Auswärtsspiel: FC Tokyo – Tokyo Verdy 1:1 (Ajinomoto Stadium)

Der Fortuna scheint es ja auch ohne meine Anwesenheit gut zu gehen, also konnte ich beruhigt meinen Urlaub genießen und die lokale Fußballkultur mal aus der Nähe betrachten. Ich hatte in Köln ein japanisches Paar kennengelernt, daß zu den Anhängern des FC Tokyo (der ehemalige Verein von Yuuto Nagatomo, jetzt bei Inter Mailand) gehört. Der Verein ist letzte Saison aus der ersten Liga in die sogenannte „J2“ abgestiegen, kämpft zur Zeit aber um den direkten Wiederaufstieg. Wie es der Zufall wollte, war ich pünktlich zum heiß erwarteten Lokalderby gegen den örtlichen Rivalen Tokyo Verdy im Lande, also wurde ich kurzerhand eingeladen, dem Spiel beizuwohnen.

Man mußte sich früh auf den Weg machen (10:00), weil es bei diesem Spiel keine reservierten Plätze gab. Anpfiff war auf 13:00 terminiert. Mit der U-Bahn kommt man recht schnell hinaus nach Chofu in Tokyos Westen, wo sich das Stadion befindet, daß sich beide Mannschaften teilen. Eigentlich ein ziemlich unspektakulärer Betonklotz, der nicht wirklich auf große Stimmung schließen läßt. Die Laufbahn wird während des Spiels mit grünem Teppich abgedeckt, was sicher nett gemeint ist, die Ferne des Spielfelds von den Rängen aber irgendwie nochmal verstärkt.

Als wir das Stadion erreichten, war schon einiges los. Die Besucher strömten durch die Einlaßkontrollen, bei denen lustigerweise die Trinkflaschen auf Deckel kontrolliert werden. Deckel sind verboten. Wenn man sie allerdings in Hosentaschen verstecket, kann man sie problemos reinschmuggeln, da nur in die Taschen und Rucksäcke geschaut wird. Die Platzsuche verlief dann reibungslos und weil noch zwei Stunden bis zum Anpfiff verblieben, reihten wir uns in die Schlange vor der Fressbude mit dem brasilianischen Angebot ein. Das dauerte dann auch gut eine Stunde bis man da dran kam, aber wie das in Japan eben so ist, man erduldet alles mit Fassung und Gleichmut. Während die Wartenden da so standen, flanierte der Präsident des FC Tokyo an den Menschen vorbei und schleuderte jedem ein freundliches „Konnichiwa“ entgegen. Das scheint er übrigens bei jedem Heimspiel zu machen. Ich gebe zu, ich fühlte mich doch ein wenig an die Fortuna und Klaus U. erinnert.

Nachdem wir unser Essen bekommen hatten, ging es zurück in die Kurve zu unseren Plätzen und auch wenn sch die Suche etwas schwierig gestaltete, die dort deponierten Jacken lagen alle noch am Platz. Überhaupt funktionert die Platzreservierung wie am Badestrand. Jacken, Schals oder sonstige Gegenstände werden über die Plätze gelegt und so reserviert. Und daran hält sich dann auch jeder. Die Spieler kamen zum aufwärmen auf den Platz und wurden von den nun dch recht zahlreichen Anhängern lautstark begrüßt. Das funktioniert dann so, daß die Spieler einzeln namentlich aufgerufen werden und als Antwort in die Kurve winken und sich verbeugen. In der Zwischenzeit wurde auch der Gast von Tokyo Verdy begrüßt, nämlich mit einem freundlichen „Kawasaki kaere!“. Das bedeutet soviel wie „Geht wieder zurück nach Kawasaki“, wo das Team nämlich bis vor kurzem noch spielte.

Die Mannschaften verschwanden dann wieder in die Kabinen und die Groundkeper verrichteten noch letzte Arbeiten am Platz. Nach em Anstoß, der in der Kurve recht farbenfroh begleitet wurde, setzte der Support sofort ein und die ersten 15 Minuten gab es immer das gleiche Lied zu hören, was ziemlich beindruckend klang. Das Spiel selber konnte mit den Rahmenbedingungen leider nicht mithalten. Die zweite japanische Liga bewegt sich in etwa auf dem Niveau eines durchschnittlichen Drittligaspiels. Die technischen Fähigkeiten den Spieler sind durchaus zu erkennen, daß taktische Element scheint alerdings noch extrem ausbaufähig. Vor allem die Abwehrleistungen ließen arg zu wünschen übrig, und das obwohl der FC Tokyo mit Yasuyuki Konno sogar einen aktuellen Nationalspieler stellt. Der fiel allerdings auch auf mit seinem recht umsichtigen Stellungsspiel. Das Spiel plätscherte so vor sich hin, bis kurz vor der Pause den Gastgebern die Führung gelang (der Torschütze hörte auf den Namen Lucas).

Gut gelaunt ging es also in die Pause, in der ich es vorzog erstmal zu sitzen, weil mein Rücken so langsam doch streiken wollte. Gestärkt konnte ich mich dann wieder auf die zweite Halbzeit konzentrieren, in der die Gäste kurz nach Wiederanpfiff ausglichen. Das führte zu einem kleinen Dämpfer in unserer Ecke des Stadions, hinderte die Fans aber nicht, sofort wieder den Chor einzusetzen, der die ganze zweite Halbzeit gesungen wurde. Ein extra für das Derby ausgedachter Chant. „Verdy dake ni ha makerarenai, oretachi no chikara misete yarouze“. Was so viel heißt wie „Gegen Verdy verlieren wir nie. Wir werden euch unsere Stärke zeigen“. Das ging wirklich fast 45 Minuten durchgehend so und war ziemlich beeindruckend. Am Ergebnis änderte sich alerdings bis zum Abpfiff trotz einiger guter Chancen nichts mehr. Der Weg zurück zur Bahn glich dann ach eher einem Trauerzug.

Nichtsdestotrotz eine sehr interessante Erfahrung, für de ich mich natürlich bei meinen beiden Gastgebern recht herzlich bedanke.

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