Die vielleicht letzte Dynamitgruppe (EM 2012 – Gruppenauslosung)

Nachdem sich jetzt alles und jeder im Vorfeld zum „unfairen“ Auslosungsverfahren der UEFA geäußert hat, ist es dann am Freitag in Kiew tatsächlich so gekommen, wie es von allen Seiten befürchtet wurde. Hammer,  Tod, datt-Schlimmste-vonne-Welt. Aber was bleibt übrig, wenn sich der Rauch verzogen hat? Letztendlich doch Vorfreude.

Also, die Niederlande, Portugal und Dänemark. Und da sag‘ ich ganz ehrlich: wo liegt das Problem? Seit einer gefühlten Ewigkeit wird sowohl in den Medien, als auch in meinem Freundeskreis ständig von der ü-ber-ra-gen-den Dominanz der deutschen Nationalmannschaft geredet. Und nach dem 3:0 Triumph über den Nachbarn im Nordwesten wurde ja sogar von der besten deutschen Elf geschwafelt. Und dann scheißt sich alles kollektiv in die Hose nach so einer Auslosung? Nicht nachvollziehbar.

Bundestrainer Jogi Löw wirkte jedenfalls wesentlich entspannter als der Kommentator der ARD, Steffen Simon, der so klang, als ob er seine Enttäuschung mit literweise ukrainischem Wodka wegspülen wollte. Demgegenüber sah Bert van Maarwijk wesentlich  enttäuschter aus und der wird wissen, was auf ihn zukommt. Morten Olsen hingegen danke ich für das Zitat der „Dynamitgruppe“, was irgendwie viel besser klingt, als alles mit Hammer und Tod, usw.

Was aber viel zu sehr untergegangen ist, scheint mir die Tatsache zu sein, daß dies die letzte Auslosung war, bei der es sowohl im Vorfeld als auch im Anschluß solche Diskussionen um die Auslosung geben würde. Ab Frankreich 2016 wird die EM auf 24 Teilnehmer erweitert und das interessanteste Kontinentalturnier weiter verwässert. Mal ehrlich, was macht die EM so klasse? Doch die Tatsache, daß die besten Mannschaften Europas gegeneinander antreten. Und eben diese besten Mannschaften sind, abzüglich Brasilien und Argentinien, auch die besten Mannschaften weltweit. Dadurch entsteht, jedenfalls für mich, eine unglaubliche Dynamik, in der es in der Vorrunde im Prinzip jede Mannschaft erwischen kann, aber auch fast jede Mannschaft eine Chance auf den Titel hat. Das wird es, so leid es mir tut, mit 24 teilnehmenden Mannschaften nicht mehr geben. Da werden genug Mitläufer hinzustoßen, um zu garantieren, daß die „großen“ Namen auch ja in die nächste Runde kommen.

Mehr Spiele, mehr Einnahmequellen, daß ist die Rechnung, die dabei immer aufgestellt wird. Das es vielleicht auch mal Sinn machen kann, an einem erfolgreichen Modell festzuhalten, ist wohl nicht vorgesehen. Insofern unterscheidet sich Monsieur Platini nicht wirklich vom FIFA-Sepp.

Das einzige, was bleibt, ist Vorfreude aus 2012.

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