Unschöne Nebenschauplätze (Bundesliga 2012/13, 2. Spieltag)

Es wäre ja schön, wenn man sich an Spieltagen rein auf sportliche Dinge konzentrieren könnte. Leider scheint der deutsche Fußball einem diese Möglichkeit nicht bieten zu können. Zu viele Dinge abseits der Plätze. Zu viele unglaublich widerliche Dinge. 

Da wären zum einen die erneuten Ausfälle einiger hirnamputierter Anhänger des 1. Fußballclubs Köln, die sich dieses Mal auf den armen Kevin Pezzoni eingeschossen hatten. Gut, über dessen Leistungen der letzten Jahre kann man sagen, was man will. Aber Gewaltandrohung und vor der Tür auflauern erwarte ich eher in irgendwelchen südamerikanischen Bananenrepubliksligen. Unterste Schublade. Da ist es löblich, daß sich die Mannschaft mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit wendet, aber das Kind ist im Brunnen und rausfischen wird ziemlichen Aufwand bedeuten.

Es wird sicher so gewesen sein, daß Pezzoni weg wollte. Wer will es ihm verdenken. Und trotzdem ist die Konsequenz aus der ganze Geschichte fatal und wirft ein äußerst schlechtes Licht auf die neue Vereinsführung beim EffZeh. Steht der Mob jetzt nach jeder Niederlage bei dem Sündbock vor der Tür und randaliert? Und löst der Verein dann immer pflichtschuldigst den Vertrag auf? Wenn man so weitermacht, hat man irgendwann keine Mannschaft mehr.

Das die Mannschaft momentan nicht mit Siegen ablenken kann, dürfte die Sache für den Verein noch schwieriger machen. Das die Mannschaft überhaupt noch zum Fußball spielen in der Lage ist, ist schon mehr als bemerkenswert. Und Sie sollte sich an der unglücklichen Niederlage gegen Cottbus aufrichten. Denn schlecht war das nicht, was dort gezeigt wurde.

Warum sich allerdings ausgerechnet der Trainer des Deutschen Meisters in die Diskussion einmischen mußte, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Wahrscheinllich lag’s auch nur an den Fragen der Sportstudioredaktion. Dabei hat der BVB abseits des Platzes ganz andere Sorgen. Sicher, es mag schön sein, daß einer der Verantwortlichen für das Faschoplakat am letzten Wochenende schon identifiziert ist. Aber auch hier gilt: die Kerle sind keine Einzelfälle, da muß schon der ganze Baum gefällt werden. Auch wenn das hier (mit zugehörigm Tweet) eben dritte und nicht Bundesliga ist (beim Spiel Dortmund II gegen Rot-Weiß Erfurt. Eine lockere 0:5-Klatsche für den BVB II).

Klopp ist verantwortlich für den sportlichen Teil im Verein. Insofern sei es ihm für den Moment nachgesehen, daß er sich nicht zu den rechtsradikalen Vor- und Ausfällen äußert. Das ist Sache des Vorstands. Aber wenn er sich in die Pezzoni-Debatte einmischt, muß er über kurz oder lang auch zu Faschotransparenten und einem Borussenfrontrevival Stellung beziehen. Und ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn er das eher früher als später tut.

Wenigstens ist jetzt die nötige Öffentlichkeit vorhanden, die dem Faschopack beim BVB genauestens auf die Flossen schaut und deren Agitation ohne Verzögerung allen vor Augen führt. Hoffentlich handelt der Verein entsprechend.

Fußball, wer würde es nach diesem ganzen unschönen Kram glauben wollen, wurde aber an diesem Wochenende tatsächlich auch noch gespielt und der größte Lacher kam aus dem Kraichgau. Dort kam der selbsternannte europäische Topclub Hoffenheim (oder war das nur das Delirium von Tim Wiese?) gegen den Aufsteiger aus Frankfurt unter die Räder. So, wie sich der Hopp-Club zur Zeit präsentiert, ist das ein Verein in Auflösung und die Puristen werden frohlocken, wenn nach 34 Spieltagen endlich der Abstieg feststeht. Das der Werderanhang im Verbund mit den HSV-Fans zeitgleich Schmähgesänge in Richtung Wiese anstimmen wird, muß man abwarten. Soviel Freundschaft ist da oben dann wohl doch nicht.

Hoffenheim passiert gerade anscheinend genau das, was auch alle anderen Verein durchmachen müssen, die mit Millionen gepäppelt schnell nach oben gespült wurden. Die Personalfluktuation führt zu keiner Herausbildung einer Mannschaft und in Krisenzeiten mit schlechten Spielen und Niederlagen implodiert das Gebilde nach und nach. Hoffenheim in der Hinrunde 2008 war eine Augenweide. Das Spiel gegen Bayern München gilt als einer der besten, wenn nicht sogar das beste Bundesligaspiel überhaupt. Die Sturmreihe mit Ibisevic, Ba und Obasi, Carlos Eduardo dahinter, ein Genuß. Alles vorbei. Schon in der Saison darauf war nur noch Mittelmaß. Da helfen auch keine Startransfers wie der von Tim „ich möchte um Titel mitspielen“ Wiese. Der einzige Titel, um den sich Hoffenheim gerade bewirbt, ist schlechtester Saisonstart aller Zeiten.

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