Scheiß-Tribüne?

[Für ein Update, bitte hier entlang]
Anscheinend hat es während des Spiels am Samstag nach dem Duisburger Ausgleich ziemlich unschöne Szenen auf der Tribüne gegeben. Leider ist der Bericht im Stadtanzeiger der einzige, der diese „Affenlaute“ in Richtung des farbigen Duisburger Torschützen Daniel Somuah dokumentiert. Ich selbst stand in der Kurve und habe nach dem Ausgleich nichts dergleichen wahrgenommen (und wenn man den Diskussionen im Fortuna-Forum folgt, gehen die Wahrnehmungen da auch auseinander), will aber um Himmels Willen nicht ausschließen, daß es so war, wie der KStA-Bericht beschreibt.

Idioten gibt es überall. Diese Begründung wird immer ins Feld geführt, wenn es zu rassistischen Ausfällen auf dem Zuschauerrängen kommt. Das will ich aber gerade für Fortuna nicht gelten lassen. Gerade bei einer so überschaubaren Menge an Leuten – und 1.000 Zuschauer sind nicht viel – sollte es möglich sein, der Vollidioten, die meinen ihr minderwetiges Gedankengut herausblöken zu müssen, in die Schranken zu weisen. Ich habe im Zusammenhang mit den Vorfällen auf der Dortmunder Südtribüne schon die Anekdote erzählt, als die Jungs von der Mülltonn‘ eingeschritten sind. Durch die Öffnung der Südkurve fehlt dieses Korrektiv auf der Tribüne jetzt natürlich.

Damit will ich nicht sagen, daß nun auf der Tribüne Tür und Tor für solche Ausfälle geöffnet sind. Sie werden aber nicht mehr hart genug sanktioniert (nämlich mit einem freundlichen Hinweis, das Stadion zu verlassen).

Die Schwachmaten, die am Wochenende wohl (wie gesagt, alles unter Vorbehalt, weil ich mich nur auf Aussagen Anderer stützen kann) den stolzen Deutschen raushängen lassen mussten, werden wahrscheinlich abseits eines Fußballplatzes gar nicht groß in Erscheinung treten. Ich hoffe jedenfalls, daß wir es hier nicht mit irgendwelchen Kameradschaftskaders zu tun haben, wie es ja in Dortmund der Fall war.

Nein, das dürften die üblichen kleingeistigen Spinner sein, die auch gerne einfach mal das Wort „schwul“ als negativ konnotierte Beschreibung benutzen. Das sind die Idioten, die links und rechts in eine Tonne werfen. Das sind die Bildzeitungsjünger, die alles, was nicht in ihr Weltbild passt (und dieses Weltbild ist verdammt klein) verdammen, weil sie es nicht verstehen. Es sind die Arschlöcher, die meinen, daß die ganze Welt sich um sie dreht und sie tun und lassen können, was sie wollen. Kurz, es handelt sich um Deppen, denen nie jemand wirklich beigebracht hat, wie man sein Gehirn benutzt. Die können nur Assoziationsketten. Spieler schwarz? Ruft man Affenlaute. Spieler hat lange Haare und geht komisch? Bestimmt schwul. Menschen mit linken T-Shirts? Alles Terroristen.

Aber diese geistigen Tiefflieger gehen bestimmt zu ihrem Stammitaliener, fühlen sich da wohl und lassen es sich gut gehen. Die kaufen sich mit Sicherheit auch mal ’n Döner auf die Hand und finden das völlig normal. Weil sie eben nicht in der Lage sind, weiter als bis zu ihrer Haustür zu denken.

Hört sich das nach einer Rechtfertigung für die Vorfälle vom Wochenende an? Soll es nicht sein. Ich mag solche Leute nicht. Wer seine eigene Umwelt nicht wahrnimmt und vor allen Dingen Rücksicht und Respekt wahrt, der kriegt kein Mitleid. Ich für meinen Teil will mir in Gesellschaft von solchen kein Fußballspiel ansehen. Ich will überhaupt nichts in Gesellschaft von solchen Leuten ansehen.

Weiß ich, wie ich mich verhalten hätte, wenn so etwas in meiner Nähe passiert wäre? Nein. Hätte ich mein Maul aufgemacht? Kann ich nicht sagen. Verdammt, ich weiß, daß es schwer ist den Helden zu spielen. Aber da waren nicht nur die paar Idioten auf der Tribüne, da standen genug Leute drum herum. Und von denen hätte ich in dem Zusammenhang etwas mehr Haltung erwartet.

Was ich begrüße ist, daß das ganze an der Öffentlichkeit ist und somot drüber gesprochen wird. Der Verein hat sich ja schon sehr schnell – und vor allem richtig – dazu geäußert. Hoffentlich bewirkt das etwas, wenn sich mal wieder einige Klappspaten ins Südstadion verirren.

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Ein Gedanke zu „Scheiß-Tribüne?

  1. Ich denke schon einige Zeit darüber nach, ob einem vielleicht doch nichts anderes übrig bleibt, als einen gewissen Prozentsatz an Vollidioten hinzunehmen. Es sollte einem gelingen, den Freundes- und Bekanntenkreis davon freizuhalten und Einfluss zu nehmen. Und ja, Haltung zeigen ist essentiell, aber ich fürchte der erste und wahrscheinlich einzig erfolgversprechende Schritt ist, ein Bewusstsein (in den Fangruppen, im Verein) zu schaffen und dieses dann auch öffentlich zu machen. Wir werden keine Missionierung und Bekehrung der Vollspacken schaffen, aber die Unterbindung der öffentlichen Äußerung, daran sollte uns gelegen sein. Und dabei geht es nicht in erster Linie darum, dem 50 Mann Ultra-Mob die Äusserung zu untersagen, sondern den 40jährigen Familienvater darum zu bitten, sein „Boah spielt der schwul“ abzustellen.

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