Viele Wege führen nach Rom oder zum Titel (Bundesliga, 19. Spieltag)

Zunächst führen die Wege aber erstmal an die Tabellenspitze bzw. auf die vorderen Positionen. Man muß den Vereinen eigentlich dankbar sein, daß sich an der Tabellenkonstellation erstmal nichts geändert hat. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sich noch weitere Mannschaften dazugesellen würden. Vielleicht wären es dann nicht mehr die (laut Bezahlfernsehn) „Fantastischen Vier“, sondern die „Fabulösen Fünf“. Oder die „Spektakulären Sechs“. Sorry, dümmere Wortspiele fallen mir gerade nicht mehr ein.

Nun, der Weg zum Ziel ist jedes Mal unterschiedlich und so suchte sich dann ein jeder der vier Topclubs seinen eigenen. Am souveränsten traten wahrscheinlich die beiden Borussias auf, obwohl es auch hier Unterschiede gab. Während Dortmund den Gast aus Hoffenheim förmlich überrollte, sezierte Mönchengladbach in Stuttgart mit extrem feinem Skalpell. Jeder Akupunkteur hätte ob der präzisen Nadelstiche seine Freude gehabt.

Bleiben wir erstmal in Dortmund. Man ist vom BVB heutzutage ja einiges gewohnt, und trotzdem weiß die Mannschaft immer wieder zu überraschen. Gerade als sich die Konkurrenz ob des Ausfalls von Mario Götze wahrscheinlich die Hände rieb, spielt der verbliebene Rest einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. hervorzuheben ist dabei sicher Shinji Kagawa als Ersatz im zentralen Mittelfeld, der in den letzten beiden Spielen ü-ber-ra-gend aufgetreten ist. Seine Klasse zeigt sich dabei weniger in Kabinettstückchen, sondern in Fußballinstinkt. Der Doppelpass mit Kuba vor dem zweiten Treffer durch Großkreutz konnte nur so zum Torerfolg kommen. Der sieht unglaublich simpel aus, aber den mit so einer Selbstverständlichkeit zu spielen, ist etwas besonderes. Da muß natürlich der Gegner mitspielen, andererseits ist sowas nur sehr schwer perfekt zu verteidigen.

Gladbach überzeugt auch, aber auf andere Weise. Nämlich als clever und abgezockt auftretende Auswärtsmannschaft. Man sah, daß Stuttgart sich etwas vorgenommen hatte. Davon hätte sich die selbsternannte Elf vom Niederrhein beeinflussen lassen können. Man hätte stur hinten stehen bleiben können. Hätte man. Statt dessen setzt man dermaßen fiese Konter, die dem Gegner das Genick brechen. Daß die weiteren Treffer so spät fielen liegt einzig am Abschluß der Gladbacher. Stuttgart hätte schon vorher erlegt werden können. Die Lauerstellung, die im Spiel gegen München schon gut zu erkennen war, zeigte sich hier auch wieder sehr gut. Und alle, die gehofft hatten, daß sich die Fohlen aus dem Rennen um die ersten vier Plätze frühzeitig verabschieden, müssen sich ein wenig gedulden.

Wobei von den Top eigentlich Schalke eher den Eindruck machte, daß sie nicht da vorne hingehören. Das Ergebnis täuscht da über einiges hinweg. Köln hätte gerne so gespielt wie Gladbach und da sieht man schon das erste Problem für Gelsenkirchen. Denn wenn sie schon gegen einen eher limitierten Gegner wie den Effzeh so in Schwierigkeiten geraten, dann dürfte es gegen stärkere Teams doch etwas zuviel werden. Okay, es fehlten diverse Stammspieler, daß muß man berücksichtigen. trotzdem wage ich zu behaupten, daß der Gegentreffer durch Podolski auch in Bestbesetzung so fällt und die Offensive mit Raul sich auch schwer getan hätte. Köln fiel mit dem eher aus dem Nichts gekommenen Gegentor zum Ausgleich völlig in sich zusammen, danach hatten die Knappen leichtes Spiel. Aber vorher wirkte das unglauublich anstrengend und bemüht, ja, fast hilflos. Keine Ideen, keine Überraschungen, null Spielwitz. Nein, Schalke wirkt am wenigstens so, als ob sie sich erklären können, warum sie da oben hingehören. Aber vielleicht ist ja genau das ihre Trumpfkarte.

Blieben noch die Bayern, deren Spiel ich nicht gesehen habe, die aber anscheinend wieder typisch bayerisch gespielt haben. Rumgurken, den Gegner mehr oder weniger dominieren, Tore reinwürgen und möglichst wenig glänzen. In der Form dürften sie am unschlagbarsten sein. Größter Spaßpunkt ist sicher die Aussage von Hobbykomiker Jerome Boateng über das Münchner Operettenpublikum:

„Es wäre besser, wenn sie uns in einer schweren Phase anfeuern würden, anstatt zu pfeifen. Aber das ist man in München ja gewohnt.“

Mal ehrlich, ist das neu? Er sagt’s ja selber. Mal schauen, wie das dann beim nächsten Heimspiel aus der Kurve zurückkommt.

Vier Ansätze, alle mit drei Punkten belohnt. Wenn das so weitergeht, wird das noch eine extrem amüsante Saison.

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