So wie einst [bei] Real Madrid (Viktoria Köln – Fortuna Köln 1:3)

Unsicherheit. Sorge. Angst. Furcht. Hoffnung, Entschlossenheit. Nervosität. Zuversicht. Hochgefühl. Eurphorie. Wieder Zweifel. Glückseligkeit. Freude. Das dürfte in etwa meine gestrige Gefühlswelt zusammenfassen. Was für ein Tag.

Selten hat die Bezeichnung „Spiel des Jahres“ dermaßen wie die Faust auf’s Auge gepaßt. Zweitligaatmossphäre in Höhenberg, auch wenn dafür sicherlich nur ein Teil der über 6.000 Besucher verantwortlich war. Ein würdiger Rahmen.

Das Spiel selbst konnte in der ersten Halbzeit nicht wirklich daran anschließen. Beide Mannschaften schienen erstmal auf Nummer sicher gehen zu wollen. Kein Risiko, viel Quergeschiebe. Fortuna allerdings mit ein bißchen mehr Mut und den ersten Aufreger durch Michael Kessels Lattentreffer. Das öffnete das Spiel ein wenig und auf der anderen Seite scheiterte Aydogmus am glänzenden Poggenborg.

Ein 0:0 zur Pause, daß den Gastgebern sicherlich schmeichelte. Mein Nervosität konnte das Ergebnis nicht vertreiben, aber es keimte Hoffnung. So entschlossen hatte ich jedenfalls die Fortuna selten agieren sehen in dieser Saison. Hinten sicher, den Gegner und das Spiel kontrollierend, mit ein bißchen zu wenig Durchschlagskraft und Risikobereitschaft nach vorne. Es ging ein wenig zu viel über rechts, wo sich Pagano und Yilmaz bemühten, aber oft zugestellt wurden. Links agierte hinten überraschenderweise Kapitän Mitja Schäfer, der defensiv auch recht ordentlich spielte, nach vorne aber wenig beitragen konnte. Und natürlich profitierte die Fortuna vom Fehlen eines Mike Wunderlich. Viktoria hatte im Mittelfeld überhaupt keinen Zugriff auf’s Spiel. Wenn ich das richtig gesehen habe, mußte sich ein Grobmotoriker wie Alex Voigt im Zentrum versuchen. So was kann natürlich nicht wirklich lange gut gehen.

Wie das so ist, man hat Hoffnung für die zweite Hälfte. Ein schnelles Tor vielleicht. Dann könnte man, dann hätte man … äh, hallo? Wieso geht das denn nicht weiter? Was’n da los? Stillstand. Alle auf dem Rasen, aber keiner bewegt sich?! Watt? Wie?! Datt Tor is‘ kapott? Jetzt werdense hier noch übermütig und halten sich für Real Madrid. Quälend lange 10 Minuten geht nichts. Unverständlich. Und das alles nur, weil ein Faden des Netzes nicht richtig im Haken hing. Mußte wahrscheinlich genau in diesem Spiel passieren.

Brachte die Fortuna aber nicht aus dem Konzept, denn in der 61. Minute brachte Thomas Kraus den Gästeblock zum Jubeln. Ein Zuckeranspiel von Christian Pospischil, bei dem ich zuerst annahm, daß es Abseits sein mußte, weil Kraus so dermaßen frei stand. 1:0!!! Unglaublich. Lasten fielen ab. Ich sah Licht am Ende des Tunnels. Aber noch war ja nix entschieden. Ruhig bleiben. Nachlegen.

Und dann machen die das wirklich. Wo normalerweise die Nervosität einsetzt und auch in dieser Saison die Mannschaft vereinzelt zu sehr auf Sicherheit spielte, legt die Fortuna tatsächlich nach. Freistoß, ich glaube, wieder von Pospischil von links und Flottmann hält die Rübe hin (66. Minute). 2:0!!! Jubel, Trubel, Heiterkeit. Ich denk‘, ich werd‘ nicht mehr. Könnte es heute…? Könnte es wirklich sein, daß…? Erinnerungen an bittere Derbyniederlagen tauchen auf. Enttäuschungen. Wenn das so bleibt, dann… Ruhig bleiben, Ruhig bleiben. Ist ja noch ’ne Menge zu spielen!

Denn auch wenn die Fortuna weiterhin nach vorne spielt und nachzulegen versucht, wacht der Gegner langsam auf. Viktoria dreht auf und sucht den Anschluß. Der fällt in der 82. Minute durch den eingewechselten Fatih Candan und plötzlich sind sie wieder da. Die Zweifel. Die Bedenken. Die Angst. Die Furcht. Nicht den Faden verlieren, nicht nachlassen. Konzentriert euch, verdammt. Ihr seid so nach dran.

Und wo normalerweise das Chaos regiert, bleibt die Fortuna in diesem Spiel eiskalt. Spielt weiter nach vorne. Offensiv. Selbstbewußt. Auf Sieg. Pagano kann alles entscheiden. Setzt sich auf rechts gegen vier Gegenspieler durch. Legt den Ball am Torwart vorbei …. ans Außennetz. Wo ist die Uhr? Wie lange noch? Überhaupt, wo ist eigentlich die vorgeschriebene Anzeigentafel? Egal, darauf kommt’s jetzt nicht mehr an. Weiter, nach vorne, nachlegen. Was? Nein, nicht so, verdammt, die Chance war … doch, DA! Montabell, man, nicht dribb … JAAAAA!!! 3:1!!! Deckel drauf (88. Minute)! Seid umschlungen, Millionen. Was für ein Schlußpunkt.

Der Rest ist völliges Delirium. Glückseligkeit. Hochgefühl. Zufriedenheit. Der Abpfiff läßt im Block alle Dämme brechen. Gesänge. „Derbysieger“-Rufe. Die Mannschaft vor’m Block. Der Trainer als Dirigent und Mailand-Fahrer. Und zum Schluß noch der Präsident, der jedem, dem er habhaft werden kann, die Hand schüttelt. Ein wundervoller Tag.

Was bleibt: die Erinnerung, dabei gewesen zu sein. Und es war ruhig. Bis auf ein paar unnötige Robocop-Aufmärsche vor den jeweiligen Fanblöcken geradezu friedlich. Nur auf dem Weg des Fortuna-Mobs vom Sünner zum Stadion kam es zu „Zwischenfällen“, die anscheinend auf das Konto von fehlgeleiteten FC-Anhängern gingen.

Ansonsten, wie gesagt, alles friedlich. Wie es sein soll. Der Support im Gästblock war wiedermal herausragend gut.

Kommen wir zur Nachbetrachtung, die gibt es zum einen bei den Fussifreunden (mit Einzelbewertungen der Spieler von Fortuna und Viktoria), als auch beim Express (inkl. Video). Der Stadtanzeiger lässt noch auf sich warten, während die Rundschau eine dpa-Meldungen übernimmt.

Der WDR war auch vor Ort, ich frage mich allerdings welches Spiel Jürgen Bergener gesehen hat, wenn er die Viktoria bescheinigt, in der ersten Viertelstunde überlegen gewesen zu sein.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Ozan Yilmaz, Ndjeng, Flottmann, Schäfer – Nottbeck (ab 89. Minute Sievers), Zinke – Kessel (ab 88. Minute Schaaf), Pospischil, Pagano – Kraus (ab 75. Minute Montabell).

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