Gelbe Wand mit braunen Flecken

Niemand möchte den Verein, der einem am Herzen liegt (und hier geht es ausnahms- und glücklicherweise nicht um Fortuna Köln), mit Faschodreck in Verbindung gebracht Wissen. Umso schlimmer, wenn sich Hinweise darauf, daß im Dunstkreis des Klubs Anhänger rumspringen, die sich in so einer Soße bewegen, über Wochen hinziehen und aus der Führungsetage nichts dazu zu hören ist. Ebenso wenig in dem Medien. Mehr oder weniger totgeschwiegen. Insofern muß man fast dankbar sein, daß das Thema endlich eine breitere Öffentlichkeit erfährt und der Verein zum Handeln gezwungen wird.

(Es folgt ein etwas überhitzter und völlig subjektiver Kommentar)

Dortmund. Westfalenstadion. Südtribüne. Von den eigenen Anhängern als geradezu mystische Inkarnation des Borussengefühls verehrt. Von Gegnern veralbert und verspottet, sicher aber auch geneidet. Die größte Stehplatztribüne Europas ist ein faszinierender Ort, ohne Frage. Ob man dazu gleich solche pathetischen Heldengesänge anstimmen muß wie in diesem Video, nun ja…

Um so unerfreulicher, daß sich auf dieser Tribüne im Zuge des sportlichen Aufstiegs des BVB auch Gestalten tummeln, die dort, und meiner Meinung nach auch in keinem anderen Stadion, irgendetwas zu suchen haben. Das mag nichts neues sein, schließlich gehören SS-Siggi und seine Spießgesellen von der Borussenfront mittlerweile zur 80er Folklore des deutschen Fußballs. Und trotzdem ist es zum Kotzen, daß diese Arschlöcher dort unbehelligt ihr Unwesen treiben können.

Gut, wo sich fast 25.000 Menschen treffen werden immer irgendwelche Vollidioten darunter sein. Nur, daß die dort dann tun und lassen können, was sie wollen, daß geht gar nicht.

Der BVB liegt mir (neben der Fortuna) am Herzen. Aber ich gebe auch zu, ich war noch nie da, werde es in absehbarer Zeit auch nicht dahin schaffen, kenne die Südtribüne also nur aus der Glotze. Deswegen kann ich keine Augenzeugenberichte abgeben, sondern bin auf Erzählungen aus zweiter Hand angewiesen. Und das ging greifbar in der letzten Saison im Spiel gegen Bremen mit diesem unsäglichen, homophoben Banner los. Natürlich freue ich mich, wenn ich lese, daß es wegen des Banners ’ne Boxerei gegeben hat. Gelöst ist das Problem dadurch sicher nicht. Wie man jetzt wieder erleben durfte.

Erst ein Banner für einen verstorbenen Kameraden in Bremen beim Pokal, dann wieder ein widerliches Scheißtransparent beim Saisonauftakt (1, 2, 3). Und endlich schreiben die Medien drüber. Schaffen Öffentlichkeit. Und der Verein sieht sich endlich veranlasst eine Stellungnahme abzugeben. Worte sind schön und gut, aber ich will da erstmal Taten sehen, bevor ich applaudiere. Der Verein muß, die vernünftigen Zuschauer auf der Südtribüne sollten handeln. Klar, niemand ist zum Helden geboren, aber werdet euch mal drüber bewußt, daß ihr da in der Mehrheit seid.

Und der Verein soll diesen Spastis um Himmels Willen den Zugang zum Stadion verbieten. Wenn ich lesen muß, daß sich dort wieder Leute mit Borussenfront T-Shirts rumtreiben, wird mir schlecht. Wie kann man so einen Abschaum überhaupt durch die Tür lassen? Es ist toll, mit der eigenen Widerstandsvergangenheit hausieren zu gehen. Das ist aber nullkommanix wert, wenn man es nur als Feigenblatt für die eigene Lethargie benutzt.

Eine Geschichte am Rande, die sicher nicht 1:1 übertragbar ist (weil es ein viel kleinerer Rahmen war), aber vielleicht ein Beispiel sein kann. Bei einem Spiel im Südstadion vor ein paar Jahren wurde ein farbiger Spieler der gegnerischen Mannschaft mit Urwaldlauten bedacht. Von „einigen wenigen“. Hätte man hinnehmen können. Taten die Leute (SC Mülltonn‘), die um die Verursacher herumstanden, aber nicht. Die legten den Spinnern nahe, doch a) damit aufzuhören und b) das Stadion zu verlassen. Fanden die idioten komisch und wollten es erst nicht glauben. Mußten sie dann aber, weil die Forderung ein wenig deutlicher ausgesprochen wurde. Ich habe seitdem glücklicherweise nie wieder so einen Mist bei Fortuna-Heimspielen hören müssen.

Würde mir wünschen, daß man das in Dortmund auch schafft.

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