Aussuchen und ausgesucht werden

Trainer Baade hat einen hervorragenden Beitrag in seinem Blog über die Leiden des gewöhnlichen Fußballanhängers verfaßt, der mit seinem Verein leidet, lebt, weint, lacht, sich ärgert, sich aufregt, fiebert. Wie gesagt. hervorragend. Bis auf eine eigentlich vernachlässigenswerte Kleinigkeit, zu der ich nicht anders kann als meinen Senf dazuzugeben.

Der Trainer schreibt:

(…) Ein echtes Scheitern existiert für Bayernfans gar nicht.

Diesen Umstand darf man Bayernfans andererseits allerdings nicht vorwerfen, da sie sich ebenso wenig wie alle anderen selbst ausgesucht haben, Bayern-Fan zu sein. „Der Verein wählt Dich“, sagt man so wahr wie inzwischen ausgelutscht, was natürlich nur eine schöne Metapher dafür ist, dass man meistens keinen rationalen Grund dafür angeben kann, warum man mit einem Verein in Liebe gefallen ist (ich weiß, dass das die englische Ausdrucksform ist, bei einem Fußballverein passt es aber so gut).

Da möchte ich einhaken. Sicher, man wirft Bayern-Fans einiges vor, und manches sicher zu Unrecht. Und doch möchte ich die Anhänger der Münchner in zwei Gruppen unterteilen. Zum einen ältere Menschen, die den Aufstieg der Bayern zur nationalen und europäischen Fußballgroßmacht miterlebt haben, vor allem aber schon von Kindesbeinen an ein Interesse für Fußball haben. Die haben sich ihren Verein nicht ausgesucht, Ebensowenig wie Ur-Münchner, die genauso wie Ur-Hamburger, Ur-Kölner oder Ur-Berliner einfach ihren Verein vor der Haustür unterstützen.

Der andere große Teil der Bayern-Fans allerdings hat sich diesen Verein bewußt und vorsätzlich ausgesucht. Das ist der Anteil, der unbedingt auf der Gewinnerseite stehen will. Der nicht verlieren kann. Der sich im Glanz der anderen sonnt. Der Teil, der arrogant auf alles andere herunterblickt mit dem angewiderten Gesichtsausdruck, der einen anschreit: „Eure Armut kotzt mich an“. Diesem Teil gönne ich die Niederlage in Barcelona 1999, die Demütigung durch den BVB im Februar 2011, jede noch so kleine Krise, jede Fehlentscheidung, jede Miederlage.

Das macht mich keinen Deut besser als die Vögel, die ich kritisiere, aber das ist mir wurscht. Es gibt nunmal Dinge, die raus müssen.

Schöner Beitrag zum Thema auch hier (immer wieder gern).

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