Heimsieg am Geißbockheim (1. FC Köln II – Fortuna Köln 1:2)

Das sind doch die Spiele auf die man die ganze Woche hinfiebert. Freitag abend. Flutlicht. Ein reines Fußballstadion, idyllisch im Stadtwald gelegen. Und die zweite Mannschaft des Lokalrivalen als Gegner. Was will man denn mehr?

Schon vor dem Anpfiff hatte die Fortuna einigermaßen Glück. Weil der EffZeh ja zeitgleich mit der ersten Mannschaft bei Union Berlin zu Gast war und Holger Stanislawski auf Tese, Ishak und Chihi verzichtet hatte, bestand die Gefahr, daß die U21 mit den Profis aufgefüllt würde. Ein Ärgernis, daß zweite Mannschaften in der Regionalliga so mit sich bringen. Letztendlich kam keiner von den dreien zum Einsatz, die saßen, meine ich, nicht mal auf der Bank.

Schon vor dem Anpfiff war die Spannung förmlich mit Händen zu greifen. Ich war schon auf Maloche recht kribbelig und unkonzentriert. Die Ecke der Gästesupporter war dann auch recht gut gefüllt. Durch das zeitgleiche Zweitligaspiel interessierten sich leider nicht so viele EffZeh-Anhänger für das Spiel, und so war der Gesangswettbewerb auf den Rängen ziemlich schnell entschieden.

Den besseren Start hatte allerdings die Heimmannschaft. Katastrophaler Abwehrfehler. Dominique Ndjeng ließ sich nach einem langen Ball recht einfach abkochen und Lucas Musculus konnte ziemlich einfach abschließen (3. Minute). Der ließ es sich dann nicht nehmen, vor den Fortuna-Anhängern zu jubeln. Die ließen sich zunächst zu einigen Becherwürfen hinreißen, aber diese billigen Plastikdinger fliegen in leerem Zustand ja glücklicherweise nicht allzu weit. Danach war dann wieder Support angesagt, und der war an diesem Abend herausragend.

Auf dem Platz schlug der sich allerdings zunächst nicht nieder. Fortuna kontrollierte das Spiel, der EffZeh zog sich weit zurück und verlegte sich auf’s kontern. Es wurden ein paar Chancen herausgespielt, allerdings ohne wirklich zwingend zum Abschluß zu kommen. Hinten wackelte die Abwehr dafür ein ums andere Mal, zum Beispiel als Ndjeng einfach mal einen Ball völlig unkontrolliert Richtung eigenes Tor hob und die Kugel glücklicherweise hinter dem Kasten runterkam.

Muß zugeben, Sorgen habe ich mir zu diesem Zeitpunkt kaum gemacht. Zu überzeugend waren die Auftritte in den letzten Wochen. Irgendwie hab ich das Gefühl, daß Koschinat der Mannschaft in der Halbzeit immer die richtigen Anweisungen mit auf den Weg gibt.

So kam die Fortuna dann auch sehr engagiert aus der Pause zurück und erarbeitete sich gleich durch ein sehr forsches Pressing einige Chancen. Der EffZeh konnte sich zu diesem Zeitpunkt bei seinem Torwart Marcel Schuhen bedanken, der mehrfach gefährliche Situationen entschäfte.

In der 57. Minute war er dann allerdings machtlos, als Thomas Kraus einen abgewehrten Ball endlich zum Ausgleich über die Linie ballern konnte. Kraus muß man es wirklich gönnen, nach den Massen an 100%igen Chancen, die er regelmäßig liegen lässt. Auch gestern war wieder eine dermaßen klare Chance dabei. Zum Haare raufen. Nun gut, daß es bei der Fortuna nie langweilig wird, wissen wir ja alle.

Daß die Mannschaft das Spiel nach dem Ausgleich nicht beruhigte, sondern weiter nach vorne spielte, kam auf den Rängen ziemlich gut an. Da wollte man nämlich mehr. Und wurde in der 76. Minute belohnt. Der wie gewohnt bis zur völligen Erschöpfung ackernde Fabian Montabell staubte ungelenk ab und versetzte den Fortuna-Anhang in einen unglaublichen Freudentaumel.

Jetzt sollte natürlich der – um es mal martialisch auszudrücken – finale Rettungsschuß folgen und Fortuna drückte weiter. Der EffZeh machte hinten auf, weil er natürlich den Ausgleich wollte, und so ergaben sich Konterchancen, von denen Kraus eine im Netz versenkte. Nur der Schiedsrichter, der an diesem Abend von einem unglaublichen Profilneurotiker dargestellt wurde, hatte etwas dagegen, weil er ein Foul gesehen haben wollte. Sein Pfiff hatte einen erneuten Becherwurf zur Folge, der den Mann in schwarz anscheinend dermaßen erschreckte, daß er erstmal das Spiel für eine Unterredung mit den Kapitänen unterbrach. Lächerliche Aktion. Trug vor allem nicht zur Beruhigung auf den Rängen bei.

Verhindern konnte er den Auswärtssieg der Fortuna so auch nicht mehr. Zwar berannte der EffZeh den gegnerischen Strafraum in den Schlußminuten fulminant, allerdings ohne wirklich zu zwingenden Aktionen zu kommen.

Was bleibt? Die Fortuna-Anhänger unter den 1.200 Zuschauern gingen zufrieden nach Hause. Siegesgesänge und eine schöne Intonation von „In unserm Veedel“ klangen noch lange nach Schlußpfiff durch den Stadtwald.

Einige Nachbetrachtungen:

  • Die beiden U19 Europameister Reinhold Yabo und Bienvenue Basala-Mazana spielen völlig zurecht Regionalliga. Ideenlos, spielerisch limitiert, nicht zweitligatauglich. Wie eigentlich alle Spieler der EffZeh U21.
  • Silvio Pagano ein „attacare“ zuzurufen halte ich für sehr unangebracht. Der Spieler spricht sicher besser Deutsch als die Schnapsleiche, die meinte, das Maul aufreißen zu müssen.
  • Auf das Stadion bin ich einfach neidisch. Nur, wo war denn eigentlich die Anzeigentafel, die angeblich für eine Regionalligalizenz erforderlich ist? Brauchen zweite Mannschaften so was nicht?
  • Ein Ticket für die Stehplätze für €5, ein Bier für €2. Das ist vorbildlich und sollte der Fortuna zu denken geben.

Express und Stadtanzeiger hatten schon gestern abend Artikel online.

Jetzt freu ich mich am Montag mal wieder ein Livespiel der Fortuna im Fernsehn anschauen zu können. Wäre schön, wenn es da auch so laufen würde wie gestern.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Yilmaz, Flottmann, Ndjeng, Zinke – Pagano, Nottbeck, Pospischil, Lejan (ab 69. Minute Kessel) – Kraus (ab 79. Minute Schaaf), Monabell (ab 87. Minute Kühn)

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3 Gedanken zu „Heimsieg am Geißbockheim (1. FC Köln II – Fortuna Köln 1:2)

  1. Das mit der Anzeigentafel habe ich mich auch gefragt. Ebenso habe ich mich gewundert: War nicht bei uns die Südkurve gesperrt, weil sie nicht von der Lautsprecheranlage beschallt werden konnte und so Ssicherheitsanforderungen nicht genügte? Diese Regel, wenn es je eine war und nicht nur eine Ausrede von DFC, gilt wohl auch nicht für den großen FC.

  2. Pingback: “Ein bisschen familiärer, kleiner, wärmer” |

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