Oh say can you see… (London 2012, Finale, USA – Japan 2:1)

Man sieht sich immer zweimal im Leben und für die zur Zeit beiden besten Frauennationalmannschaften im Fußball waren Ort und Zeit dieses Mal sehr gut gewählt. Die ganz große Bühne, die nur alle vier Jahre zur Verfügung steht. Meiner Meinung nach haben sie das beste draus gemacht.

Denn wer nach den beiden Halbfinalspielen dachte, daß man da nicht noch einen draufsetzen könnte, der wurde ziemlich schnell eines besseren belehrt. Überhaupt muß ich sagen, daß das olympische Frauenfussballturnier ein ziemlich hohes Niveau hatte. Dazu muß man nicht mal die Taktierereien am letzten Gruppenspieltag rausrechnen, die Spiele, die ich sehen konnte, waren ziemlich gut. Der Auftritt von „Nadeshiko“ gegen Brasilien war eine Meisterleistung – und zeigte mal wieder ziemlich klar, daß die Brasilianerinnen eben doch nur eine Ansammlung von egoistischen Diven sind, die, wenn es denn mal nicht nach ihrem Gusto läuft, schnell die lust verlieren und auf alles treten, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Und Marta mag zwar die bessere Einzelspielerin sein, aber Homare Sawa überstrahlt alle, wenn es um Spielintelligenz geht. Vielleicht ist das ein bißchen wie mit Messi und Ronaldo … aber lassen wir das.

Das Spiel des Turniers war sicherlich das Halbfinale zwischen den USA und Kanada. Ich bin da ehrlich, Kanada hätte ich, auch nach dem etwas enttäuschenden Auftritt bei der WM letztes Jahr, bei weitem nicht so stark eingeschätzt. Aber dieses Spiel, puh. Bitter ist noch untertrieben. Dreimal geführt. Durch schräge Schiedsrichterentscheidung in die Verlängerung gezwungen. Dort in letzter Minute durch ein Tor, daß nicht unbedingt fallen muß bezwungen. Man kann den Damen nur wünschen, daß sie erhobenen Hauptees zurück in die Heimat fahren. Aber dieses Spiel hatte alles, was eine große Fußballschlacht ausmacht. Und dafür nehme ich ein paar technische Unzulänglichkeiten, die von einigen Chauvis so gerne bemängelt werden, gerne in Kauf.

Das Finale hielt, wie gesagt, alle Versprechungen. Die USA gehen früh in Führung, Japan läßt sich nicht beeindrucken und spielt munter nach vorne. Es ergeben sich Chancen hüben wie drüben – allein Yuki Ogimi (formerly known as Nagasato) hätte mehrere Dinger machen können, vielleicht sogar müssen. Hope Solo wuchs in mehreren Situationen geradezu über sich hinaus. Die Paraden waren teilweise fast unmöglich. Kurz vor Schluß hat dann die Jüngste auf dem Platz, Mana Iwabuchi, die Chance das Spiel in die verlängerung zu schicken, aber, wie sagt man so schön, Hope dies last. Vielleicht die Szene des Spiels. Neben dem nicht gegebenen Handelfmeter in der ersten Halbzeit. Da sah Bibiana Steinhaus nicht wirklich glücklich aus. Die Tatsache, daß danach kaum jemand darüber gesprochen hat (am wenigsten die japanischen Medien, so ich das mitbekommen habe), lag sicher auch daran, daß „Nadeshiko“ einfach weitergespielt hat. Und somit zu diesem tollen Spiel beigetragen hat.

Am Ende eines mehr als spannenden Spiels steht ein verdienter Sieger und ein Zweitplatzierter, der sich über Silber genauso zu freuen scheint wie über Gold. (Anm.: Ich hab‘ die Medaillenzeremonie leider nicht sehen können, aber die Japanerinnen müssen da eine ziemliche Show abgezogen haben, inkl. Polonaise ins Stadion. Muß mal versuchen, das Video davon irgendwo zu finden.)

Thank you USA, Arigatou „Nadeshiko„, hat unglaublichen Spaß gemacht.

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