Der Höhner der Woche (III) – Thomas Herrmann (Sport1)

Es sollte einem irgendwie zu denken geben, daß sich in nicht gerade langsamer Abfolge immer wieder neue Kandidaten für diese Rubrik bewerben, an deren Namenspatron gar nicht oft genug erinnert werden kann. Dieses Mal ist es Thomas Herrmann, seines Zeichens Chefreporter beim selbsternannten Sportsender Sport1, der während des letzten Doppelpasses einen tiefen Einblick in seine Unkenntniss über den Sport, den er zu kommentieren pflegt, gab.

Die Runde debattierte gerade über die taktische Ausrichtung der Bayern aus München und war sich eigentlich ziemlich einig, daß die Ära Louis van Gaal neben einigen Störgeräuschen neben dem Platz doch wenigstens auf ein taktisches Konzept schließen ließ, als Herrmann vehement dazwischen grätschte. Seit drei Jahren habe Bayern keinen vernünftigen Trainer mehr gehabt, Klinsmann und van Gaal hätten den Verein taktisch zu Grunde gerichtet und Heynckes könne jetzt auch nicht von 0 auf 100 alles umschmeißen. Den Einwurf, daß van Gaal aber nun doch sowohl die Meisterschaft, als auch den Pokal gewonnen und zu dem auch noch das Champions League Finale erreicht habe und demnach nicht alles falsch gemacht haben kann, bügelte Hermann einigermaßen souverän ab. Das, so der große Fußballphilosoph, hätte ausschließlich an der überragenden Form von Arjen Robben in der Saison 09/10 gelegen. Na, herzlichen Glückwunsch.

Mal ehrlich, was sind eigentlich die Anforderungen an jemanden, der in der Glotze für einen Sportsender arbeitet und sich Chefreporter schimpfen darf? Geht der in ein Vorstellungsgespräch und sagt, daß er schonmal ein Spiel live im Stadion gesehen hat? Den in etwa so hoch schätze ich die Qualifikationen von Thomas Herrmann ein. Ich will ihm ja nicht vorwerfen, daß er die Meinung von Uli Hoeneß nachbetet. Vielleicht muß man das ja machen, um überhaupt eine Akkreditierung für Bayernspiele zu bekommen. Aber sich nicht zu entblöden den Erfolg einer Mannschaft an einem einzigen Spieler festmachen zu wollen und vor allem die Leistungen eines, zugegeben nicht immer umgänglichen, Louis van Gaal komplett zu ignorieren, Respekt, darauf muß man erstmal kommen.

Ich bin gewiß kein Bayern-Apologeth, aber 09/10 war Bayern das Maß aller Dinge und daß hing nicht unwesentlich mit van Gaal zusammen. Vorher war Bayern ein Team, daß sich auf individuelle Glanzlichter verließ, unter van Gaal war es eine Mannschaft. Natürlich mit herausragenden Individualisten. Das kann man sicher mal übersehen, aber nicht, wenn man in der Glotze Spiele kommentiert.

Aber gut, was will man auch bei einem Sender wie Sport1 erwarten.

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