Crisis? What Crisis? Und ein wenig J-League (Bundesliga, 15. Spieltag)

Nachdem sich die Medienmeute über die Woche in der Berichterstattung über Schreckensszenarien aus der Säbener Straße erging, scheint der aktuelle Spieltag die Verhältnisse wieder geradegerückt zu haben. Von zu Tode betrübt in nullkommanix auf himmelhochjauchzend. Manchmal würde man sich wünschen, daß Sportredaktionen unter der Woche Berufsverbot bekommen.

Fassen wir zusammen, Bayern und Werder spielen eine laut Aussage des Radioreporters, unterirdische erste Halbzeit, Bayern kommt dank zwei aus Bremer Dummheit entstandenen Elfmetern zu einem souveränen Erfolg und im Anschluß fragen alle, ob die Krise jetzt vorbei sei. Warum München die Spiele vorher verloren hat, warum sie Samstag gewonnen haben, keine Wort dazu. Nur: „Krise ja. Krise nein. Krise, Krise, Krise“. Daß die Konkurrenten aus Dortmund und Gladbach zeitgleich die wesentlich bessere Unterhaltung boten, ging in dem Medientouwabouhou aus dem Süden der Republik völlig unter.

Im Borussenduell schenkten sich beide Mannschaften nichts und auch wenn sich Mönchengladbach sicher mehr über den Punkt freuen wird als der Meister, so geht die Punkteteilung durchaus in Ordnung. Schwarz-Gelb offenbarte wieder Schwächen im Abschluß, die Fohlen bewiesen einmal mehr, wie abhängig sie von Marco Reus sind, der mit gebrochenem Zeh passen mußte.

Sauer aufgestoßen ist mir einzig die Szene, in der Dante Ilkay Gündogan vor dem eigenen Strafraum mit einer Grätsche abräumte, die eigentlich einem Mordanschlag glich. Das wurde weder in der Sportschau, noch im Doppelpaß entsprechend erwähnt und als „normaler Zweikampf“ abgetan. Mir geht es dabei nicht um die sich daraus eventuell entwickelnde Torchance oder die Rote Karte, die das Foul hätte nach sich ziehen müssen. Mir geht es um ein völlig überzogenes und extrem rücksichtsloses Einsteigen eines Abwehrspielers, der eine schwere Verletzung seines Gegenspielers billigend in Kauf nimmt. Stattdessen ergeht sich die hiesige Sportberichterstattung in der Frage ob jede Situation nun Abseits war oder diese.

Wenn man mal ehrlich ist, der Rest des Spieltags fiel gegenüber den Topspielen 1 gegen 2 und 3 gegen 4 dann doch extrem ab. Kein Wunder, bei einem Heimsieg und fünf Unentschieden am Samstag. Köln gegen Stuttgart versuchte sich ein wenig als Hexenkessel, aber für einen großen Kick waren beide Mannschaften dann doch zu limitiert. In Erinnerung bleiben mir die Bilder zündelnder FC-Anhänger, die natürlich direkt wieder als „Idioten“ tituliert werden (wahrscheinlich genauso wie die Mainzer und Wolfsburg und die Berliner in Kaiserslautern). Das wirkt doch eher wie eine konzertierte Aktion der Ultras als Reaktion auf die Blockadehaltung des DFB.

Da war Newcastle gegen Chelsea am Mittag dann trotz des letztendlich klaren Endergebnisses wesentlich interessanter. Hoch interessant war hingegen der letzte Spieltag der japanischen J-League. Vor diesem Samstag trennten die ersten drei Mannschaften nur zwei Punkte:

  • 1 Kashiwa Reysol 69 Pkt // 62:41 Tore
  • 2 Nagoya Grampus 68 Pkt // 66:36 Tore
  • 3 Ganba Osaka 67 Pkt // 75:50 Tore

Die jeweiligen Szenarien rechnet sich bitte jeder selber aus. Alle drei Teams mußten auswärts antreten, wobei der Tabellenführer aus der Nähe von Tokyo mit den diese Saison enttäuschenden und im Abstiegskampf steckenden Red Diamonds aus Urawa sicher die leichteste Aufgabe hatte. Nagoya mußte gegen Albirex Niigata (gesichertes Mittelfeld) ran, Osaka zu Shimizu S-Pulse, die am besten plaziert waren. Ich habe mir das Spiel von Kashiwa angesehen, die mit einem ziemlich großen Kontingent in Saitama aufgeschlagen waren und hinter dem Tor eine große, gelbe Wand bildeten.

Die erste Halbzeit verlief zunächst, bis auf ein paar Chancen ereignislos, dafür legte Ganba Osaka aber schonmal vor und führte gegen Shimizu. Kashiwa schien das anzustacheln und schoß bis zur Pause eine 0:2-Führung heraus. Nach dem Wechsel schien Urawa etwas motivierter und innerhalb von wenigen Minuten klingelte es auf allen Plätzen. Osaka baute seine Führung aus, Nagoya brach gegen Niigata den Bann und, siehe da, Urawa erzielte den Anschlußtreffer. Das versprach Spannung für die letzten Minuten, in denen Kashiwa allerdings durch den dritten Treffer alles klar machte. Kashiwa ist Aufsteiger und gleich bis zur ersten Meisterschaft des Clubs durchmarschiert. Dazu herzlichen Glückwunsch, oder, wie man auf japanisch sagen würde 優勝おめでとうございます!

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