Die schönsten Krisen sind die selbstgemachten (Bundesliga, 22. Spieltag)

Man weiß nicht, was sich die Vorstandsetage des Branchenführers aus München bei ihrer Schiedsrichterschelte gedacht haben mag. Vielleicht wollte sie ihre eigene Truppe ein wenig wachrütteln. Vielleicht aber auch von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken. Beides scheint irgendwie mißglückt zu sein.

Seien wir ehrlich, einen dümmeren Kommentar als den, welchen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß in Richtung der Schiedsrichterinnung im deutschen Fußball losgelassen haben, kann man sich kaum erlauben. Es zeugt von einem gehörigen Maß an Verblendung, wenn die erfolgreichste Mannschaft der letzten 30 Jahre sich von den Unparteiischen benachteiligt fühlt. Und die Begründung mit Telefonterror, etc. wirkt vorgeschobener als sonst was. Es hat allerdings wiederum etwas surreales, wenn man das Lamemto aus München in den Kontext des Wettanbieterwerbespots einbaut, in dem Rummenigge, Hoeneß und Hopfner einen auf Mafiapaten machen. Sieht da jemand etwa sein Geld bei den Schiedsrichtern schlecht angelegt?

Was sich allerdings nicht durch irgendwelche Phantomdebatten verschleiern lässt (auch wenn sky es händeringend mit dem „nicht gegebenen Elfmeter“ an Robben versucht hat), ist die Tatsache, daß Bayern momentan nicht den eigenen Ansprüchen genügt. Es mag sein, daß das an dem Ausfall von Schweinsteiger liegt, aber dann müßten auch Dortmund und Mönchengladbach stottern bzw stolpern. Nein, es ist offensichtlich, daß diese Mennschaft bei aller Qualität nicht in der Lage ist zu improvisieren. Sie spielt statisch und wenn man ihr die Optionen auf den Außenbahnen wegnimmt, ist Sand im Getriebe. Nur ein Freigeist wie Thomas Müller reicht anscheinend nicht. Wahrscheinlich merkt Hoeneß gerade, daß der Wohlfühlfaktor unter Heynckes zwar extrem hoch ist, er der Mannschaft aber überhaupt keine Impulse geben kann. Und das scheint ihn dann doch zu wurmen.

Dortmund hingegen gewinnt mittlerweile auch die Graupenspiele. Die Partie gegen Berlin war ein einziges Gewürge und man konnte gut erkennen, an welchen Ecken und Enden Götze und Kagawa fehlen. Das wirkt sich dann natürlich auf das gesamte Spiel aus. Und doch sieht das BVB-Spiel wesentlich engagierter aus als die Darbietung der Bayern gegen Freiburg. Weil man läuft, sich anbietet und Risiken eingeht. Nun ja, und wenn selbst Gladbach während eines Spiels einen Rückschlag verkraften kann (Gute Besserung, Patrick Herrmann), dann kann es für das Münchner Millionenensemble eng werden. Aber gut, man kann bei Frustration ja einfach mal shoppen gehen. Wenn man einen direkten Konkurrenten schwächen kann, entschädigt das sicher für einiges.

Am anderen Ende der Tabelle will man den Abstiegskampf wohl bis zuletzt so spannend wie möglich halten. Und der Karnevalsverein aus der Domstadt tut alles, um auch mitzumischen.

Sonntags machte Schalke dann noch auf sich aufmerksam, wobei die unglaublich schlimmen Darbietungen des Gegners aus Wolfsburg nicht über erhebliche Schwächen im Gelsenkirchener Defensivverbund hinwegtäuschen konnten. In der Form dürften die Knappen kommendes Wochenende der ideale Aufbaugegner für die Bayern sein.

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