Gone in 30 seconds (SV Bergisch-Gladbach 09 – Fortuna Köln 1:5)

Das Schöne am Fußball ist ja, daß man immer wieder überrascht werden kann. Aberwitzige Aufholjagden, Tore aus dem Nichts, ein wunderschönes Kabinettstückchen, ungeahnte Brutalität. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Der Nachmittag im Bergischen bot so einiges in der Richtung.

Was zunächst mal wirklich schade war, war das Wetter. Denn bei etwas angenehmeren äußeren Bedingungen hätte sicherlich mehr als knapp 1.000 Zuschauer den Weg in das wirklich schmucke Stadion gefunden. Ich war zum ersten Mal zu Gast und fand es wirklich sehr idyllisch. An den Freßständen habe ich mich nicht versucht, aber am Eingang schien es sogar Currywurst zu geben. großer Pluspunkt. Einstrittspreise gingen mit €12 für die Tribüne und €8 für einen Stehplatz auch völlig in Ordnung.

Es ist eben etwas geruhsamer auf dem Dorf, deswegen hängt der Stadionsprecher während des Spiels auch einfach mal seinen Fanschal aus der Sprecherkabine. Angenehm.

Koschinat hatte nach den beiden Pleiten wohl Handlungsbedarf gesehen und die Aufstellung gehörig durchgewirbelt. Die Abwehr wurde fast komplett auf links gedreht und im Mittelfeld durfte Michael Kessel von Beginn an mitmachen. Ich tippe mal darauf, daß die Maßgabe war, den Gegner früh unter Druck zu setzen, um zu einem frühen Treffer zu kommen, damit sich nicht das Geduldsspiel der letzten Wochen wiederholen sollte. Im Nachhinein kann man sagen, daß das hervorragend geklappt hat. (Frei nach …But Alive) Und das ging so:

Anpfiff – Foul – Rot – Elfmeter – Tor. In der Kurzform. Etwas ausführlicher klingt das folgerndermaßen. Vom Start weg, Anstoß übrigens von Gladbach, sehr großer Druck der Fortuna auf die Hintermannschaft der Hausherren Pagano luchst den Ball ab, marschiert alleine auf’s Tor zu, der Torwart kommt raus und senst ihn um. Das Ganze passiert im Strafraum und innerhalb der ersten 30 Sekunden des Spiels. Konsequente Regelauslegung besagt nun mal leider, daß der Keeper Rot sieht und den Platz verlassen muß. Man versetze sich mal in den armen Kerl. Der hat sich mit Sicherheit die ganze Woche auf dieses Spiel gefreut und sich ’ne Menge vorgenommen. Und dann passiert ihm so was. Traurig. Aber gut, kannste als Gegner ja auch nicht sagen, daß man einfach nochmal von vorne anfängt. Sagte sich Pagano auch nicht, der verwandelte den Strafstoß trocken zum 0:1 (2.).

Ab da hatte die Fortuna das Spiel komplett im Griff und erarbeitete sich Chance um Chance. Die Belohnung kam dann auch durch Kraus (16.) und Yilmaz (26.), die schnell eine hohe Führung herausschossen. Auf der Tribüne machten schon die ersten Witze über ein mögliches zweistelliges Ergebnis die Runde.

Es spricht allerdings sehr für die Moral von Bergisch-Gladbach, daß sie sich nicht hängen ließen, sondern versuchten mitzuspielen. Ein Spiel über 90 Minuten in Unterzahl kann die Moral schon mal brechen. Nicht so bei den Gastgebern. Da es die Fortuna nach dem 0:3 merklich ruhiger angehen ließ, kam Gladbach vor der Pause noch zum Anschlußtreffer (34.). Das war zum einen völlig unnötig und hatte zum anderen leider nicht den gewünschten Hallo-wach Effekt. Jedenfalls plätscherte das Spiel den Rest der ersten Hälfte so vor sich hin. Zu allem Überfluß humpelte Steffen Moritz nach einem Zweikampf auch mehr schlecht als recht über den Platz. Der sah da eher so aus, als ob er ausgewechselt werden müßte. Umso überraschender, daß er bis zur 79. Minute durchhielt. Sympathisch auch, daß er nach dem Zweikampf nicht den sterbenden Schwan markierte, damit der gegnersiche Angriff abgepfiffen wird, sondern sich fair selbst zur Außenlinie schleppte, um sich dort behandeln zu lassen. Sieht man leider viel zu selten. Nach Abpfiff hatte er das Knie ziemlich dick eingepackt, man muß also mit dem Schlimmsten rechnen…

Nach dem Wechsel verlor das Spiel zunehmend an Dynamik. Man konnte richtig sehen, daß Fortuna nicht mehr wollte und Gladbach nicht mehr konnte. Beamtenfußball, Ergebnisverwaltung, nennt es wie ihr wollt. Mir hat’s nicht gefallen. Denn bei aller Spielkontrolle schlich sich ab und an immer mal wieder der Schlendrian ein. Und bei etwas spritzigerer Chancenverwertung hätte Gladbach glatt noch ein Tor nachlegen können.

Aber, ich hab’s ja angekündigt, es passieren Sachen, die hat man noch nicht gesehen. Also, in der Häufung. Denn in der 75. Minute gab’s einen Zweikampf auf der rechten Gladbacher Abwehrseite, bei der der eingewechselte Cannizzaro Gelb sag und sein Gegner länger behandelt werden mußte. Da Gladbach das Auswechselkontingent ausgeschöpft hatte, blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Schlußphase mit 9 Spielern zu bestreiten. Und das nutze die Fortuna in Person von Kraus (82.) und Cannizzaro (83.) gnadenlos aus. Man muß dem Schiedsrichter eigentlich dankbar sein, daß er dem, aus Gladbacher Sicht, Trauerspiel nach exakt 90 Minuten ein Ende setzte.

Was nimmt man nun aus so einem Spiel mit? Nach 30 Sekunden war es eigentlich schon ein Muster ohne Wert. Trotzdem war der Auftritt bis zur ca. 30. Minute sehr überzeugend. Danach verfiel man wieder in Schlafwagenfußball. Ob die Wechsel von Koschinat irgendwie für den Sieg verantwortlich waren, kann man auch kaum bewerten. Das Spiel war mit dem Platzverweis und dem Elfmeter durch.

Mal sehen, wie das nächstes Wochenende im Pokal aussieht. Barfuß oder Lackschuh, Blamage oder nächste Runde.

Spielberichte hat der Stadtanzeiger und beim Reviersport/Fussifreunde wird auch auf die unterhaltsame Pressekonferenz nach dem Spiel eingegangen.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Schaaf (ab 75. Minute Sievers), Schäfer, Laux, Yilmaz – Kessel (ab 65. Minute Cannizzaro), Nottbeck, Pospischil, Pagano – Kraus, Moritz (ab 79. Minute Kühn)

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