Ein Trauerspiel (Relegation, Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC Berlin)

Man scheint nicht mehr auszukommen ohne irgendwelche Zündeleien. Ein trauriger Anblick. Und jetzt werden wieder alle den Finger auf den anderen richten und sich gegenseitig die Schuld zuschieben. Vor den Konsequenzen allerdings graut es mir.

Rekapitulieren lohnt sich nicht. Die Vollidioten in blau-weiß provozieren (wollen provozieren?) nach einem Gegentreffer einen Spielabbruch, die Deppen in rot-weiß antworten mit dem gleichen Mist. So weit, so gut. Es bleiben die ewig gleichen Fragen, wie der Mist überhaupt bis auf die Ränge kommen kann und wer überhaupt auf die Idee kommt, so einen Schwachsinn gut zu finden. Emotionen respektieren? Ich hab‘ schon was dagegen, wenn Pyros durch die Gegend fliegen.

Der Platzsturm allerdings zeugt meiner Meinung nach einmal mehr vom schlechten Einfluß einiger Medien, die für sich in Anspruch nehmen, die richtige Art der Fußballemotionen zu kennen. Wenn beispielsweise Sky nach dem Spiel die auf dem Platz stehenden Fans mit den (sinngemäßen Worten) jetzt ist ja so was in Ordnung, daß Spiel ist ja vorbei“ (Hervorhebung von mir) kommentiert, dann läuft irgendwas schief. Genau erinnern kann ich mich auch nicht mehr, aber ein Sender bewarb seine Fußballsendung, meine ich, mit den Bildern der Lauterer Meisterschaft von 1991 im Müngersdorfer Stadion. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn das nachgemacht wird.

Die Medien sprechen ständig von Emotionen, denken sich griffige Slogans für bestimmte Partien aus, daß man fast an einen Boxkampf damit assoziieren könnte. Da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Gewalt. Vielleicht sollte man sich auf den Fluren diverser Redaktionen hinterfragen, bevor man (in diesem Fall zurecht) auf Fangruppen einknüppelt. Sicher, der Düsseldorfer Anhang stürmt den Platz, aber das waren sicher nicht die Chaoten, die auf den Rängen rumgezündelt haben. Wenn man genau hinsah, tropften die Platzstürmer hauptsächlich aus den Gegengraden.

Was wird? Mir (und nicht nur mir) schwant böses. Die Versitzplatzung der Bundesligastadien hat gestern sicher einige Fürsprecher gewonnen. Das bedeutet steigende Preise, abnehmende bis gar keine Stimmung, eine völlige Umwälzung der Besucher, die ins Stadion gehen. Wer Beispiele brauch, soll nach England schauen.

Nun besuche ich so gut wie nie ein Bundesliga- oder Zweitligaspiel, es könnte mir also egal sein. Aber es kratzt an meinem Verständnis davon, wie dieses Spiel, daß mir so viel Spaß macht, und das drumherum, daß mir auch viel Spaß macht, von einigen Idioten dermaßen zerstört wird. Irrationaler Fanatismus ist mir ein Graus. Insofern war, bei aller Antipathie für Sascha Rösler, es schön zu sehen, wie er die eigenen Anhänger vom Platz scheuchte.

Irgendwie kann man gerade froh sein, daß Fortuna Köln in der Regionalliga spielt.

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