Von van-Gaal-Ballbesitz zu Frank-Mill-Gedächtnischancen (Fortuna Köln – SC Wiedenbrück 2:0)

Wie reagiert man auf eine Abreibung in der Vorwoche? Würde sagen, entweder, indem man kompromißlos alles in Grund und Boden spielen will (sprich: mit Risiko). Oder man versucht zu kontrollieren und erstmal nix anbrennen zu lassen (sprich: auf Sicherheit). Fortuna hatte nach dem 0:2 gegen Schalke II diese beiden Möglichkeiten. Man wählte gegen den Tabellenachtzehnten aus Wiedenbrück die letztere.

Koschinat wollte verständlicherweise ein „zu-Null“ und einen klaren Sieg. Er hat beides bekommen. Ob mit der Art und Weise, wie sein Wunsch zustande kam, zufrieden ist, muß er beantworten. Auf den Rängen der Südkurve war man sich weniger einig. Sicher, die Spielkontrolle war gegen einen harmlosen Gegner da. Völlig. Wirklich Torchancen hatten die Gäste nicht. Das hatte fast was von „van-Gaal-Ballbesitz-Fußball“ mit elend langen Ballstaffetten ohne Zug zum Tor. Denn daran krankte das Spiel der Fortuna in der ersten Halbzeit. Es gab kaum bis gar keine Abschlüsse. Und wenn man sich dann doch mal einen Steilpaß zutraute, stand dort Christ Kasela Mbona, der deutsch-kongolesische Abwehrspieler der Ostwestfalen. Ich achte normalerweise weniger auf Spieler des Gegners. Aber Kasela Mbona fiel auf. Stand immer richtig, stopfte haufenweise Löcher, die durch Unachtsamkeiten seiner Mitspieler entstanden, und strahlte eine unglaubliche Umsicht und Ruhe aus.

Bei Freistößen, die direkt auf’s Tor gehen, kann aber auch der beste Abwehrspieler nichts retten und so ging die Fortuna durch Pagano (wen sonst?) durch eben einen solchen in Führung (30.). Völlig verdient. Aber trotzdem auch irgendwie glücklich. Ich hatte eigentlich gehofft, daß dieser Treffer den gordischen Knoten zerschlagen würde, aber in Halbzeit eins tat sich nicht mehr fiel und der Stellungskrieg ging weiter.

Nach der Wechsel allerdings kam wesentlich mehr Zug ins Spiel. Vor allem, weil bei Fortuna etwas konsequenter über die Flügel gespielt wurde. Die erste Chance verschenkte Cannizzaro kurz nach der Pause nach einer schönen
Hereingabe von Kessel. Aber ob man den zwingend als Seitfallzieher verarbeiten mußte? Nun ja.

Dann fällt der Treffer eben nach einem Spielzug durch die Mitte. Man kann Thomas Kraus einiges vorwerfen. Unter anderem, daß er unglaublich viele hunterprozentige Chancen liegen läßt. Die, und das ist positiv, erarbeitet er sich aber durch gutes Stellungsspiel und geschickte Laufwege. Und so einen hatte er in der 57. Minute, als er steil geschickt wurde, das Stadion den Atem anhielt, als er alleine auf den Torwart zulief und in dem Moment, als er ihn umkurvte und jeder mit einer Frank-Mill-Gedächtnisaktion rechnete, eiskalt vollendete. Herrlicher Treffer, es sei ihm gegönnt.

Der Rest des Spiels ging in etwa genauso weiter. Fortuna dominierte, mit etwas zwingenderen Aktionen als in der ersten Hälfte, fand aber mit dem letzten Paß oder der Flanke nie einen Abnehmer. Wiedenbrück verlegte sich auf’s Kontern, stand phasenweise bei Ecken mit 9 Feldspielern im eigenen Strafraum und hatte eine einzige Chance auf den Anschlußtreffer, die Poggenborg vereitelte.

Alles in allem ein Arbeitssieg ohne Glanz, ein lockerer Aufgalopp zum wichtigsten Spiel des Jahres nächstes Wochenende. Der Gegner ließ im kleinen Derby Federn und so ist an der Tabellenspitze alles eng beisammen. Es bleibt spannend…

Zum Drumherum: natürlich klingen 796 Zuschauer nicht toll, aber es ist Herbst, es sind keine Schulferien und die Mannschaft spielt längst nicht mehr so konstant und berauschend wie noch zu Saisonbeginn. Das sich einige Leute, die vielleicht bei Spielen im Spätsommer noch gekommen sind, sagen, daß man das Geld lieber spart, kann ich nachvollziehen. Insofern will ich da gar nicht meckern.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Schaaf (ab 76. Minute Sievers), Schäfer, Flottmann, Yilmaz – Nottbeck, Kessel (ab 85. Minute Batarilo), Pagano, Pospischil – Cannizzaro (ab 60. Minute Montabell), Kraus.

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