Die völlig subjektive EM-Vorschau

Okay, so langsam kommt man ja nicht mehr um das EM-Getöse drum rum und auch ich muß zugeben, daß das Adrenalin mittlerweile mehr als gehörig pumpt. Wie kann man also einen Feiertag besser nutzen als seine völlig subjektive Vorschau/Prognose/Einschätzung auf das Turnier unter die Leute zu bringen.

Ich gehöre ja zu den Menschen, die vor einem Turnier nicht bis ins kleinste jedes Spiel durchgehen, mögliche Paarungen in der K.O.-Runde inklusive. Ich kann bis heute nicht mal die Teilnehmer jeder Gruppe fehlerfrei aufsagen. Da lasse ich mich lieber überraschen, wenn die ganze Veranstaltung schon läuft. Und trotzdem habe ich irgendwie den Eindruck, daß in diesem Jahr mehr Fallobst am Start ist, als das sonst der Fall war. Ein Grauen mit Blick auf 2016, wenn auf einmal 24 Nationen teilnehmen sollen. Wird schlimm.

Deswegen will ich das Feld auch eher von hinten aufrollen und mit den Streichkandidaten anfangen. Griechenland, Dänemark, Irland und die Ukraine haben für mich nicht das Zeug, um die Vorrunde zu überstehen. Ich habe nur die Dänen und den Gastgeber in Vorbereitungsspielen gesehen, und die waren mehr als schwach. Von allen vier Mannschaften erwarte ich rein gar nicht, außer, daß sie schnell wieder nach Hause fahren.

Wenn man auf die zweiten Vorrundenopfer aus den Gruppen geht, wird es schon schwerer. In Gruppe A würde ich Tschechien streichen. Da fehlt zum einen der Glanz vergangener Jahre und zum anderen schätze ich Polen und Rußland wesentlich stärker ein. Gerade Polen mit der BVB-Achse um Lewandowski, Blaszczykowski (das ist das letzte Mal, daß ich diesen Namen ausschreibe) und Piszczek dürfte, wenn sie denn genauso wie in der Bundesliga funktioniert, für Aufsehen sorgen.

Gruppe B, nun gut, Portugal ist das neue Spanien, sag‘ ich mal. Reisen immer als einer der Favoriten an, müssen aber immer früher oder später die Segel streichen. Auch hier gerade aufgrund der Konkurrenz aus den Niederlanden und aus Deutschland. Sollten diese beiden auch nur annährend an ihre Normalform rankommen, reicht es für die Seleção auch nicht einen Cristiano Ronaldo in Bestform in ihren Reihen zu haben. Vor allem, wenn Pepe sich schon im Auftaktspiel gegen die Adlerelf zum vorzeitigen Duschen verabschieden müßte.

Gruppe C ist da schon schwieriger. Gut, Spanien traue ich trotz den Ausfällen von Villa und Puyol immer noch einiges zu, aber Italien und Kroatien sind Wundertüten. Die Squadra Azzura sah im Test gegen Rußland in der Defensive völlig überfordert aus und ein Mario Balotelli ist immer für irgendeinen Popanz gut. Kroatien kann ich überhaupt nicht einschätzen, da noch nie wirklich spielen gesehen. Die Namen klingen ja erstmal ganz gut. Für die kann man nur hoffen, daß Simunic kein Stammspieler ist.

In Gruppe D würde ich mich dann auf Schweden als zweiten Streichkandidaten festlegen wollen. Da traue ich selbst England eine bessere Leistung zu. England, überhaupt, dürfte das Dark Horse dieses Turniers sein. Bis sie mich dann wahrscheinlich Lügen strafen und in der Vorrunde dreimal untergehen. Wer weiß das schon. Durch das ganze Verletzungspech kann auch so eine Jetzt-erst-recht Mentaliät entstehen, welche die Mannschaft dann etwas länger durch das Turnier tragen könnte. Der Ausfall von Frank Lampard könnte den gleichen Effekt haben wie der von Michael Ballack 2010. Frankreich sehe ich da sicherer durch, die dürfte sich den ersten Platz locker holen.

So, daß bringt uns dann in die Knock Out Phase. Und da ist ja bekanntlich alles möglich. Da will ich dann auch gar nicht groß spekulieren, sondern einfach ein paar Favoritennamen in den Ring schmeißen. Ohne Präferenz oder sonstiges Ranking. Von den Mannschaften, die aus der Gruppenphase weiterkommen sehe ich eigentlich nur drei, die das ganze Turnier gewinnen können und das sind die Niederlande, Spanien und Deutschland. Alle anderen Mannschaften haben entweder zu viele Schwachstellen, sind nicht konsistent genug oder haben mit dem Erreichen des Viertelfinals schon ihre Zenith erreicht. Die drei genannten haben diese Probleme nicht. Von Spanien wissen wir, was sie können und die diesjährige Europa League hat uns mal wieder vor Augen geführt, daß auch die zweite Reihe der Primera Division ziemlich gut ist. Die Niederlande haben sich glücklicherweise von ihrem Brutalo-Fußball à la Deutschland in der Vogts/Ribbeck/Völler Epoche verabschiedet und sich wieder mehr ihrem traditionellen Voetbal totaal zugewandt. Steht ihnen auch wesentlich besser zu Gesicht. Nun ja, und von der deutschen Nationalmannschaft erwartet jeder einzig und allein nur, daß sie den Pott nach Hause bringen. Mit Recht. Denn die Testspiele sind sicher nicht repräsentativ für den Leistungslevel dieser Mannschaft.

Dennoch muß Löw sich fragen lassen, ob es sinnvoll ist solche Sicherheitsrisiken wie Boateng von Anfang an auflaufen zu lassen. Und jetzt komm mir niemand mit Blockbildung, die Bayernabwehr war auch in diesem Jahr trotz täuschender Statistiken nicht überragend. Da kann man das Argument von Löw, daß man ja – mit Verlaub (immerhin) – nicht gegen Hoffenheim spiele, genauso anwenden. Ob Podolski eine Aufstellung wirklich rechtfertigt, wenn mit Schürrle ein mehr als adäquater Ersatz auf der Bank sitz, kann auch hinterfragt werden. Was ich Löw allerdings zutraue, ist der Mut auch während eines Turniers zu reagieren und zur Not komplette Strukturen umzuschmeißen. Wenn ein Teil nicht funktioniert, wird es eben durch ein anderes ersetzt.

So weit mein Ausblick, der wahrscheinlich vom Turnierverlauf komplett auf den Kopf gestellt werden wird und am Ende haben sich die Griechen den Pokal wieder unter den Nagel gerissen. Wir werden sehen. Morgen geht’s los.

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