Dreckig (Bundesliga, 13. Spieltag)

Hype. Ein anderes Wort kann man für den Betrieb, der um das sogenannte Spitzenspiel des 13. Spieltags gemacht wurde, nicht nennen. Und wie das mit Hype so ist, werden Erwartungen geweckt, die in den meisten Fällen nicht erfüllt werden können. Bzw sie werden auf eine andere Art und Weise erfüllt, die vom Großteil des sich periphär für Fußball interessierenden Publikums eben nicht als spektakulär erkannt werden. Und aus diesem Blickwinkel war das gestern genau das, was uns die ganzen Tage vorher versprochen wurde: ein Spitzenspiel.

Ich für meinen Teil sehe nämlich unglaublich gerne ein Spiel auf dem siich zwei Mannschaften auf extrem hohem Niveau neutralisieren und die Lücken suchen, aus denen dann die eine Chance entsteht, die ein Spiel entscheiden kann. Gestern gelang das dem BVB wesentlich besser als den Hausherren. Es war nicht der stürmische Hurra-Fußball, mit dem die Dortmunder den Münchener Fußballtempel im Februar gestürmt hatten, sondern eine taktische Mannschaftsleistung, die den Bayern schlicht und ergreifend den Schneid abgekauft und die Defizite, die selbst ein Spitzenteam wie der FCB nicht verbergen kann, offengelegt hat.

Der BVB stand kompakt, daß ist eigentlich alles, was man wissen muß. Kompakt. Nicht mehr, nicht weniger. Und dagegen fiel der angeblich so brillianten Bayern-Offensivabteilung nichts ein außer sich mit Schwalben einen Vorteil zu erschaffen. Freundlicherweise tat ihnen der Unparteiische in den wenigstens Fällen den Gefallen, auf die Schauspielkünste hereinzufallen. Er hätte aber auch gerne Mal eine Karte zücken dürfen. Aus dem kompakten BVB-Kollektiv ragte meiner Meinung nach Sven Bender heraus, der jeden noch so kleinen Raum konsequent zustellte.

Die Gastgeber standen ebenso sicher, wurden von der Dortmunder Offensive aber auch kaum gefordert. Und trotzdem wirkte die Münchener Abwehr ein wenig wackeliger als die der Gäste. Die Flanke von Lewandowski, die Rafinha für seinen (wieder mal) schlechht positionierten Torhüter vor Großkreutz klären mußte, sei dafür als Beleg herangezogen. Die Chance von Ribery entstand weniger durch Abwehrschwächen, als durch hervorragendes Paßspiel der Bayern.

Nach dem Wechsel erhöhten beide teams langsam, aber stetig, die Schlagzahl. Vor allem Dortmund wurde nun zusehends stärker und stellte die Bayern ein ums andere Mal vor Probleme. Die Chance von Kagawa konnte Neuer noch entschärfen, den gespielten Witz von Boateng konnte er nur hilflos beobachten. Das sich der Münchner Anhang in wilden Verschwörungstheorien ergeht („Handspiel!“) zeugt eigentlich nur von verletztem Stolz und deutet an, wie abgehoben man sich mittlerweile vom Rest der Liga glaubte. Überhaupt scheint es, wenn man sich die Kommentarspalten der einschlägigen Onlineportale ansieht, als wenn nicht Dortmund das Spiel gewonnen, sondern Bayern das Spiel quasi weggenommen worden sei. Man echauffiert sich über die angeblich harte Gangart des BVB, sucht nach vermeintlichen Handspielen und kritisiert die Aufstellung. Leute, seht es doch einfach mal ein. Es gab gestern abend ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe, daß durch eine Aktion entschieden wurde. Das ist nichts, wofür man sich schämen muß.

Vielleicht bekommen die Bayern und ihre Anhängerschaft aber auch Muffensausen ob der Masse an Mannschaften, die sich mittlerweile in der Spitzengruppe etablieren. Mit Schalke konnte man rechnen, da verlangt alleine der Kader schon ein Erreichen des internationalen Geschäfts. Das Borussia Mönchengladbach allerdings gegen einen Tabellennachbarn so dermaßen souverän auftrumpfen würde, damit haben sicher die wenigsten gerechnet. Wobei es nicht so ist, daß man bei solchen Leistungen der Fohlen jetzt zusammenzucken würde, man kann ja schon damit rechnen in dieser Saison. Aber gegen Bremen, die sich auch wieder gefangen hatten. Das kam schon überraschend. Ich muß gestehen, ich freue mich schon auf den ersten Spieltag der Rückrunde. Das könnte ein ganz großes Kino werden.

Die Bundesliga holt dieses Jahr wieder alles raus.

Noch ein kurzer Blick ins Unterhaus: was sich in Rostock ereignet hat mag mal wieder das Werk von einzelnen Wirrköpfen gewesen sein, es bestätigt aber leider Gottes mein Vorurteil gegenüber den „Fans“ von Hansa, die ich einfach nur zum Kotzen finde. Eine Feuerwerksrakete in einen gegnerischen Fanblock zu schießen und Verletzte (und vielleicht noch Schlimmeres) billigend in Kauf zu nehmen, ist einfach nur krank. Man sollte sich mal überlegen, ob man solche Spinner nicht einfach mal dadurch bestraft, daß man den Verein gleich ganz auflöst. Und das sage ich nicht, weil die Betroffenen von FC St. Pauli kommen.

Mal abgesehen von dem widerlichen Verhalten des auf der Haupttribüne feiernden Packs schockiert mich auch die Anzahl der Raketen, die da in den Pauli-Block gefeuert wurden. Die Medien, die ich gestern abend betrachtet habe (Sportschau und Sportstudio) zeigten nur die erste Rakete und erweckten so den Anschein, als sei das alles gewesen. (Ans Video kam ich via dem @spielbeobachter und @trainerbaade)

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s