt immer“. Den Gefallen kann ich den beiden beim besten Willen nicht tun. Auch wenn anscheinend irgendjemand in meinem Haus das nachhelfen wollte, wie man diesem Beweisphoto entnehmen kann. Aber, nee, keine Chance. Ich freu mich lieber auf die Fortuna gegen Dortmund nächstes Wochenende.

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