Madness in Manchester (Champions League 2012/13, 2. Spieltag)

Die Gruppenphase der Champions League ist so ziemlich das überflüssigste und langweiligste, was sich ein geldgeiles Funktionärshirn irgendwann mal ausgedacht hat. Aber manchmal, wirklich nur manchmal, da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die spielen. Ein Fußballspiel spielen. Mit Betonung auf „spielen“.

Manchester und Dortmund waren diese beiden Mannschaften am Mittwoch. Seien wir ehrlich, eine Champions League Gruppe baut sich normalerweise folgendermaßen auf: da ist der Favorit, den alle auf dem Zettel haben für den Gruppensieg. Dann kommt der klare Zweitplatzierte, der den Favoriten ärgern, aber vielleicht nicht umstoßen kann. Der Dritte, wird auch dritter. Er ist gut, aber eben nicht gut genug. Und dann gibt es das Kanonenfutter, eine Mannschaft, irgendwo aus Osteuropa. Oder ein überraschender Tabellenvierter aus England, Spanien, oder Deutschland. Ein Debütant. Der wird eh Letzter. Das ist in der diesjährigen Gruppe D der Champions League anders.

Abgesehen davon, daß die Zusammensetzung endlich mal dem Namen des Wettbewerbs gerecht wird, treffen hier vier Teams aufeinander, die spielen wollen. Nicht zerstören, spielen. Das sah man am ersten Spieltag, daß war auch gestern wieder zu besichtigen.

Wer nun nach so einem tollen Abend meint, Schiedsrichterkritik betreiben zu müssen, weil der Mann in Schwarz durch seinen Pfiff einen Dortmunder Sieg verhinderte, der sieht in meinen Augen so ein Spiel durch die falsche Brille. Habe ich mich über den Punktverlust der Borussia geärgert? Natürlich. Aber war er so unverdient? Nun, wenn man dermaßen viele Chancen liegen läßt und hinten der eigenen Keeper (Weidenfeller übrigens überragend. Hätte ich nicht gedacht, daß ich das mal schreiben würde) in höchster Not retten muß, dann kann man sich über ein Unentschieden nicht beschweren, egal, wie es zustande gekommen ist.

Sicher, beide Abwehrreihen standen alles andere als sattelfest. Und trotzdem gab es herausragende Abwehraktionen zu Hauf, nicht nur von beiden Torleuten. (a propos Torhüter: liebe deutsche Medien,  der Witz über englische Torleute ist nicht mehr lustig. I repeat, der Witz über englische Torleute ist nicht mehr lustig.) Wie oft die Dortmunder Hintermannschaft, wie gesagt, bei allem Kuddelmuddel, richtig stand und glänzend verteidigte, war ein Genuß.

Und über die offensiven Qualitäten beider Mannschaften muß man eh keine großen Worte verlieren. Das war teilweise zu schön um wahr zu sein. Was die BVB Offensivreihe da abliefterte, insobesondere vor dem Seitenwechsel, war belissimo.

„…but….this is madness!“.  „This! Is! Football!“

Dieses Spiel hat den Dortmunder Lauffußball 1:1 in die Champions League übertragen. Götze, Reus, Blasczykowski und Lewandowski haben da vorne einen Alarm gemacht, wunderbar. Dazu ein wahnsinnig stabiles Mittelfeld mit Gündogan und Bender, der wieder komplett gesund zu sein scheint. Hinten, wie gesagt, Wackler, aber auch großartige Aktionen von Pisczeck, Subotic, Hummels und Schmelzer. Und ganz hinten, nun ja, habe ich bereits angesprochen.

Bei City genau das gleiche. Was allein Kun Aguero vorne für Dinger serviert bekommt. Silva zusehen zu dürfen ist immer ein Privileg. Dzeko ist auch unglaublich. Und Hart war an diesem Tag einfach der beste Torwart der Welt.

Nein, ich kann mich noch so einem Spiel nicht aufregen. Auch wenn das Ergebnis wohl durch eine Fehlentscheidung zustande gekommen ist. Nein, kein Zorn. Dankbarkeit. Dafür, daß ich solchen Darbietungen beiwohnen durfte. Ein Unentschieden mag schmerzen, aber es wird aufgewogen durch die Freude darüber, daß am Mittwoch Abend in Manchester zwei Mannschaften zusammenkamen, um ein Fußballspiel zu spielen. Mit Betonung auf „spielen“.

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