Mit Herz (Fortuna Köln – 1.FC Kaiserslautern II 3:4)

Wenn das, was man gestern in Südstadion geboten bekam, in etwa dem entsprochen hat, was Trainer Uwe Koschinat vor der Saison vollmundig als „attraktiven Fußball“ ankündigte, dann kann man eigentlich nur bestätigen, daß er auf dem richtigen Weg ist. Das Ergebnis steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber wild war’s schon. 

Dabei hatte ich mich eigentlich auf einen entspannten Fußballabend unter Flutlicht eingestellt. Das Südstadion war der Uhrzeit und dem Wochentag entsprechend nicht wiklich gut gefüllt, Stimmung war anfangs auch keine und selbst die nicht vorhandene erhielt schnell einen Dämpfer als Lautern gleich mal nach knapp 5 Minuten in Führung ging. Wenn ich das richtig mitbekommen habe wieder ein Abwehrklops Güteklasse Idar-Oberstein. Das war dann auch erstmal Gift für die Fortuna, die überhaupt keinen Griff ans Spiel bekam. Die Außenpositionen waren völlig überfordert, eine Flanke nach der anderen segelte in den Strafraum von Dieter Paucken und nach vorne ging absolut gar nichts.

Komischerweise drehte sich aus dem Nichts das komplette Spiel. Erst netzte Steffen Moritz (31.) ein und keine drei Minuten später stellte Fabian Montabell (34.) das Spiel auf den Kopf. Es war jetzt nicht so als das sich das irgendwie abgezeichnet hatte. Das kam komplett out-of-the-blue. Und plötzlich ergaben sich Chancen für die Fortuna und die Lautern-Bubis (die übrigens mit so netten Äußerungen wie „Marco Kurtz kennt euch nicht“ bedacht wurden) standen nur noch wackelig um den eigenen Sechzehner herum. Vor der Pause hätte man sicher das ein oder andere Tor nachlegen können.

Aber man ist ja mittlerweile mit wenig zufrieden. Nach dem Wechsel wurde es dann allerdings turbulent. Erst glich Kaiserslautern durch einen von meinem Sitzplatz (und der war locker 80 m weit weg) fragwürdig aussehenden Elfmeter aus (52.), nur um wiederum keine fünf Minuten später ein weiteres Tor nachzulegen. Und hier kommt das Versprechen von Koschinat ins Spiel. Ich meine mich zu erinnern, daß er vor der Saison versprochen hatte, daß die Mannschaft nie aufgeben wird. Daß sie immer versuchen wird alles zu geben und sei die lage auch noch so aussichtslos. Gut, so pathetisch hat er das sicher nicht gesagt, aber was nach dem erneuten – und sehenswerten – Ausgleich durch Christian Pospischil (66.) abging habe ich schon seit längerem nicht mehr gesehen. Ein einziger Sturmlauf auf das Pfälzer Tor mit Chancen im Überfluß. Die beste kam sicher für Silvio Pagano, der nach einem eher halbherzig abgewehrten Fernschuß völlig alleine rechts vor dem Tor auftauchte und den Ball über den Kasten in die Wolken drosch. Das ganze ging über 20 Minuten so und Kaiserslautern kam kaum noch zum Luft holen…

…bis, ja bis sie dann doch bei einem Entlastungsangriff vor dem Fortuna-Gehäuse auftauchten, es am linken Strafraumeck zu einem eher zweifelhaften Zweikampf kam (in dessen Folge Ozan Yilmaz verletzt ausgewechselt werden mußte), alles etwas unübersichtlich wurde und der Ball auf einmal im Netz zappelte (87.).

Wer dachte, daß dieser Treffer jetzt den Stöpsel gezogen hätte, sah sich wiederum getäuscht, denn die Fortuna warf nun wiederum alles – leider erfolglos – nach vorne, wenn auch meistens etwas chaotisch. Für den Ausgleich langte es nicht mehr und vielleicht wäre es auch ein wenig unverdient gewesen, wenn die ganzen kleinen Unzulänglichkeiten im Spiel im Nachhinein noch mit einem Punkt belohnt worden wären.

Aber ich weiß die Leidenschaft zu schätzen, mit der die Mannschaft zu Werke ging. Es sind solche Spiele, weswegen ich ins Stadion gehe. So lapidar sich das anhört, aber da ist es mir in der Rückschau mehr oder weniger egal, wie das Spiel ausgegangen ist, wenn ich gesehen habe, daß die Mannschaft will. Und wenn sie diese Einstellung am Samstag gegen die zweite von Schalke auf den Platz bringen, dann ist da sicher einiges drin. Und damit meine ich nicht nur drei Punkte, sondern vielleicht auch wieder so ein Feuerwerk wie gestern.

Mannschaftsaufstellung:
Paucken – Yilmaz (ab 89. Minute Ouedraogo), Laux, Schäfer, Gietzen (ab 78. Minute Kessel), Pospischil, Nottbeck, Pagano, Dahmani (ab 65. Minute Lejan) – Moritz, Montabell

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